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Erfahrungsberichte
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Väter und Söhne und Tragetücher

Meine Nachsorgehebamme empfahl uns das Tragetuch. Ich war skeptisch, bald würde der Herbst kommen und ich ja wohl kaum ein paar Wochen altes Baby bei Schietwedder im Tuch transportieren. So ein Quatsch! Aber noch war herrlichster Spätsommer, der Himmel blau, die Abendluft lau und wie das dann so geht, ich ließ mich überreden und stimmte zu, das tierisch teure Teil zu kaufen (ich fand den Preis für ein Stückchen Stoff, das 200 DM kosten sollte, echt unverschämt) und ärgerte mich sogleich wieder über meinen jugendlichen Leichtsinn. Wie sollte ich mit dem ellenlangen Tüddelüt jemals zurecht kommen? Das Binden war das eine, das Baby in die Wiege hineinzubekommen, das andere. Mein Mann ließ sich beides zeigen, stellte sich erstaunlich geschickt an, während ich kaum mit ansehen konnte, wie er Alexander ruckzuck in die Tiefen des Tuches versenkte - Hilfe, mein Baby kriegt ja gar keine Luft! Ich war mal wieder hysterisch J Alexander schrie, also bekam er reichlich Luft, aber mir standen die Haare zu Berge. Von einem Moment zum nächsten war es still, nur leise, schnarrende Atemgeräusche waren zu hören. Ich stürzte mich auf mein Kind, doch es schlief bereits. Huch? Das war der Anfang vom Ende für unseren Kinderwagen. Mein Mann schnallte sich Alexander bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit - kannst du nicht mal mehr ohne Kind Brötchen holen? - vor den Bauch und verschwand oft stundenlang. Verdammt, was war denn los? Ich hab mir schon Sorgen gemacht! Heute denkt er wehmütig an die erste Zeit mit Alexander im Tuch zurück. Niemals vorher im Leben hätten ihn so viele wildfremde Frauen, eine natürlich attraktiver, als die andere J, auf der Straße angesprochen, deren verklärte Blicke hingebungsvoll an seinen Lippen hingen, während er stolz erzählte, dass der Kleine Alexander hieße, noch neugeboren und ganz zart, gerade gestillt und eingeschlafen, super lieb und pflegeleicht. Die Frauen stießen tiefe Seufzer der Entzückung aus - Oh, wie süüüüüüüüüß. Da ist ja tatsächlich ein Baby drin!!! - und so dauerte der Weg zum Supermarkt, inklusive Einkaufen und zurück, statt einer halben Stunde, schon mal das Dreifache. Mich dagegen haben nie Männer angesprochen ... - stop, halt, stimmt nicht! Ich war auf dem Rückweg aus der Stadt, fuhr im Bus mit Alexander. Plötzlich taucht aus dem Gewühle ein Mann auf und will meine Fahrkarte sehen.
"Äh, ich ..."
"Sie wollten doch sicher gerade einen Fahrschein lösen?"
Ich nickte heftig.
"Kommen Sie, es ist ja wirklich unzumutbar voll hier drin. Ich mach das mal für Sie."
Er schielte in das Tuch hinein, hielt die Hand auf und ich drückte ihm das Geld hinein. Kurz darauf kam er zurück, Fahrschein, Wechselgeld, Lächeln im Gesicht.
"Wir tragen unser Baby auch im Tuch", sagte er und wünschte alles Gute und weg war er wieder. Wildfremder Fahrkartenkontrolleur, der sein Kind im Tuch trägt - ich fühlte mich als Mitglied der konspirativen Tuchkonnektion.
Als Alexander dann großer Bruder wurde, trug er ganz selbstverständlich Ernie im Schnuffeltuch, wenn wir ausgingen.
"Na, du bist aber eine süße, kleine Puppenmami", bekam er dann zu hören.
"Gar nicht", ärgerte sich Alexander.
Tja, es gibt noch so viel zu tun, packen wir unsere Babys ins Tuch und vertrauen einfach unseren Kindern. Die machen das schon J

eulalie mit Alexander und Nikolas, März 2003 
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