Das Menschenbaby - Heutige Gesellschaft

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Bei den Säugetieren endet die Schwangerschaft nicht mit der Geburt. Der Ernährungsprozess nach der Geburt, obwohl genetisch und biologisch eine Fortsetzung der Vorgänge während der Schwangerschaft, ist leider kein Automatismus. Bei den Menschen kann die Mutter wählen, möglicherweise beeinflusst von kulturellen Gegebenheiten, diesen natürlichen Fortgang zu unterbrechen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Mütter unserer Urahnen sehr viel mehr von hormonellen, instinktiven und reflexartigen Prozessen gesteuert waren hinsichtlich der Versorgung ihrer Neugeborenen, als die Mütter unserer Zeit. Heutzutage ist Fürsorge für unsere Babys und Kleinkinder hauptsächlich bewusst gesteuert, und je mehr das bewusste Handeln von der jeweiligen Kultur bestimmt wurde, unterliegt der Umgang mit Kindern Vorgaben, die stark beeinflusst von den sozialen und ökonomischen Strukturen einer Gesellschaft werden.

Babys werden längst nicht mehr so umsorgt, wie es ihnen von Natur aus zukommt, sondern umgekehrt, sie müssen sich den vorherrschenden Normen anpassen. Wir Menschen sind dafür prädestiniert unseren Nachwuchs zu stillen, in den Armen zu wiegen, zu tragen, mit ihm zu schmusen und so fort. Wir sind sehr wohl in der Lage intellektuell zu erkennen, dass dies der beste Umgang für Menschenbabys ist. Wir können, sowohl als Einzelpersonen, als auch als Gesellschaft, Mütter dazu ermutigen, ihre Babys zu stillen, sie ihm positiven Sinne zu verwöhnen. Trotzdem, Verstand ist wie ein zweischneidiges Schwert. Vor unserem kulturellen Hintergrund können wir beispielsweise der Meinung sein, dass die biologische Mutterschaft unwichtig ist, weder notwendig für das Kind, noch wünschenswert im Hinblick auf die Errungenschaften der Frauenbewegung. Oder, wir können der Meinung sein, zu viel Fürsorge führt nur dazu, dass Babys verzogen werden und ist deswegen schädlich für ihre Entwicklung. Oder wir sind der Meinung es gäbe gute Gründe, dass Kinder mit Behinderungen oder Krankheiten oder aufgrund ihrer Herkunft lieber gar nicht erst geboren werden sollten.

Wir können sicher sein, dass über den größten Zeitraum der Menschheitsgeschichte hinweg,  Mütter, Bemutterung und das Verlangen eines Babys nach seiner Mutter sehr hoch geschätzt wurden und von der jeweiligen gesellschaftlichen Gruppe als erste Priorität eingestuft wurden. Wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, wir hätten nicht überleben können als Art, die der Bemutterung bedarf. Mutter und Kind hätten nicht lange nur auf sich gestellt überleben können getrennt von ihrer Gruppe, sondern nur mit ihrer Hilfe und Unterstützung.

99% aller Menschen, die jemals lebten, waren Jäger und Sammler. Studien über Jäger und Sammler Gesellschaften, beweisen, den hohen Stellenwert der Mutter, die ihr Kind umsorgt. Respekt und Unterstützung der ganzen Gruppe wurden ihr zuteil. Trotzdem, in der Vergangenheit bis heute, hat es sich insbesondere in der westlichen Welt durchgesetzt, die Notwendigkeit der biologischen Mutter, die ihr Kind umsorgt, in Frage zu stellen. Mütter in sämtlichen Kulturen und zu den unterschiedlichsten Epochen wurden dazu ermuntert, zärtliche Gefühle für ihre Babys zu unterdrücken, entmutigt ihre Kinder auf die biologische Art und Weise des Menschseins zu umsorgen und ihre Babys in fremde Hände zu geben. Zeugen dieser historischen Fakten sind die Amme und das Fläschchen. Beide dieser kulturellen Errungenschaften Babys mit Nahrung zu versorgen haben – zu unserem Kummer – erfolgreich ihr Ziel erreicht, nämlich die natürliche Mutter-Kind-Beziehung zu zerstören. Sie haben die biologischen Bedingungen für den Fortpflanzungsprozess des Menschen dramatisch verändert, die Art und Weise, wie sich menschliches Leben entwickelt, und vielleicht auch, wie sich der Mensch an sich entwickeln wird.

Schaut man sich die Bedingungen an, unter denen Kinder in der Vergangenheit in der zivilisierten Welt aufwachsen mussten, so stellt sich heraus, dass sie durchaus nicht immer willkommen waren. Zu den unterschiedlichsten Zeiten und aus den unterschiedlichsten Gründen wurden Kinder als böse, gefährlich, belastend, wertlos, unerwünscht und entbehrlich angesehen. Und so wurden sie auch behandelt. Lloyd de Mause schreibt in seinem Buch – Die Geschichte der Kindererziehung - : „Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum aus dem wir erst jetzt langsam aufwachen. Je weiter man in der Geschichte zurück geht, desto erniedrigender ist der Erziehungsstil und desto wahrscheinlicher für ein Kind, getötet, im Stich gelassen, geschlagen, terrorisiert und sexuell missbraucht zu werden.“

De Mause bezieht sich hierbei auf die zivilisierte Welt und nicht auf Gesellschaften, die außerhalb dieser Welt leben. Die Geschichte der Jäger und Sammler ist eine andere, betrachtet man die Umstände, die de Mause benennt. Studien von Anthropologen, die Jäger und Sammer Gesellschaften untersuchten, fanden heraus, dass in diesen Gesellschaften die Kindheit keineswegs als Alptraum zu beschreiben wäre.  Im Gegenteil, die Erziehung wird als nachsichtig bezeichnet. Je mehr diese Gruppen jedoch Kontakt mit den sogenannten Zivilisierten hatten, desto weniger umsorgten sie ihre Kinder und desto strenger und gewalttätiger wurden sie, harte Strafen kamen in Mode.

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