Mähler, Bettina/Musall, Peter: Eltern Burnout

Wege aus dem Familienstress
rororo; Auflage: 2 (1. September 2006)
ISBN-10: 3499619903
ISBN-13: 978-3499619908
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Bewertung: 4 von 5 Raben

In ihrem Ratgeber analysieren die Autoren den "Arbeitsplatz Familie". Und dabei übertragen sie den aus der Erwerbswelt bekannten Begriff Burn-Out auf stark belastende Familiensituationen. Diese können zu seelischen und auch körperlichen Erkrankungen führen.
Lesenswert wird das Buch durch die vielen Erfahrungsberichte aus Familien mit Kindern aller Altersgruppen. Auch Alleinerziehende und Patchwork-Familien kommen zu Wort.
Rezepte werden nicht geliefert, vielmehr geht es den Autoren um einen individuellen Weg. In "Haltepunkten" werden die LeserInnen aufgefordert, sich bestimmte Fragen zu stellen und zu reflektieren. Dabei geht es um die Erfahrungen mit der Herkunftsfamilie, aber auch um Konflikte zwischen Beruf und Familie.
Das Fazit der Autoren: Oft sind es mangelnde Erfahrungen mit Kindern, die bei werdenden Eltern überzogene Erwartungen entstehen lassen. Nach der Geburt kommt dann der "Praxischock".

Was ich gut fand: Die Autoren bleiben nicht beim Individuellen stehen, sondern das Buch ist auch durchaus politisch zu lesen. Denn viele Probleme, die Familien haben, können nicht allein bewältigt werden . gerade wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Aber noch etwas ist interessant: In der (nicht repräsentativen) Stichprobe hatten die Eltern die meisten Kinder, die offen für alles an die Situation herangegangen sind, ohne Bilder aus der Babynahrungs- und Windelwerbung. Vielleicht sollte das Bild von Familie in der Öffentlichkeit realistischer werden, damit Eltern mehr Kinder bekommen. Daher ist dieses Buch durchaus auch geeignet für Familienpolitiker.

Was ich schlecht fand: Im Anhang fehlt ein größerer Adressenteil. Der ist eindeutig zu kurz. Und inhaltlich: Es wird betont, dass gerade Krankheit in ersten Lebensjahr für fast alle Eltern sehr belastend ist. Da hätte ich mir ein klares Votum für das Stillen gewünscht. In diesem Zusammenhang sind die Studien wirklich eindeutig. Aber die Autoren wollten vielleicht Eltern kein schlechtes Gewissen machen. Auch das Familienbett als ein praktischer Weg wird nicht erwähnt. Was die Betonung der Paarzeit (der Zeit also, die die Eltern nur für sich haben) angeht: die ist mir etwas zu einseitig. Sicher trifft es auf viele (die meisten?) Eltern zu, dass sie diese Zeit benötigen. Aber ich denke, das muss nicht so sein. Auch da sollte jede Familie ihren eigenen Weg gehen können.

Ein Tipp ist das Buch eigentlich schon in der Planungsphase für das erste Kind, damit es erst gar nicht zum "Eltern-Burnout" kommt.
4 Raben von Astrid Ahlers

Bewertung: 4 von 5 Raben

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