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Erfahrungsberichte
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STILLEN IST...

Nahrung

Wachstum

Gesundheit

 

für Körper und Seele

Trost

Ruhe

Geborgenheit

 

für Mutter und Kind

Zärtlichkeit

Einssein

Symbiose

 

für zwei Menschen,

die zusammengehören

 

Stillen ist Liebe.


VON DER STILLNOVIZIN ZUR LANGZEITSTILLENDEN


Stillen - das war für mich eigentlich kein Thema. Ich war schwanger - ich würde stillen, na klar. Wie, warum, wie lange - darüber habe ich kaum nachgedacht. Ein halbes Jahr voll stillen, schon wegen der Allergiegefahr, mit ungefähr einem Jahr abstillen. So hatte es meine Schwester gemacht (mein einziges direktes Vorbild), so stand es in der üblichen Ratgeberliteratur, so schien es normal und richtig zu sein. Ich selbst war 10 Monate lang gestillt worden, bis ich meiner Mutter in der Öffentlichkeit „an die Bluse ging“ - was damals in den sechziger Jahren einfach undenkbar war (öffentlich zu stillen).

Ja, und dann kam die Praxis...

Die Zeit rund um die Geburt war schwierig (Gestose, Einleitung der Geburt, Curettage, überfülltes Krankenhaus aus der Zeit der Jahrhundertwende und Hitze, Hitze, Hitze). Mehr als vier Stunden nach der Geburt konnte ich Gabriel endlich in den Arm nehmen, aber es hat Tage gedauert, bis ich das Gefühl hatte: Jetzt ist der innere Kontakt da. Sieben Tage lang, von der Einlieferung ins Krankenhaus bis zur Entlassung, konnte ich nicht mehr als hin und wieder eine oder zwei Stunden schlafen. Die Beratung durch die Schwestern war eher bescheiden, sie ermutigten die Mütter dazu, die Kinder über Nacht abzugeben, was mir zutiefst widerstrebte. Ist es da ein Wunder, dass es mit dem Stillen nicht so recht klappen wollte, zumal es ja mein erstes Kind war? Unterstützung?? Mein Mann (selbst übrigens 5 Jahre gestillt) wies freundlicherweise daraufhin, es gebe Muttertiere, die ihre Jungen nicht annehmen würden, so etwas komme sicher auch bei Menschen vor...  Im nachhinein ist das lustig, aber damals! Geholfen hat mir das Stilltagebuch meiner Schwester. Erst 1 1/2 bis 2 Wochen nach der Geburt, also zu Hause, hat es mit dem Stillen so richtig geklappt. Das Führen eines Stilltagebuchs wurde mir dann bald zu mühsam. - 

Ein halbes Jahr ging vorbei, die Beikost wurde zum nächsten zu bewältigenden Thema. Gabriels erster Geburtstag rückte heran, aber abgestillt war das Kind noch lange nicht - wie denn auch, da es ja nur an der Brust einschlief? Er war 18 Monate alt, da bekam ich einen Panikanfall. „Wenn ich jetzt das Abstillen nicht schaffe  -“  ja, dann was? So genau malte ich mir das gar nicht aus. Ich suchte Hilfe bei einer Stillberaterin, die mir Tipps zum Abstillen gab - aber eben auch das Buch „Wir stillen noch. Vom Leben mit gestillten Kleinkindern“ empfahl. Ich bestellte es, ich las es - und seitdem waren Gefühl und Überzeugung im Einklang. Wieso überhaupt (aktiv) abstillen? Ich wurde zwar nicht zur Still-Missionarin - es sei denn ich wurde gefragt - aber das Kind und ich stillten weiter und es gefiel uns gut. Es war noch keine drei Jahre alt, da war ich wieder schwanger und das Stillen veränderte sich. Die Brustwarzen schmerzten beim Anlegen stark und ich entwickelte einen Widerwillen, wenn es zu oft stillen wollte. Ich hoffte auf ein selbständiges Abstillen während der Schwangerschaft. Beinahe wäre es auch so gekommen, aber eine schwere Krankheit führte Gabriel wieder an die mütterliche Brust, die er von da an nicht mehr lassen wollte, und ich freundete mich mit dem Gedanken des Tandemstillens an. Nach Ivo’s Geburt wollte sich dann leider kein harmonisches Zu-Dritt-Stillen einstellen. Innerhalb kurzer Zeit zeigte der Große starke Eifersucht und wollte immer genau dann stillen, wenn das Baby gestillt wurde. (Der Start in die zweite Stillbeziehung hatte wunderbar begonnen, nachdem ich Ivo gleich nach der Geburt hatte anlegen und etwa 1 Stunde stillen können.) Ich machte drei schwere Infekte innerhalb von einem Monat durch und nutzte schließlich 8 Wochen nach der Geburt genervt und entkräftet die notwendige Einnahme von Antibiotika, um dem Großen eine Stillpause „zu verkaufen“. Am ersten Abend weinte Gabriel zwei Stunden lang! An den nächsten Tagen fragte er, wie lange ich die Medizin noch nehmen müsse und nach drei Wochen war alles vorbei. Er wollte auch später nicht einmal mehr probieren. Die aktuelle Situation war dadurch für mich entschärft - die Eifersucht ist bis heute ein Problem geblieben.


