Statement des Berufsverbandes Deutscher Laktataionsberaterinnen IBCLC e. V.
Muttermilch bleibt die beste Ernährung für Säuglinge – ohne Wenn und Aber
Medien und Manipulation
Wie die Medien junge Eltern verunsichern
Für viele Menschen sind Medien die erste Anlaufstelle bei ihrer
Meinungsbildung. Dabei wird oft vergessen, dass im Gegensatz zu einem Lexikon
oder einem wissenschaftlichen Nachschlagewerk Medien nicht den Anspruch haben,
umfassend zu informieren. Es gelangt nur das ins öffentliche Bewusstsein, was in
den Medien berichtet wird. Der Philosoph Arthur Schopenhauer hat treffend
gesagt: „Die Macht der Zeitung besteht im Weglassen.“ Die Öffentlichkeit wird
durch das Setzen von Schwerpunktthemen manipuliert. Informationen werden
ausgewählt, andere verschwiegen oder nur einseitig wiedergegeben.
Ein aktuelles Beispiel dieser Manipulation ist der Umgang mit der Studie vom
BUND. Anliegen des BUND war es, mit der Veröffentlichung ihrer Studie am 14.
Juni 2005 auf eine verfehlte Chemikalienpolitik hinzuweisen:
„In vielen alltäglichen Dingen stecken giftige Chemikalien. In der Tagescreme
ebenso wie im Babyfläschchen oder im neuen T-Shirt. Über die Jahre sammeln wir
einen ganzen Giftcocktail in unserem Körper an – und nehmen unbewusst ein
erhöhtes Krebsrisiko, Allergien oder Unfruchtbarkeit in Kauf. Das Unglaubliche
daran: Wir wissen so gut wie nichts über die Schadstoffe, mit denen wir es zu
tun haben. Für 95 Prozent der vermarkteten Chemikalien fehlen selbst die
grundlegendsten Informationen.
Dass es so nicht weitergehen kann, haben mittlerweile auch die Politiker
begriffen. Mit dem für 2006 geplanten Chemikaliengesetz REACH (Registrierung,
Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) sollen europaweit Bürger und
Umwelt besser vor schädlichen Chemikalien geschützt werden. Der Grundgedanke:
Die chemische Industrie soll die Unbedenklichkeit ihrer Stoffe nachweisen – erst
dann darf weiter vermarktet werden. Die Kosten dafür sind überschaubar, der
Nutzen für unsere Gesundheit gar nicht hoch genug einzuschätzen.“ - so der BUND.
Medien geben zur Zeit jedoch nur wieder, dass die Muttermilch belastet ist.
Dass dies der Babynahrungsindustrie sehr entgegenkommt, ist naheliegend. Durch
niedrige Geburtenraten und vermehrtem Stillen ist der Verkauf von Anfangsnahrung
für Säuglinge zurückgegangen.
Leider ist es so, dass unsere gesamte Umwelt
belastet ist. Über die Muttermilch erreichen die Fremdstoffe, die die Mutter in
ihrem Leben gespeichert hat, auch das Kind. Inzwischen wurden 350 verschiedene
Fremdstoffe in der Muttermilch nachgewiesen, wieviel davon jedoch von den
gestillten Kindern tatsächlich vom Organismus aufgenommen wird, ist weitgehend
unbekannt. Dabei beginnen die Belastungen nicht erst mit dem Stillen sondern
bereits im Mutterleib, da die Fremdstoffe der Mutter das Kind über die
Plazentarschranke erreichen. Niemand würde deshalb einer Mutter raten, nicht
schwanger zu werden oder eine Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Unabhängig
vom Stillen erfolgt die Belastung durch den Verzehr pestizidbelasteter
Lebensmittel, über die Haut und die Atemluft durch Innenraum- und
Außenluftbelastungen sowie durch die Aufnahme von Chemikalien, die in
Gegenständen des alltäglichen Lebens stecken.
Muttermilch ist ein idealer Bioindikator für die
Belastung der Umwelt. Das gilt besonders für Stoffe, die sich bevorzugt in
fetthaltigen Medien anreichern. Deshalb – und weil Muttermilch im Gegensatz zu
Fettgewebsproben aus dem Köroper von Erwachsenen leicht zu gewinnen ist – wird
diese Bioindikatorfunktion gern genutzt. Die Muttermilchanalysen, die seit Mitte
der achtziger Jahre durchgeführt werden zeigen, dass die Trends für viele
Chemikalien seit mehr als 15 Jahren rückläufig sind. Deshalb empfiehlt die
Nationale Stillkommission Deutschlands das uneingeschränkte Stillen, „ohne wenn
und aber“ (www.bfr.bund.de/cd/6434).
„Für Säuglinge gibt es keine gesündere Nahrung als Muttermilch - die
Industrie bringt bis heute kein Produkt zustande, das Kinder in den ersten
Lebensmonaten auch nur annähernd so gut ernährt und vor Krankheiten schützt.“,
so das Niedersächsische Sozialministerium im Januar 2005. Muttermilch schützt
den Säugling nicht nur im ersten Lebensjahr vor Infektionen, gestillte Säuglinge
neigen im späteren Leben auch weniger zu Übergewicht. Übergewicht ist in
Deutschland bei immer mehr Kindern zu sehen und bringt nachfolgende Erkrankungen
und Kosten für die Gesellschaft mit sich. Gerade deshalb sollte das Stillen
weiter gefördert werden.
Wenn in der Tageszeitung vom 20.06.2005 zu lesen ist ‚"Säuglinge sollten nach
Ansicht des Berufsverbands der Umweltmediziner nur drei Monate gestillt werden.“
– so der der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Kurt Müller, am 19.06.2005 in
der Fernsehsendung "ZDF-Umwelt“ – dann sind die Mitglieder des Berufsverbandes
der Umweltmediziner über das Stillen und Muttermilchernährung nicht richtig
informiert und können sich gern an unseren Berufsverband wenden.
Trotz der einseitigen und somit manipulierenden Meinung der Medien bleibt es
bei der Globalen Strategie für die Säuglings- und Kleinkinderernährung:
„Stillen ist unübertroffen darin, ideale Nahrung für gesundes Wachstum und
Entwicklung von Säuglingen zu liefern. Es ist außerdem wesentlicher Bestandteil
des Fortpflanzungsprozesses mit wichtigen Auswirkungen auf die Gesundheit der
Mütter. Als weltweite Gesundheitsempfehlung sollten Säuglinge während der ersten
6 Lebensmonate ausschließlich gestillt werden, um optimales Wachstum,
Entwicklung und Gesundheit zu erlangen. Anschießend sollten Säuglinge
angemessene und sichere Beikost erhalten, um ihre wachsenden Nahrungsbedürfnisse
zu befriedigen, wobei gleichzeitig das Stillen bis zum Alter von zwei Jahren
oder darüber hinaus fortgeführt wird.“
Allerdings sollten wir alles dafür tun, unsere Umwelt vor schädlichen
Chemikalien zu schützen, unter anderem auch deshalb, damit die Muttermilch in
Zukunft weniger Fremdstoffe enthält.
Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC
1. Vorsitzende des BDL
www.bdl-stillen.de
E-Mail: 1.vorsitzende@bdl-stillen.de
Mit freundlicher Genehmigung von Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC für
Rabeneltern.org