Was Babys brauchen
Wissenswertes über das Stillen
eulalie für Rabeneltern.org
Babys brauchen Muttermilch! Das hat Mutter Natur so vorgesehen. Die
Weltgesundheitsorganisation WHO ist der Ansicht, dass unter
gesundheitsfördernden Gesichtspunkten diese Rangfolge maßgebend ist:
- Stillen
- Abgepumpte und dem Kind auf andere Art gefütterte Milch der eigenen Mutter
- gespendete Milch einer anderen Mutter
- künstliche Säuglingsnahrung
Künstliche
Säuglingsnahrung mit Muttermilch auf eine Stufe zu stellen, wie es die
Säuglingsnahrungshersteller in ihren Werbekampagnen versuchen, ist Unsinn. Fakt
ist: die Gabe von künstlicher Säuglingsmilch ist keine qualitativ gleichwertige
Alternative, sondern letzte Wahl.
Muttermilch ist
perfekt auf die Bedürfnisse eines Säuglings abgestimmt. Sie enthält in der
richtigen Zusammensetzung alle Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die für
die körperliche und geistige Entwicklung notwendig sind. Muttermilch ist leicht
verdaulich, keimfrei, wohl temperiert und jederzeit verfügbar. Die in der
Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe helfen beim Aufbau des kindlichen
Immunsystems. Kinder, die mit künstlicher Säuglingsnahrung ernährt werden,
erkranken häufiger und schwerer, leiden eher unter Allergien und haben
höchstwahrscheinlich einen geringeren Intelligenzquotienten als Stillkinder.
Die Vor- oder
Neugeborenenmilch in den ersten Tagen nach der Geburt, bevor der eigentliche
Milcheinschuss erfolgt, heißt Kolostrum. Das Kolostrum hat eine cremige
Konsistenz, enthält viel Eiweiß, die Vitamine E, A und K, verschiedene Zucker
und ist besonders reich an Abwehrstoffen, die vor Krankheiten schützen. Das
Kolostrum wirkt abführend, so dass das Neugeborene seinen ersten Stuhlgang
(Kindspech oder Mekonium) leicht ausscheiden kann. Von Anfang an sollte ein
Neugeborenes nach Bedarf angelegt werden, denn das Saugen an der Brust fördert
die Milchbildung. Obwohl das Kolostrum nur tröpfchenweise fließt, brauchen dem
Neugeborenen weder Glukoselösungen noch Tees gegeben werden, um die Zeit bis zum
Milcheinschuss zu überbrücken.
Stillen erhöht die
Überlebenschancen von Frühchen.
Mütter, die ein Frühchen zur Welt bringen, haben eine spezielle Milchqualität,
die z. b. das noch unreife Hirn des Kindes mit genau abgestimmten Mengen einer
speziellen Fettsäure versorgt. Weiterhin enthält sie hohe Anteile von
Abwehrstoffen, die vor Darmentzündungen schützen. Bei der Gabe von künstlicher
Säuglingsnahrung dagegen steigt das Risiko beim Frühchen für eine instabile/n
Atmung/Kreislauf.
Neben den
ernährungsphysiologischen Aspekten des Stillens sind die emotionalen von großer
Bedeutung. Die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind, die sich während der
Schwangerschaft aufgebaut hat, wird durch das Stillen fortgesetzt. Stillen
fördert sowohl den Mutterinstinkt als auch das Urvertrauen des Kindes. Stillen
ist Nahrung für Körper UND Seele.
Muttermilch lässt
sich nicht reproduzieren. Künstliche Säuglingsnahrung wird, trotz hohem
verfahrenstechnischen Aufwands, nie so perfekt in Art und Zusammensetzung
hergestellt werden können, wie die Natur es vormacht.