Das Stillen des zweiten Kindes ist bis heute (Ivo ist gerade 2 Jahre alt geworden) problemlos verlaufen, obwohl mich Dauer und Häufigkeit seines Stillbedürfnisses schon manchmal Nerven gekostet haben... Andererseits bin ich froh, dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, ihn wieder voll zu stillen, wenn er es braucht, z.B. bei Durchfallerkrankungen. Gerade macht er eine schwere Grippe durch; es geht ihm richtig schlecht und er verweigert jede Nahrung und jedes Getränk – bis auf sein geliebtes Mam-mam. Zumindest kann ich so sicher sein, dass er die bestmögliche Nahrung in dieser Situation zu sich nimmt…

Ivo ist viel fordernder und bestimmter als Gabriel, was seine Stillwünsche betrifft. Er stillt mehrfach am Tag und oft auch in der Nacht und meistens will er beide Seiten. Er lässt sich nicht vertrösten und auch die Stillzeiten nicht verkürzen, ohne heftig zu protestieren. Dadurch war (und bin) ich gezwungen, auch in der Öffentlichkeit, auch vor Fremden zu stillen, was ich bei Gabriel so weit als möglich vermieden hatte. Ich bin daran gewachsen und habe mich daran gewöhnt. Inzwischen haben wir im Kaufhaus gestillt, in diversen Wartezimmern, bei Besprechungen mit Ärzten, Erzieherinnen und Schulleitern, in der U-Bahn, auf Spielplätzen … die Liste wird sicherlich noch länger werden, bis Ivo’s Stillzeit zu Ende geht! Das Erstaunliche ist, dass ich zwar öfter belustigten bis anerkennenden Beifall, aber noch niemals negative Bemerkungen zu hören bekommen habe, höchstens erstaunte bis befremdete Blicke. (Die „professionellen“ Kommentare von Ärzten lasse ich an dieser Stelle mal beiseite L ) Ich führe das auf die Selbstverständlichkeit zurück, mit der ich das Stillen handhabe. Ich spreche gar nicht darüber, sondern tue es einfach, sozusagen nebenher  - und so trauen sich potenzielle Kritiker vielleicht erst gar nicht, mit ihrer Meinung herauszurücken.


Es ist schön, wieder ein „großes“ Stillkind zu haben. Das Stillen ist jetzt seit fünfeinhalb Jahren ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und ich hoffe sehr, dass das Ende dieser Stillzeit vom Kind bestimmt werden wird!


Februar 2002

Roberta mit Gabriel (*8/97)  und Ivo (*2/01)


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Roberta´s Abstillgeschichte


Gabriel hatte sich während meiner Schwangerschaft so knapp vor der Hälfte (17./18. Woche) beinahe abgestillt (vorher trank er immer zum Einschlafen, also vor allem am Abend und - wenn er nicht bei der Tagesmutter war - mittags sowie in seltenen anderen Fällen). Das war so zu seinem 3.Geburtstag. Wir beide fuhren kurz danach in eine große Kurklinik zur Mutter-Kind-Kur, die sich zu einem Albtraum entwickeln sollte. Er ging dort zum ersten Mal in einen Kindergarten und war gerade so ein bisschen eingewöhnt, da bekam er nach einer Woche hohes Fieber. Dieses Fieber dauerte an, bis wir wieder nach Hause fuhren, also zwei Wochen (es stellte sich später heraus, dass es sich um eine tief sitzende Lungenentzündung handelte, die nur durch Röntgen zu entdecken war). In dieser Zeit hat er wieder angefangen, regelmäßig zu stillen. Dabei blieb es dann auch nach seiner Gesundung.

