Stillen
- sechs Monate waren für mich Pflicht!
Und dann kam die Kür *g*
Aber bis es soweit kam, mussten wir einige
Berg- und Talfahrten durchmachen.
Eines war von vorneherein klar: unbedingt
sechs Monate zu stillen. Das tut schließlich jeder. Dachte ich. Wurde doch auch
so empfohlen?
Zugegeben: ich habe nicht besonders viel darüber gelesen. Ich wollte Stillen,
und dann hat das auch zu klappen. Wozu denn noch tonnenweise Bücher wälzen?!
Fläschchen und Pulvermilch habe ich mir erst gar nicht gekauft. Wozu auch... ich
wollte ja Stillen! Und dann braucht man sowas nicht.
Aber es kommt doch immer anders als man denkt.
Nach einem Blasensprung mitten in der Nacht ohne Wehen ging es ins Krankenhaus.
Dort wurde dann die Geburt eingeleitet, weil sich nichts von selbst tun wollte.
Als ich dann am Wehentropf hing, wurden die Herztöne des Kindes immer
schlechter, sodass man sich für einen Kaiserschnitt entschied.
Zum
ersten Anlegen brachte man mir meinen Sohn leider erst einige Stunden nach der
Geburt. Er bekam natürlich Glukose in der Zwischenzeit. Hier ärgere ich mich im
Nachhinein ziemlich arg über meine mangelhafte Vorbereitung hinsichtlich Geburt
und Stillen.
Er
saugte aber, als wenn er noch nie etwas anderes gemacht hätte. Die Schwestern
bezeichneten ihn als Naturtalent *g*.
Aufgrund der Infusionsnadeln brauchte ich in den ersten Tagen immer Hilfe zum
Anlegen. Das war mir einfach noch zu viel.
Die
nächste Station waren die wunden Brustwarzen. Noch im Krankenhaus kam ich in
diesen Genuss. Die krankenhauseigene Salbe, die man vor dem Stillen nicht
abwischen musste, linderte die Beschwerden einigermaßen. Trotzdem hatte ich
Angst vorm Anlegen, da die Schmerzen doch ziemlich heftig waren. Das dauerte
fast vier Wochen, bis sich das einigermaßen eingespielt hatte.
Als
mein Sohn etwa 5 Monate alt war, bekam ich plötzlich sehr heftige Schmerzen in
der linken Brustwarze. Es war so, als ob ständig jemand mit einer Nadel
reinstechen würde. Unabhängig davon, ob das Kind angelegt war, oder nicht. Ein
Dauerschmerz!
Also ab ins Krankenhaus (es war natürlich Sonntag Nachmittag). Dort untersuchte
die diensthabende Ärztin die Brust und konnte äußerlich nichts feststellen
(keine Risse oder ähnliche Veränderungen). Sie bat aber die Kinderschwestern,
die Brust mal richtig leerzupumpen. Mit Tränen in den Augen ließ ich mir also
die Milch abpumpen. Dabei kam ein kleiner blauer Fleck auf der Brustwarze zum
Vorschein, wo die Schwester dann vermutete, dass das ein "blauer Fleck" sein
könnte. Ich konnte mich aber weder an Bisse seitens des Kindes, noch an andere
Stoßverletzungen bewusst erinnern.
Als
ich dann abends mit der Handpumpe wieder anfing zu pumpen, machte es "Plopp",
und ein kleiner Batzen und ein paar Blutschlieren kamen raus. Schlagartig waren
die Schmerzen fast wie weggeblasen. Danach kam die Milch wieder sauber wie
immer. Ich konnte meinen Sohn in der Nacht dann schon wieder schmerzfrei
anlegen.
Im
Gespräch mit meiner Frauenärztin hatte diese dann die Vermutung, dass das eine
Art Blutgerinsel war, das den Milchkanal verstopft hat. Durch die elektrische
Pumpe im Krankenhaus wurde es dann soweit gelockert, dass es beim nächsten
Pumpen am Abend ausgetreten ist. Woher sowas kommt, dürfte aber in den
seltensten Fällen nachvollziehbar sein.
Tja
- an besagtem Sonntag wollte ich eigentlich nur noch eins: ABSTILLEN!
Aber als es dann wieder einwandfrei ging, schob ich es doch noch hinaus. Ich
wollte unbedingt die sechs Monate durchhalten. Krampfhaft hielt ich mich an
folgendem Spruch fest: Was sind ein
paar Monate Zähne zusammenbeißen für mich, gegen ein ganzes Leben meines Sohnes!