Stillen spart Geld
und Zeit und ist ein Beitrag zum Umweltschutz. Durchschnittlich ist allein für
die Anfangsnahrung mit Kosten von ca. 500 Euro zu rechnen. Hinzu kommen Kosten
für Fläschchen, Sauger, eventuell einen Vaporisator, Flaschenwärmer, Strom und
Wasser. Künstliche Säuglingsnahrung muss hergestellt, verpackt und zum Kunden
transportiert werden. Dafür wird Energie verbraucht und Abgase in die Luft
geblasen. Der Müll muss entsorgt werden.
Die
Weltgesundheitsorganisation WHO und UNICEF empfehlen, alle Kinder mindestens 6
Monate voll und parallel zur Einführung von fester Nahrung weiter nach Bedarf zu
stillen, bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres und darüber hinaus, solange
Mutter und Kind zufrieden sind. Beide Organisationen stimmen überein: ideal wäre
es, wenn das Kind den Abstillzeitpunkt selbst bestimmen dürfte. Weltweit liegt
das durchschnittliche Abstillalter der Kinder etwa bei 4 Jahren.
Viele Frauen sind der Meinung, sie könnten nicht stillen, weil sie einen zu
kleinen Busen hätten, oder einen zu großen, weil ihre Mütter auch schon zu wenig
Milch hatten, um ihre Kinder satt zu bekommen, weil ihre Milch nicht nahrhaft
genug sein könnte, weil sie sowieso zu wenig wiegen und das Stillen noch mehr
auslaugen würde, etc. pp. Dies sind alles unbegründete Ängste, die durch
Fehlinformationen geschürt und von Ammenmärchen
am Leben erhalten werden.
Richtig ist, dass
98 von 100 Frauen physiologisch voll stillen können. Bereits während der
Schwangerschaft verändert sich die Brust und beginnt sich auf die zukünftige
Milchproduktion einzustellen. Das Brustdrüsengewebe wird vermehrt. Die Größe des
Busens hat nichts mit der Fähigkeit, stillen zu können zu tun.
Stillen ist ein
inniges Geben und Nehmen zwischen Mutter und Kind. Ein Neugeborenes sucht
instinktiv gleich nach der Geburt die Brust der Mutter. Durch das Saugen an der
Brust werden Hautnervenreize erzeugt, die die Hormone Prolaktin und Oxytocin
freisetzen. Das Oxytocin löst den Milchspendereflex aus, d. h. Milchbläschen
und Milchgänge im Brustdrüsengewebe ziehen sich zusammen und drücken die Milch
aus der Brustwarze. Der Milchspendereflex wird häufig als Ziehen und Kribbeln
nach dem Anlegen des Kindes wahrgenommen. Das Prolaktin regt die Milchbläschen
zur Milchproduktion an. Es wird durch den Saugreiz an der Brust freigesetzt. Je
häufiger ein Kind angelegt wird und an der Brust saugt, desto mehr Milch wird
produziert. Ein Kind, das nach Bedarf gestillt wird, d. h. ohne zeitliche
Stillabstände einzuhalten, immer wenn es möchte, stellt die Milchmenge genau auf
seinen Verbrauch ein. Bei Gabe von künstlicher Säuglingsnahrung oder z. B. Tee
oder der Einhaltung von starren Stillabständen, beispielsweise der legendären 4
Stunden, wird das sensible Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage gestört,
und es heißt: ich habe zu wenig Milch.
Die
Zusammensetzung der Muttermilch im Vergleich von Frau zu Frau ist praktisch
konstant bezogen auf das Alter des Säuglings. Nur, wenn es Müttern nicht möglich
ist, sich ausreichend zu ernähren, Beispiel Hungersnot, wirkt sich das negativ
auf die Milchbildung und -zusammensetzung aus. Eine Frau, die sich einigermaßen
gesund ernährt, wird durch das Stillen weder gesundheitlich beeinträchtigt, noch
ist das Stillen verantwortlich für Übermüdung und Gereiztheit. Vielmehr sind es
die veränderten Lebensumstände, die Verantwortung voll und ganz für einen
hilflosen, kleinen Menschen tragen zu müssen, oft ohne besondere Hilfestellung
im Haushalt oder bei der Betreuung größerer Geschwisterkinder, die Mütter an den
Rand ihrer Belastbarkeit bringen.
