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Meine
Erfahrung mit Relaktation (nach 2 Monaten Flaschenzeit)
Ich möchte heute mal berichten, wie es mir mit dem Stillen meines
Babys so ergangen ist.
Nach Eriks Geburt hatte ich massive Stillprobleme.
Erik hatte meine Brustwarzen nach dem 3. Mal anlegen durch. Sie
waren wund, blutig und innerhalb einer Woche eitrig. Meine
Nachsorgehebamme gab mir damals ein Stillhütchen, sonst hätte ich es
nicht mehr ertragen können. Leider hat das die Probleme auch nicht
lösen können. Zudem war mein Sohn auch saugverwirrt, weil er im KH
die Flasche zusätzlich erhalten hatte. Jedenfalls kamen wir von
einem Milchstau in den nächsten. Eine Brustentzündung war dann auch
noch die Folge und danach bekam ich auch noch eine
Gebärmutterentzündung, die mich wieder ins KH brachte. 2,5 Wochen
nach Eriks Geburt hatte ich eine tiefe Bein- und
Beckenvenenthrombose und weiterhin heftigste Schmerzen beim Anlegen.
Kurzum, ich war fix und fertig mit der Welt und mein Wille zu
stillen allmählich zerbrochen und so stillte ich Erik von heute auf
morgen 3 Wochen nach seiner Geburt mit Abstilltabletten ab.
Aber damit war es dann auch vorbei mit den ganzen
Schwierigkeiten. Ich war nur dummerweise schon nach 3 Tagen
abstillen todunglücklich darüber und habe fast über jeder
Elternzeitung heimlich geheult, weil stillen für uns so wichtig
gewesen wäre. Mein Mann ist nämlich Polyallergiker gegen alles was
es so gibt… Und ich natürlich hoch motiviert gewesen. Trotzdem hielt
ich es zu jener Zeit für ausgeschlossen, dass ich weiter stillen
könnte und habe brav weiter Abstilltabletten gegessen und
Pfefferminztee getrunken. Ich wurde dann wegen meiner Thrombose auf
Marcumar eingestellt. Dies ist ein recht heftiges Medikament, was
zum Teil Muttermilch gängig ist. Bei meiner Entlassung wies mich
eine Ärztin dann darauf hin, dass es passieren könne, dass ich
erneut versehentlich einen Milcheinschuss bekommen könne. Dies wäre
nicht unbedingt zu erwarten, aber wenn, solle ich mir neue Tabletten
holen. Dieser Gedanke setzte sich heimlich bei mir fest, aber als
ich dann zuhause den Beipackzettel vom Marcumar gelesen hatte,
traute ich mich nicht mehr weiter übers Stillen zu spekulieren.
Einige Wochen vergingen darüber, aber es ging mir nicht
wesentlich besser und ich konnte eigentlich nach wie vor keinen
Frieden mit dem Abstillen schließen.
Zudem entwickelte mein Sohn Erik erste allergieverdächtige
Ausschläge an den Füßchen.
Nach ca. 2 Monaten (Erik war 11 Wochen alt) habe ich dann endlich
angefangen zu handeln. Ich schrieb Mails an eine Laktationsberaterin
meiner Geburtsklinik, an eine LLL-Stillberaterin (über die e-Mail
Beratung), an eine Eltern.de Stillberaterin und an einen Eltern.de
Kinderarzt. Ich wollte wissen, ob es eine Möglichkeit für mich gibt.
Die Laktationsberaterin schließlich antwortete gar nicht. Der
Kinderarzt war der Meinung, dass ich trotz Marcumar stillen darf.
Die Eltern.de Stillberaterin gab viele Hinweise, wie eine
Relaktation funktioniert, aber riet mir aufgrund meiner
Vorgeschichte eher davon ab (sie machte sich sicherlich Sorgen um
meine Gesundheit). Dann befragte ich noch eine Hebamme, die total
gegen ein Stillen mit Marcumar war und auch sagte, dass Relaktation
nur in den ersten 8 Wochen funktioniert. Ich war wieder deprimiert,
weil meine innere Stimme ganz einfach was anderes dazu sagte. Am
Abend schließlich bekam ich Antwort von einer sehr lieben
LLL-Stillberaterin, die mich ermutigte und mich in der nächsten Zeit
immer wieder mit notwendigen Tipps versorgte. Schließlich befragte
ich noch mal unseren Kinderarzt vor Ort, inwiefern Stillen Erik noch
helfen könne und erhielt den Ratschlag es auf jeden Fall zu
versuchen. Erik hatte ja HA Nahrung bekommen und deshalb könne ich
auf jeden Fall noch etwas für Erik tun. Marcumar war auch für ihn
kein Grund nicht zu stillen.
