Sunderland, Margot: Die neue Elternschule

Kinder richtig verstehen - ein praktischer Erziehungsratgeber: Kinder richtig verstehen und liebevoll erziehen
Dorling Kindersley Verlag; 2. aktualisierte Neuauflage (1. März 2010)
ISBN-10: 3831016402
ISBN-13: 978-3831016402
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Bewertung: 3 von 5 Raben

Das praktische Standardwerk zur Kindererziehung.
So verspricht der Rückseitentext.
Ein hoher Anspruch - und ich muss sagen, das Buch wird in vielen Dingen diesem auch gerecht.

Es nimmt zu vielen Fragen rund um die Erziehung Stellung und das von einer interessanten Warte aus, nämlich aus der Perspektive der Hirnforschung. Was sich nun sehr trocken und theoretisch anhört, ist aber ein Bildband mit wunderschönen Fotos von Kindern, zum Teil aus dem Familienalltag und Situationen, die vertraut sind. Dazu mit vielen interessanten Texten. Hier beginnt eine leise Kritik von mir - oft sind es zwei Ebenen Text und dazu viele Bilder, die sich zu einem mischen. Verschiedene Schriftgrößen und -arten, farbig unterlegte Bereiche, alles wechselt und erschwert es, den Überblick zu behalten, viele Texte gehen über Seitenwechsel. Das ist leider auch bei den Randtexten so, dass man immer wieder hin und her blättern muss.

Inhaltlich ist es sehr spannend, die Autorin beginnt mit der Darstellung des menschlichen Gehirnes und der Abläufe, sie beschreibt in relativ einfachen Worten die komplexen Reaktionen, die unterschiedliche Hormonausschüttungen hervorrufen. Hier ist auch der eigentliche Inhalt des Buches, es beschreibt in vielen Beispielen, was in den Kindern geschieht, wenn sie hungrig, wütend, traurig oder glücklich sind, und zeigt, wie wichtig positive Erfahrungen für die neuronalen Verschaltungen sind.

Wunderbar lässt sie sich auf die ersten Monate ein, in denen die Kinder einfach nur sicher und geborgen sein sollen, wendet sich auch sehr klar gegen Schlafprogramme und Weinen-lassen. Die Beispiele sind durchaus aus dem Leben gegriffen und die Strategien zur Bewältigung der Situationen auch zum größten Teil realistisch.

Während das Buch nahezu durchweg positiv arbeitet, ist an einer Stelle der TIME OUT als Erziehungsmittel dargestellt. Ich habe den Eindruck, dass hier entweder die deutsche Übersetzung hakt - oder Margot Sunderland hier nicht ihren eigenen Gedanken folgt.

Der Time Out wird als Lösung beschrieben, in der man das Kind - nach Alter gestaffelt eine zunehmende Anzahl Minuten - in sein Zimmer oder eine Ecke des Raumes setzt und ihm eine Auszeit gibt. In argen Fällen rät sie auch dazu, dass der Erwachsene "die Klinke von aussen halten sollte".

Gleichzeitig warnt sie, dass diese Methode durch die Ängste, die bei den Kindern dadurch ausgelöst werden zu Langzeitschäden im Gehirn führen kann, da die Hormone dabei toxische Ausmaße erreichen können. Ich frage mich, warum sie den Time Out als Lösung anbietet, wenn sie zeitgleich sehr deutlich darauf hin weist, dass der Time Out zu häufig anstatt anderer Reaktionen herhalten muss. (Eine Kritik zu der Methode des Time Out findet sich hier: Triple P - kritisch betrachtet )

Hier sind auch die Formulierungen eher negativ, die Kinder verletzen "absichtlich" oder zerstören Eigentum. Mir fiel dieses Kapitel vermutlich darum so extrem auf, weil es sich eben völlig vom Rest des Buches unterscheidet.

Ich empfehle das Buch allen Eltern, die sich dafür interessieren, warum ein respekt- und liebevoller Erziehungsstil auch aus neurobiologischer Sicht das Beste ist.
Sabine

Bewertung: 3 von 5 Raben

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