Nach der Geburt musste er ja ein paar Tage Pause machen, weil ich im Krankenhaus war. Als ich zurückkehrte, wollte er zuerst nicht trinken, und als er das erste Mal probierte, verzog er den Mund und sagte: "Iiih, das schmeckt ja nach Kacki!". Einige Tage später hat er es sich aber wieder anderes überlegt und es hat ihm doch wieder geschmeckt. Leider war es für mich sehr problematisch, Tandem zu stillen, weil Gabriel partout immer dann stillen wollte, wenn das Baby dran war, vor allem natürlich abends zum Einschlafen (sie schliefen ungefähr zur selben Zeit ein). Die Dauer seiner "Stillsessions" verlängerte sich auch. Ich fühlte mich zusehends genervt und innerlich unruhig, zumal er bald eine heftige Eifersucht auf das Baby entwickelte und ich innerhalb von etwa einem Monat das dritte Mal eine schwere Angina hatte. Als mir beim dritten Mal sogar das Atmen wehtat, vom Essen, Trinken und Sprechen ganz zu schweigen, ging ich endlich zum Arzt und erhielt ein Antibiotikum verschrieben. (Der Hals war fast vollständig zugeschwollen.) Das habe ich dazu benutzt, um Gabriel zum Abstillen zu drängen. Man kann ruhig sagen: zu zwingen.

Er war an dem Abend mit seinem Vater unterwegs und als sie nach Hause kamen und er sein "Ani-ani" wollte, erklärte ich ihm, dass ich jetzt dieses Medikament nehmen müsse, weil ich solche Schmerzen hätte. Leider habe das Medikament Nebenwirkungen (schlimmes Bauchweh und Durchfall) und ich wolle nicht, dass auch er krank würde. Das Baby könne ja leider noch nichts anderes zu sich nehmen, er aber schon und darum dürfe er jetzt solange nicht stillen, wie ich die Medikamente nehme. Da war er natürlich fassungslos und sein Kummer groß. Er hat zwei Stunden lang geweint und versucht, mich doch zu überzeugen, aber ich bin hart geblieben (in der Sache meine ich), habe versucht, ihn zu trösten - und schließlich ist er doch in meinen Armen eingeschlafen. Diese zwei Stunden waren sehr schlimm, auch für mich! Am nächsten Tag fragte er mehrfach, wann er wieder Ani-ani dürfe und auch am übernächsten Tag und dem Tag darauf. Dann wurden seine Fragen seltener und seltener, bis er schließlich nach 2-3 Wochen zu fragen aufhörte. Er äußerte später ein paar Mal den Wunsch, zu probieren, aber es war wohl nicht ganz ernst gemeint, denn tatsächlich getrunken hat er nicht. Einmal hat er versucht zu nuckeln, aber es hat nicht mehr funktioniert, er hatte es schon verlernt. Beim Abstillen war er 3 Jahre und 8 Monate alt. Gabriel erinnert sich an das Stillen, ich weiß aber nicht, wie intensiv diese Erinnerungen sind. Einmal habe ich mit ihm über das Ende unserer gemeinsamen Stillzeit gesprochen und er hat geweint, als ich ihm von seinem Kummer damals erzählt habe. Ich glaube, es war notwendig, einmal darüber zu sprechen. Denn für ihn war es nun mal kein glückliches Ende (für mich auch nicht!) und das auszusprechen und seinen neuerlichen Kummer darüber zu trösten, tat wohl not.

Übrigens habe ich das forcierte Abstillen später bereut, weil seine Eifersucht dadurch eher noch schlimmer wurde. Aber damals sah ich einfach keinen anderen Weg, ich war am Ende meiner Kräfte.

Nach dieser unerfreulichen Erfahrung war mir aber ein glückliches Ende meiner zweiten Stillzeit vergönnt. Ivo hat von meiner durch die Erfahrung erworbenen Gelassenheit beim Stillen profitiert und seine Bedürfnisse auch immer sehr deutlich angemeldet. Im Gegensatz zu seinem Bruder ließ er sich häufig nicht vertrösten und brachte mich so dazu, ihn auch als  größeres Stillkind in der Öffentlichkeit zu stillen. Im letzten Jahr unserer Stillzeit beschränkte er sich dann meist auf das morgendliche und das Einschlafstillen, bis auch das immer öfter ausfiel und schließlich irgendwann im letzten Dezember ganz aufhörte. So weiß ich gar nicht genau, wann er zuletzt gestillt hat. Ivo war 3 Jahre und 9 Monate alt, als er sich abstillte.


Roberta

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