Wir starteten also den Versuch unsere Stillbeziehung wieder
aufzunehmen. Ich begann regelmäßig abzupumpen.
Dies ist manchmal gar nicht so leicht gewesen, weil mein Baby nicht
so viel Verständnis für diese Sitzungen hatte. Trotzdem haben wir
uns so arrangiert, dass ich mindestens 6 x täglich für je 10 min pro
Seite gepumpt habe. Eigentlich hätte ich auch nachts einmal abpumpen
müssen. Dieses habe ich nicht getan, weil ich Angst hatte, dass mich
das zu sehr schlauchen könnte und es mir womöglich wieder schlechter
ginge.
Diesmal wollte ich nur in meinem Tempo und Gefühl daran gehen und
nichts erzwingen. Ich glaube auch nach wie vor, dass dies so richtig
war, weil man das ewige abpumpen eine ganze Zeit durchhalten muss
und dieses am besten kann, wenn man nicht zu sehr unter Erfolgsdruck
steht. Ich habe mir immer wieder neue Teilziele gesetzt. Im Anfang
ging es darum, dass überhaupt was passiert. Als ich dann einen
Tropfen hatte, habe ich diesen einen Tropfen verfüttert und mir
vorgestellt, wie viele wertvolle Antikörper Erik jetzt gerade
erhält. Ich hatte nämlich gelesen, dass nicht die Menge dafür
entscheidend ist. Das hat mir sehr geholfen (auch wenn es meinen
Mann eher amüsiert hat). Der nächste Schritt war dann Erik
teilzustillen und nachzufüttern und dann irgendwann voll zu stillen…
Nebenbei musste Erik wieder an die Brust gewöhnt werden. Da er
natürlich keine Lust hatte an einer „trocknen“ Brust zu saugen, habe
ich das Brusternährungsset benutzt. Erik hat dies glücklicherweise
gut mitgemacht und hat die Brust gerne und schnell wieder
angenommen. Dazu hatte ich von meiner LLL Stillberaterin den Hinweis
erhalten, dass man dies günstigerweise so macht: Mutter und Baby
ziehen sich in eine ruhige, gemütliche Umgebung zurück und spielen
so zusagen noch mal die Geburt nach. Das Baby sollte nicht zu
hungrig sein, aber auch nicht satt, damit es sich in guter Stimmung
befindet und Lust zum saugen hat. Ich habe Erik bis auf die Windel
nackt ausgezogen und mich auch oben rum entkleidet.
Wir haben uns dann aufs Bett gekuschelt und ich habe ihn dann mit
dem Brusternährungsset angelegt. Das Ernährungsset stört schon etwas
in dieser Atmosphäre, aber es hat trotzdem geklappt. Erik hat
angefangen zu saugen.
In den nun folgenden Wochen habe ich Erik immer 1-2x tgl. mit
Ernährungsset angelegt, um ihn weiterhin an die Brust zu gewöhnen.
Dieses ist sehr zeitraubend, weil das mit dem Set nicht wirklich so
gut klappte. Es kam immer nur wenig Milch raus, gerade soviel um
Erik bei der Stange zu halten, aber nicht genug, um ihn satt zu
kriegen. In der Regel habe ich ihn je Seite 20 min saugen lassen.
Wenn es mir unangenehm wurde, habe ich den Versuch abgebrochen (um
wunde Brustwarzen zu vermeiden, wenn ich ehrlich bin). Manchmal
hatte auch Erik keine Lust, dann haben wir es auch sein gelassen
oder es später noch mal versucht. Ich wollte keinesfalls zwingen
oder überreden. Es sollte zwanglos laufen und es hat auch so
geklappt. Den Schnuller haben wir zu dieser Zeit stark reduziert,
damit Erik auch Lust hatte zu saugen.
