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Erfahrungsberichte
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Julis Stillgeschichte


Irgendwann in der Schwangerschaft begann ich mich für die Idee des Stillens zu interessieren. Ich las ein bisschen, fragte im Geburtsvorbereitungskurs nach, und würde sagen, war im Vergleich zu dem, was ich heute weiß, zumindest achtelwegs informiert. Mein Plan war: 6 Monate voll stillen, über die drei dann folgenden Monate langsam ausschleichen, mit 9 Monaten abstillen.

Dann kam Mathis. Ebenfalls begeistert vom Stillen bzw. Gestilltwerden, Naturtalent und versetzte die Kinderschwestern mit seiner Trinkmenge und die Nachsorgehebamme mit seiner Gewichtszunahme in Erstaunen. Probleme von seiner Seite gab es erst, als Mama zehn Wochen nach der Geburt für zwei Nachmittage die Woche arbeiten gehen wollte (das habe ich nach fünf Monaten auch wieder aufgegeben, es war den Stress einfach nicht wert). Flasche mit abgepumpter Milch fand der kleine Mann absolut indiskutabel - Vater und Sohn waren verzweifelt. Von einer Stillberaterin habe ich diesbezüglich viele gute Tipps bekommen. Welcher davon nun wirklich geholfen hat, weiß keiner so genau, aber irgendwann ging es dann, nachdem sich auch noch herausgestellt hatte, dass meine Milch durch Einfrieren ihren Geschmack verändert.

In der Folge waren das hauptsächliche „Stillproblem“ die blöden Bemerkungen von außen („Der braucht doch jetzt mal was anständiges zu essen“, „Willst du ihn nicht allmählich mal an feste Zeiten gewöhnen?“) oder auch, dass mein eigenes Gefühl mir ganz andere Ideen vorgab, als ich noch in der Schwangerschaft hatte. Familienbett z.B. fand ich früher völlig abgedreht - jetzt genießen wir es alle...  Mit der Zeit hat sich aber bei mir ein, wie ich denke, gesundes Selbstbewusstsein entwickelt, so dass ich schon seit langer Zeit felsenfest hinter dem stehe, was wir machen. Allerdings fragt so langsam auch niemand mehr nach dem Stillen, die Themen sind altersentsprechend ganz andere geworden. Denn entgegen meiner „Planungen“ stillen wir immer noch, es heißt nur inzwischen „Nana“  - und Mathis ist mittlerweile zweieinhalb Jahre alt.

Ein so „großes“ Kind zu stillen, wäre für mich früher undenkbar gewesen. Das Stillen ist aber eine so innige Komponente unserer Beziehung, hat schon größeren Kummer wegzustecken geholfen, nach Wutausbrüchen wieder den Weg zu Mama freigemacht und in turbulenten Zeiten ruhige Momente beschert, so dass ich nach wie vor fest entschlossen bin, Mathis den Zeitpunkt des Abstillens zu überlassen. Er hat uns schon in so vielen Bereichen gezeigt, wenn er reif für den nächsten Schritt war, also warum nicht auch beim Abstillen?


Juli mit Mathis (7/00)

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