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Ammenmärchen
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Ammenmärchen über die Wickelkreuztrage

Seit einiger Zeit sind viele Eltern verunsichert, weil sie gehört haben, dass die Wickelkreuztrage eine für das Baby schädliche Tragetechnik sein soll. Ich möchte im folgenden auf die wesentlichen Kritikpunkte an der Wickelkreuztrage eingehen.

Die Sicht des Kindes wird eingeschränkt durch die aufgefächerten Tuchbahnen.
Neugierige Kinder drücken sich wegen der eingeschränkten Sicht vom Körper des Trägers ab und so in ein ungesundes Hohlkreuz.
Die gekreuzten Tuchbahnen drücken den Rücken unphysiologisch gerade.
Bei der Wickelkreuztrage reitet das Kind auf dem Kreuz. Dadurch werden ungünstige Belastungen / Erschütterungen auf die kindliche Wirbelsäule übertragen.
Bei der Wickelkreuztrage kann man nicht kontrollieren, ob sie genügend fest gebunden ist.

Bei "Naturvölkern" gibt es keine gekreuzten Techniken.

Die Sicht des Kindes wird eingeschränkt durch die aufgefächerten Tuchbahnen.

Kleine Babys, die noch viel im Tuch schlafen, dürfte dies kaum stören. Zudem gibt es die Variante mit seitlich am Körper des Kindes verlaufenden Tuchsträngen, die für neugierigere Kinder geeignet ist. Es gibt aber tatsächlich Kinder, die diese Face-To-Face-Orientierung nicht mögen – unabhängig von der Bauchtragevariante. Für solche Babys gibt es Hüft- oder auch Rückentragetechniken.

Neugierige Kinder drücken sich wegen der eingeschränkten Sicht vom Körper des Trägers ab und so in ein ungesundes Hohlkreuz.

Liegen Babys in der Bauchlage , kann man sehr gut beobachten, dass sie sich auch hin und wieder ins Hohlkreuz kommen. Stemmt sich ein Kind ständig gegen den Oberkörper des Trägers, mag das an der oben beschriebenen Abneigung gegen ein Tragen vor dem Bauch allgemein liegen. Es kann aber auch ein Hinweis auf das KISS-Syndrom sein. Hat man diesen Verdacht, sollte man einen Experten auf diesem Gebiet hinzuziehen.

Die gekreuzten Tuchbahnen drücken den Rücken unphysiologisch gerade.

Bei der korrekt gebunden Wickelkreuztrage wird das Kind gehalten und gestützt durch die Querbahn. Fächert man die seitlich verlaufenden Tuchstränge diagonal über den Rücken, dann sollte dies faltenfrei und von Kniekehle zu Kniekehle geschehen. Der Druck der Diagonalbahnen verteilt sich so über die gesamte Tuchbreite, so dass punktuell kein Druck auftreten kann, der den Rücken gerade drücken könnte. In meiner Beratungspraxis war nie zu beobachten, dass der Rücken eines Babys gerade gedrückt wird.

Bei der Wickelkreuztrage reitet das Kind auf dem Kreuz. Dadurch werden ungünstige Belastungen/Erschütterungen auf die kindliche Wirbelsäule übertragen.

1. Bei jedem Tragen wird das Kind im Rhythmus der Bewegung des Trägers bewegt. Dies lässt sich nicht vermeiden und ist so auch gewollt.

2. Wenn das Tuch wie auf dem folgenden Bild gebunden wird, ist das Kreuz zwischen Kind und Träger und das Kind sitzt nicht auf dem Kreuz.

Wickelkreuztrage von der Seite betrachtet
für eine vergrößerte Darstellung das Bild anklicken

3. Wird die Wickelkreuztrage gebunden mit von Kniekehle zu Kniekehle aufgefächerten Diagonalbahnen, so wird es damit (wie auch mit der eigentlich tragenden Querbahn!) eng mit dem Oberkörper des Trägers verbunden. Dass dies stärkere Belastungen für die kindliche Wirbelsäule bedeuten soll als die alleinige Querbahn ist mir persönlich nicht einleuchtend. Wer allerdings skeptisch ist, dem sei die Variante ohne Auffächerung angeraten.

 

Bei der Wickelkreuztrage kann man nicht kontrollieren, ob sie genügend fest gebunden ist.

Doch! Auch hier gelten dieselben Kriterien wie bei allen Techniken:

  • Die Trägerin sollte gerade ohne Ausgleichshaltung stehen können.
  • Nur das Tuch ist zur Stützung des Kindes notwendig.
  • Wenn man sich leicht nach vorne beugt, muss das Köpfchen vom Nackenwulst immer gut gestützt sein und darf nicht ins Tuch "fallen".

Bei "Naturvölkern" gibt es keine gekreuzten Techniken.

Die Verwendung bei einem indigenen Volk allein ist noch kein Kriterium für die Qualität einer Tragetechnik. Nordamerikanische Indianer haben ihre Kinder z.T. mit gesteckten Beinen auf Tragebretter geschnallt – diese Technik hat verheerende Auswirkungen auf die Hüfte!
Tragen ist zudem auch eine Technik, die im kulturellen Kontext zu sehen ist. Wir aus den westlichen Industrienationen haben sicherlich andere Ansprüche an Tragetechniken als andernorts.

 

Fazit: Wenn die tragende Person und das Kind mit einer gut gebundenen Wickelkreuztrage zufrieden sind, dann spricht nichts gegen diese Technik.
Wechseln sollte man dann, wenn dies nicht der Fall ist. Manche Frauen empfinden den Druck unter den Achseln oder auch an der Brust als unangenehm, anderen ist die Belastung im Schulterbereich zu groß. Dies trifft bei schon etwas größeren und schwereren Babys zu. Oder das Kind hat eine Abneigung gegen diese Technik.
In all diesen Fällen lassen sich individuell passende Alternativen finden.

Diese persönlichen Vorlieben ändern aber nichts an der Tatsache, dass die Wickelkreuztrage eine ideale Einstiegstechnik in die Welt des Tragens ist.

Ich wünsche allen Eltern und allen Kindern, dass sie eine der jeweiligen Situation angemessene Tragetuchtechnik finden.

Astrid Ahlers, Trageberaterin bei Rabeneltern.org

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