Mütter sollen
stillen! Auch das hat Mutter Natur so vorgesehen. Stillen ist für Mütter gesund.
-
Frühes Anlegen des Babys
gleich nach der Geburt bewirkt, dass durch das Saugen an der Brust das
Hormon Oxytocin im Körper der Frau gebildet wird, das u. a. dafür sorgt,
dass sich die Gebärmutter kräftig zusammenzieht. Hierdurch kann sich die
Plazenta schneller von der Gebärmutterwand ablösen und es blutet weniger.
Auch in den nächsten Tagen zieht sich die Gebärmutter bei jedem Stillen
kräftig zusammen, so dass sie schneller klein wird und die Mutter weniger
Blut verliert.
-
Stillen vermindert das
Risiko der Mutter, an Krebs zu erkranken. Frauen, die längere Zeit stillten
oder mehrere Kinder stillten, erkranken seltener an Brustkrebs oder
Eierstockkrebs. Untersuchungen haben ergeben, dass Mütter, die insgesamt
länger als zwei Jahre stillten, ein um 43% geringeres Risiko für Brustkrebs
haben.
-
Weil die Knochendichte
mit jedem gestillten Kind zunimmt, erkranken nicht stillende Mütter später
häufiger an Osteoporose.
-
Das Stillen kann auf
einzigartige Weise die in der Schwangerschaft begonnene Beziehung zwischen
Mutter und Kind fortsetzen. Bereits Minuten nach der Geburt kann das Baby,
von angeborenen Instinkten geleitet, durch seine suchende Mundbewegung
deutlich machen, dass es gestillt werden möchte. Es kann sogar aus eigener
Kraft die Brust der Mutter finden, die Brustwarze mit dem Mund erfassen und
zu saugen beginnen. Die Mutter kann ihre Fähigkeit schätzen lernen, ihr Kind
zu ernähren und für es zu sorgen, während das Kind das Saugen an der Brust
und den direkten Körperkontakt genießt. Die Sicherheit und Geborgenheit, die
es hierbei zusammen mit Mutters Stimme, ihrem Geruch und dem der Milch
erfährt, tragen dazu bei, dass sich im Kind die Wurzeln des Urvertrauens
voll entfalten können.
-
Stillen, vor allem in der
Nacht, stimuliert die Freigabe von Prolaktin, einem Hormon, welches das
Bewusstsein der Mutter für ihr Baby erweitern kann, siehe Ziffer 4. Je höher
der Prolaktinspiegel der Mutter, desto größer ist ihre Fähigkeit, geduldig
zu sein bei gleichzeitigem Rückgang ihres individuellen Schlafbedürfnisses.
Mütter, die nicht stillen, leiden stärker unter dem Schlafentzug, fühlen
sich ausgelaugter und sind anfälliger für Stress.
-
Unter bestimmten
Umständen* trägt Stillen auch zur Unterdrückung der Ovulation bei und hilft,
zeitlich dicht aufeinanderfolgende Schwangerschaften zu vermeiden
(Risikoschwangerschaft lt. Mutterpass Ziffer 25 – Rasche
Schwangerschaftsfolge weniger als 1 Jahr).
* Laktations-Ammenorhoe-Methode:
Monatsblutung hat noch nicht wieder eingesetzt /keine vaginalen Blutungen
nach dem 56. Tag nach der Geburt
UND
weder regelmäßig zugefüttert wird, noch ein längerer Zeitabstand als vier
Stunden tagsüber/sechs Stunden nachts zwischen zwei Stillmahlzeiten liegen
UND
das Baby jünger als sechs Monate ist
->
die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit beträgt weniger als 2%.
Quellen:
Stillen – der
beste Start ins Leben, Broschüre der Gesundheitsbehörde Hamburg
LaLecheLiga Deutschland e.V.
Copyright Rabeneltern.org. e. V., August 2006