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Stillen und Allergien – immer wieder ein heiß diskutiertes Thema

 von Denise Both, IBCLC


Seit Ende September 2002 eine neuseeländische Studie mit der Schlussfolgerung „Stillen schützt nicht vor Allergien" veröffentlicht wurde, sind junge Familien einmal mehr verunsichert. Immer wieder kommt es zu Pressemitteilungen, wenn Studien zu belegen versuchen, dass Stillen doch nicht so gut sei. Umso wichtiger ist es, kritisch mit solchen reißerisch aufgemachten Mitteilungen umzugehen. Kritisches Lesen der Studien ist dringend erforderlich.

Die Studie von Sears (Sears MR et al (2002) „Long-term relation between breastfeeding and development of atopy and asthma in children and young adults: a longitudinal study." Lancet 360: 901-07) findet keinen Zusammenhang zwischen dem Stillen und einem Schutz vor Allergien und Asthma und steht damit im Widerspruch zu einer ganzen Reihe von Studien, wie sie zum Beispiel von Oddy (Oddy WH et al (2002) „Maternal asthma, infant feeding, and the risk of asthma in childhood." J Allergy Clin Immunol 110: 65-7) erst vor wenigen Monaten veröffentlicht wurden.

Dabei ist einer der wichtigsten Punkte bei der Beurteilung dieser Studie der Punkt, wie „voll Stillen" definiert wurde.
Sears vergleicht in seiner Studie Babys, die „mindestens vier Wochen gestillt wurden" mit Babys, die nicht oder kürzer als vier Wochen gestillt wurden. Dabei wurden jedoch nur 15 % dieser Babys „voll" gestillt, wobei der Autor auch Kinder, die in der Nacht oder im Krankenhaus künstliche Säuglingsnahrung erhielten, als voll gestillt bezeichnet. Dies widerspricht der internationalen Definition von „voll stillen", da darunter verstanden wird, dass ein Baby nichts anderes als Muttermilch erhält.
Außerdem werden in der Studie auch Kinder, die nach den ersten vier Wochen nicht mehr oder nur mehr teilgestillt wurden, in die Gruppe der „voll gestillten Kinder" aufgenommen

Oddy konnte in seinen Untersuchungen feststellen, dass Kinder, die vier Monate ausschließlich gestillt wurden (= voll gestillt nach internationaler Definition), im Alter von sechs Jahren seltener an Asthma litten als Kinder, die kürzer voll gestillt oder gar nicht gestillt wurden. Da angenommen wird, dass selbst eine einzige Flasche künstliche Säuglingsnahrung bei entsprechend empfindlichen Kindern eine allergische Reaktion auslösen kann, ist die Studie von Sears et al. mit großer Vorsicht zu betrachten.

Kritisch zu betrachten ist auch die Tatsache, dass es sich bei dieser Studie um eine retrospektive Studie handelt. Die Daten wurden also im Nachhinein erhoben und sind so von dem Erinnerungsvermögen der Mütter abhängig, das – noch dazu bei der schwammigen Definition des Stillens – doch nicht immer ganz korrekt ist.

Stillen ist sicher kein Allheilmittel und auch gestillte Kindern sind nicht vor Krankheiten und Allergien gefeit, doch - wie so oft - sollten solche Veröffentlichungen immer kritisch hinterfragt werden.
So gilt nach wie vor die Empfehlung der WHO aus dem Jahr 2000, dass Kinder sechs Monate ausschließlich gestillt und danach ergänzende Beikost eingeführt und bis mindestens zum zweiten Geburtstag weitergestillt werden sollten. Selbst Sears schreibt in seiner Studie, dass das Stillen unbedingt erste Wahl zur Ernährung von Babys sein sollte, weil es viele gut dokumentierte Gründe FÜR das Stillen gibt.

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