Römer, Felicitas: Arme Superkinder

Wie unsere Kinder der Wirtschaft geopfert werden

Verlag:Beltz, 2011
ISBN-10: 340785921X
ISBN-13: 978-3407859211
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Bewertung: 4 von 5 Raben

Felicitas Römer schlägt in acht Kapiteln den Bogen von der Rolle des Kindes (Glücksbringer, Prestigeobjekt) und seinen wahren und scheinbaren Problemen und Leistungen hin zur Wirtschaftskraft des Kindes und seiner Eltern. Dabei schreibt sie erhellend, aber auch schonungslos über die gleichzeitig überfrachtete und entfremdete Kindheit in der aktuellen westlichen Welt. Die mitunter gar nicht so selbstlose Liebe der Erwachsenen ist ebenso Thema wie die gar nicht so fürsorgliche Förder-, Therapie- und Pharmaindustrie und die gar nicht so dringend benötigte Konsum- und Warenwelt im Kinderzimmer. Dabei zitiert die Autorin eine Fülle von Büchern und Studien zum Thema und gibt viele kurze Beispiele, oft auch aus persönlicher Erfahrung.

Das Buch schließt mit zehn kurz skizzierten Ideen für die „Rettung des Biotops Kindheit“, darunter „Pädagogik im Sinne des Kindes, nicht der Wirtschaft“ oder „Hinwendung: keine Bildung ohne Bindung“ und lässt den Leser ein wenig ratlos zurück. Dabei ist es gut und wichtig, auf wirtschaftliche Zusammenhänge und Interessen hinzuweisen, so dass das Bewusstsein, wo überall wirtschaftliche Interessen gegen Kinder ausgespielt werden, geschärft wird. Auch liefert das Buch Argumente gegen wohlmeinende Bekannte, Pädagogen, die unkritisch alles anwenden wollen, was der Zeitgeist gerade für angebracht hält. Die Autorin rüttelt auf, macht auf wichtige Dinge aufmerksam. Aber ihr Schreibstil ist für den gebildeten, reflektierten Teil ihrer Leserschaft recht polemisch und provokant. Die Eltern dagegen, die weniger versiert im Umgang mit pädagogischer Literatur sind, werden nach der Problembeschreibung allein gelassen. Ihnen bietet sie kaum Auswege an und lässt sie bei der Aufgabe, zu schauen, was sie damit anfangen können, weitgehend allein. Und auch die im Umgang mit solchen Fragestellungen geübteren Eltern bleiben eher unbefriedigt zurück. Das Buch eignet sich daher eher als familienpolitisch aufrüttelnde Lektüre denn als Ratgeber.

Daher nur 4 Raben für ein Aufklärungsbuch der etwas anderen Art.

Bewertung: 4 von 5 Raben

Löffelkraut

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