Ich erhielt von der LLL-Beraterin auch die Information, dass eine
Faustregel besagt, dass man so viele Wochen für eine Relaktation
braucht, wie man vorher Monate schon abgestillt hat. Das wären bei
mir also 2 Wochen gewesen. Als sich aber nach 3 Wochen immer noch
nicht mehr tat als ein Tröpfchen Milch, bin ich in eine virtuelle
Stillgruppe eingetreten. Dort wurde mir erneut weitergeholfen. Ich
erhielt dort Motivation und vor allem wunderbare Linktips. Ich wurde
Aufmerksam gemacht auf ein homöopathisches Mittel (Agnus castus) zur
Milchmengensteigerung, aber es half mir leider nicht wirklich viel
weiter. Als nächstes habe ich dann ein Magen-Darm Mittel Domperidon
(http://www.uebersstillen.org/jndomperidoned.htm)
ausprobiert. Dies hatte sofort durchschlagend Erfolg.
Ich hatte praktisch am Abend die ersten richtig dicken Tropfen
Milch. Innerhalb einer Woche (insgesamt ca. 7 Wochen nach dem ersten
pumpen) konnte ich voll stillen. Das Medikament wurde dann langsam
ausgeschlichen. Ich denke, dass die meisten Frauen ohne Domperidon
relaktieren können, aber bei mir war es wohl nötig.
Natürlich habe ich auch Stilltee getrunken. Am besten fand ich diese
Zusammensetzung: 2 Teile Bockshornkleesamen und je 1 Teil Fenchel,
Anis, Kümmel.
Als ich genug Milch fürs teil-stillen hatte (kurz nach dem ich mit
Domperidon begonnen hatte), kam noch mal eine Zeit, wo er vor allem
mittags nicht an die Brust wollte. Dann hat er geweint und Theater
geschlagen.
Auch da habe ich ihn widerwillig in Ruhe gelassen und die MuMi
abgepumpt und per Flasche gefüttert. Dieses hat sich dann aber
zunehmend verbessert und ich konnte dann recht schnell vollstillen.
Gerade im Anfang des Vollstillens war ich sehr unsicher, ob Erik
überhaupt genug bekommt, weil er oft noch geweint hat nach dem
Stillen. Ich habe mir dann angewöhnt die Brust nebenbei ein wenig zu
massieren, damit die Milch auch gut in Richtung Ausgang fließt. Erik
habe ich alle 1,5 Stunden mit Ausnahme in der Nacht angelegt. Die
erste Zeit ist ein wenig anstrengend, aber ich war auch so
glücklich, dass Erik jetzt nur noch MuMi bekam und sich seine
Fußekzeme sofort zu bessern begannen. Ob bei Erik jetzt schon eine
Allergie vorliegt, werden wir wohl vorerst nicht erfahren, da ich
weiterstillen möchte und wir bei der Beikost auf künstliche Milch
vorerst verzichten werden.
Insgesamt ist relaktieren wie Achterbahn fahren. Bei jedem Tropfen
mehr ist man echt happy, aber man braucht schon Durchhaltevermögen,
wenn man immer wieder pumpt und pumpt und sich nichts rührt.
Unterstützung braucht man auf jeden Fall, hauptsächlich zur
Motivation weiterzumachen. Diese Art von Hilfe findet man in
Stillgruppen. Ob diese virtuell sind oder lieber Treffen vor Ort,
ist Geschmackssache. Ich selber hatte beim ersten Mal, als ich in
die Stillgruppe ging Hemmungen, weil ich zu der Zeit noch mit der
Flasche nachgefüttert habe und dachte, was die Frauen wohl über mich
denken, wenn ich nicht voll stille. Dies war natürlich glatter
Unsinn. Ich war dort genauso willkommen, wie jede andere auch.
Es gibt sicher verschiedene Möglichkeiten, wie man relaktieren kann.
So würde ich z.B. anders vorgehen, wenn die Frau noch Milch hat.
Dann würde ich lieber direkt das Kind an die Brust nehmen und
nachfüttern (diesmal nicht mit Flasche, damit das Baby sein
Saugbedürfnis an der Brust stillt und den Schnulli auf jeden Fall
auch weg lassen). Da ich Erik im Anfang nur wenig angelegt habe und
weil mein Mann auch nichts anderes akzeptiert hätte, habe ich eine
Flasche zum Nachfüttern benutzt.
Ich bin total glücklich darüber, dass ich jetzt wieder voll stillen
kann und auch ein bisschen stolz, dass Erik und ich das geschafft
haben.
Hilfreich sind auch das Heft „Stillen eines Adoptivkindes mit
Hinweisen für Mütter, die nach einer Stillpause wieder Stillen
wollen“ von Elizabeth Horman und das Wirbelwindheft „Der zweite
Beginn“ der LLL. Im Internet findet man zurzeit leider so gut wie
nichts über Relaktation.
Miriam |