Und so hielt ich das erste halbe Jahr auch durch. Dann war Weihnachten. Und die
Feiertage. Hm… da stillt man nicht ab. Mit Beikost haben wir mit ca. 7 Monaten
angefangen. Ganz langsam – immer in Kombination mit Mumi. So war ich immer ca.
zwei bis drei Monate hinter den „Empfehlungen“ auf den Packungsangaben her. Was
aber nicht weiter schlimm war – unser Sohn gedieh prächtig und war ein sehr
selbstbewusstes, aufgewecktes Kerlchen. Im Vergleich zu anderen gleichaltrigen
Babys war er immer ein bis zwei Entwicklungsschritte voraus! Kommentar unseres
Kinderarztes bei der U6: „Der strotzt ja geradezu vor Selbstbewusstsein!“ – er
hat das komplette Sprechzimmer auf den Kopf gestellt und eingehend die Werkzeuge
des Docs untersucht !*g*
Komischerweise gab es nach den sechs Monaten Pflicht keinerlei Schwierigkeiten
mehr, und so gab es für mich keinen Grund mehr, abstillen zu wollen. Stillen
machte plötzlich echt Spaß!!!!
Und
so zogen die Monate ins Land und wir stillten, und stillten, und stillten....
allerdings hat sich das im zweiten Lebensjahr nur noch auf morgens (nach dem
aufwachen) und abends (vor dem einschlafen) reduziert. In Ausnahmesituationen
wollte er auch nachts noch einen Milchimbiss (bei Krankheit z.B.).
Und
solange sich beide wohlfühlen dabei, spricht doch auch nichts dagegen, oder?
Xantina
zurück
Abgestillt - auch Mütter
können darunter leiden
Nun sitz ich da - in meinem Elend.... und denke wehmütig an die schönen Stunden
gemeinsamen Stillens zurück. An diese herrlichen Ruheinseln, die den Tag
unterteilten und einem regelmäßige Pausen zum verschnaufen gönnten.
Mein Sohn hat am 16.10.2003 seine letzte Mumi-Mahlzeit getrunken. Seitdem ist
Feierabend.
Waaaas???? Das kann doch nicht sein?!? Nach knapp 28 Monaten einfach so mir
nix, dir nix, aufzuhören? Jetzt schon?
Eigentlich wäre am 14.10. schon Ende gewesen... aber bis zum 16. stand ich dann
knapp vor der Brustentzündung. Alles war verhärtet und tat schon ziemlich weh.
Mir wurde so schwummrig.
Mit der Handpumpe brachte ich leider nur ein paar Tropfen raus. Aber zum pumpen
war ich schon immer zu doof.
Mit einigen Überredungskünsten (keine Bestechung,
sondern Erklärungen) brachte ich ihn dann so weit, dass er mir beide Seiten ein
wenig abgetrunken hat. Folglich wurde es keine Brustentzündung und es gab keine
weiteren Probleme mehr.
Ich habe ihn noch ein paar Mal gefragt, ob er denn noch Milch trinken möchte,
was er aber jeweils mit einem vehementen NEIIIIIIN quittierte.
Nach einer Woche fragte ich ihn schon gar nicht mehr.
Als wir kurz darauf wir bei unseren Nachbarn waren, wo das Baby (damals 2
Wochen alt) gerade gestillt wurde, sagte er nur: Baby tut Milch trinken. Das
war´s. Keinerlei Wehmut oder Verlangen selbst Milch zu trinken.
Ich fühlte mich in den ersten Tagen wirklich mies. Sinnlose Heulattacken
wechselten sich mit dem Gefühl der Nutzlosigkeit ab. Ich hab es auf die Hormone
geschoben - einer muss schließlich Schuld sein! Das verging aber zum Glück nach
ein paar Tagen wieder.
Man wird einfach davon überrumpelt - egal wie oft man sich darüber im Vorfeld
Gedanken gemacht hat. Aber ich kann guten Gewissens behaupten, dass es seine
freie Entscheidung war nicht mehr Stillen zu wollen. Und das gibt mir eine tiefe
innere Zufriedenheit. So hab ich es mir immer gewünscht, und so ist es dann auch
geschehen (wenn auch schon nach knapp 28 Monaten). Was will ich mehr?
Mein Sohn will aber seitdem sehr viel Kuscheln und Körperkontakt. Er übersät
mich teilweise geradezu mit seinen feuchten Küsschen. Mama-Bussi hier,
Mama-Bussi dort... zu süß! Ich genieße diese extreme Zuneigung und
Anhänglichkeit zur Zeit ganz arg! Ist irgendwie auch Balsam für meine
abgestillte Seele.
Ich überlege mir die ganze Zeit auch, wie sich wohl ein kleines Baby fühlen könnte,
das nach vier oder sechs Monaten einfach von heute auf morgen abgestillt wird.
Diese innige Zweisamkeit kann doch nicht im geringsten durch andere "kalte" Sachen
ersetzt werden. Vor allem, wenn es das Baby noch so notwendig braucht und noch nicht selbst
bereit für den nächsten Schritt ist (und das ist ja inzwischen wissenschaftlich
belegt!).
Ich war zwar selbst auch noch nicht so richtig bereit für diesen Schritt, aber
das ist vermutlich etwas anderes ;-)
Es ist vorbei. Endgültig.
Xantina, im November 2003