Teusen, Gertrud: Trotzalarm

Anleitung zur Gelassenheit

Urania-Verlag 2012
ISBN-13: 978-3451660177
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Bewertung: 4 von 5 Raben

Dieser gut zu lesende Ratgeber widmet sich dem sogenannten „Trotzalter“, der ersten Autonomiephase in der kindlichen Entwicklung. Die Autorin erläutert deren Verlauf und Sinn und behandelt das Umgehen mit der Trotzphase anschließend aus mehreren Blickwinkeln: Sie umreißt grundlegende Erziehungsansätze im Sinne von verlässlicher Führung und respektvoller Behandlung und benennt Möglichkeiten, „Trotzanfällen“ vorzubeugen. Im Anschluss erläutert sie verschiedene typische Situationen für kindlichen Trotz und wie Eltern dann gut reagieren können. Schließlich beleuchtet sie noch genauer Situation und Gefühle der Eltern mit trotzdenden Kindern und deren Handlungsmöglichkeiten, bevor sie im Schlusskapitel einen Überblick über Trotz in verschiedenen Lebenssituationen und Altersstufen gibt. Trotz einiger Dopplungen ist das Buch so sinnvoll aufgebaut und eignet sich auch gut zum gezielten Nachlesen einzelner Aspekte.

Die Darstellung ist hilfreich und die vertretenen Erziehungsansätze sind wertschätzend und der kindlichen Entwicklung angemessen. Der Titel bietet praktisch gut umsetzbare Ansätze im Umgang mit Kleinkindern, die ihre Autonomie entdecken und damit die Eltern gründlich auf die Probe stellen.

Die Freude über einen Erziehungsratgeber, der anhand praktischer Beispiele, anschaulich und ohne Tyrannen-Angst durch die frühkindliche Autonomiephase führt, wird allerdings getrübt: Wider besseres Wissen spricht die Autorin penetrant von „Trotz“ und von den Kindern als „Trotzköpfen“. Obwohl sie beteuert, dass es den Kindern eigentlich gar nicht um absichtliche Manipulation geht und dass sie nicht gezielt „ungehorsam“ sind, wie Erwachsene oft unterstellen, ist diese dauernde Verwendung doch geeignet, überkommene Denkmuster weiter zu tradieren, die gerade nicht mit dem von der Autorin vertretenen Inhalt übereinstimmen. Sprache prägt Wirklichkeit, und das alternativlose Sprechen von „Trotz“ untermauert eine negative Wertung des kindlichen Autonomiestrebens, die die Autorin selbst ablehnt. Des weiteren werden Geschlechterklischees gehäuft und plakativ verwendet. Und so schön es ist, dass die Autorin sich mehrfach explizit dagegen ausspricht, Kinder zu schlagen oder sonstwie körperlich zu strafen, so schade ist es, dass sie das Konzept „Strafe“ nicht generell aus ihren Ausführungen verbannt hat. Denn diese Ausführungen passen nicht recht zu einem Erziehungsansatz, der mit Strafen arbeitet. Was sie im Unterkapitel „Strafen“ ausführt, sind durchweg Vorschläge von Wiedergutmachungs-Leistungen oder Konsequenzen kindlichen Handelns, die dann auch nicht extra hart gestaltet werden sollen. Das ist begrüßenswert – aber es ist eben gleichzeitig schade, dass das Denkmuster „Strafen“ weiterhin beibehalten wird, denn dies konterkariert den wertschätzenden und liebevollen Blick aufs Kind, der im Buch eigentlich vermittelt werden soll.

Meiner Ansicht nach überwiegen aber die positiven Aspekte deutlich. In der Darstellung wird durchweg Wert darauf gelegt, dass Eltern in echter Beziehung zu ihrem Kind stehen, dass sie nicht nach starren Vorgaben, sondern situationsangemessen handeln und dass sie den Kindern und sich das Leben nicht durch überzogene Ansprüche unnötig schwer machen sollten. Liebe und Interesse zeigen, nicht zu viel verbieten, bei Verboten wirklich unterscheiden, ob sie ehrlich vertreten und notwendig sind, auf kindliche Weltwahrnehmung eingehen, als Elternpaar und mit den Kindern eine gesunde und faire Streitkultur pflegen – das sind gute und wichtige Inhalte. Sie stärken ein auf Respekt und Verständnis gegründetes Familienleben und sollen hier ausdrücklich unterstützt werden. Deswegen gibt es trotz der erwähnten Schwächen des Buches von mir gerade noch vier Raben.

Bewertung: 4 von 5 RabenAnnette Jantzen

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