Wiebe, Silia: Mut zur Lücke, liebe Eltern!

Glück geht auch ohne Bio, PEKiP und Häuschen mit Garten...

Kösel-Verlag
ISBN-10: 3466310555
ISBN-13:978-3466310555

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Bewertung: 4 von 5 Raben

Vorneweg: Als meine Kinder das Buch auf der Anrichte liegen sahen, war ihre erste Frage: Was ist denn ein PEKiP? Ich bin also entweder genau die richtige Adressatin, weil ich das Entspannungsplädoyer der Autorin sehr gut nachempfinden kann, oder eigentlich die falsche Adressatin, weil ich nicht davon überzeugt werden muss, dass es auch ohne PEKiP geht. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich das Buch schnell gelesen und mich dabei gut unterhalten gefühlt.

Was ist drin?

Kurze Kapitel zu fast allen Aspekten des Elternseins: Schlafen, essen, Sex trotz Kind, Ordnung, Urlaub, Kind&Job, Kindergeburtstag… Die Kapitel sind abwechslungsreich angelegt, mal berichtet die Autorin, mal schreiben Expertinnen und Experten, mal wird jemand interviewt oder es gibt einen amüsanten Selbsttest à la "Welcher Typ bist du?". Es wird auch schön praktisch mit Kochrezepten, Einkaufstipps und anderen nützlichen Hinweisen. „Drei Sätze für die Tonne“ räumen nach jedem Kapitel kurz und schmerzlos mit fiesen Ansprüchen oder Selbstkasteiungs-Fallen auf.

Das Buch richtet sich vor allem an Eltern, die gerade ins Leben mit Kind hineinwachsen, und gibt diesen gutgelaunte Ermutigung dabei, auch mal fünf gerade sein zu lassen und das Elternsein nicht als Hochleistungssport zu betreiben.

Was ist besonders gelungen?

Die Abwechslung in der Kapitelgestaltung ist super, der wirklich gut lesbare Stil auch. Es ist dabei zu beachten, dass es kein Erziehungsratgeber ist. Wie man mit dem Nachwuchs in Autonomie- oder anderen Phasen umgeht oder Schlafdramen in den Griff bekommt, ist schlicht nicht Thema. Trotzdem unterstützen die Impulse für entspanntes Elternsein wohl ein grundsätzlich wohlwollendes, zugewandtes und gewaltfreies Verhältnis zum Kind.

Was stört?

Ich hätte es gut gefunden, wenn die Autorin sich entschieden hätte, ob sie sich nun an Mütter oder an Eltern richtet. Sie schreibt von „uns Eltern“ und führt bei der Aufzählung aller (selbstauferlegten) Ansprüche doch nur die der Mütter auf ("die Sexgöttinnen-Nummer trotz Müdigkeit" ist wohl kein Anspruch an Väter). Ich fände es auch besser, wenn ich im Buch nicht mit „Mutti“ angeredet würde. Und auf Dauer muss es für mich auch nicht dieser sehr lockere Wir-sind-total-entspannt-Tonfall sein, der Eltern einteilt in "die anderen", die ihre Kinder förderstressen oder sich mit einem Eigenheim belasten, und "uns", die wir so unkompliziert sind wie die Autorin und eine total entspannte Nachbarschaft im Gemeinschaftsgarten haben. (Dabei habe ich gar kein Eigenheim, mir widerstrebt diese Abgrenzung trotzdem.) Aber das ist letztlich Geschmackssache.

Wer sollte es kaufen und wer nicht?

Eindeutige Kaufempfehlung, wenn frau eine Lektüre sucht, um kurz durchzuatmen und mal Abstand von allen Ansprüchen zu gewinnen, die von allen Seiten an sie herangetragen werden. Sehr gut auch als Geschenk geeignet, wenn die Schwester oder Freundin schwanger ist (dann wird sie das meiste für Greuelpropaganda halten, sich aber später einmal dankbar erinnern) oder wenn die Nichte oder der Neffe oder das Freundinnen-Kind gerade zwischen einem und zwei Jahre alt sind (dann kann sie es am besten gebrauchen). Nicht so gut geeignet als Geschenk zum Einzug ins Eigenheim. Ebenfalls wenig glücklich wird mit dem Buch, wer einen ernsthaften Erziehungsratgeber sucht zum Überleben von Autonomie- und anderen Phasen.

Fazit: vier Raben.

Bewertung: 4 von 5 Raben

Annette Jantzen

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