Stillen. Ja, das macht man
ja nunmal so. Zumindest, bis sie "was richtiges" essen können, dachte ich mir
so. Und begann mit guten Vorsätzen von 6 Monaten stillen und danach mit all den
feinen Gläschen und Breichen das Baby zu ernähren.
Meine liebe Hebamme war
wirklich engagiert, leider in die völlig falsche Richtung und ich glaubte an all
den Mist: "Still sie höchstens alle 2 Stunden, 5 Minuten links, 3 Minuten rechts
und dann nochmal 2 Minuten links. Bei der nächsten Mahlzeit andersrum.
Zwischendurch Schnuller gegen den Frust und Tee gegen die Frustbauchschmerzen."
Das mit dem Tee fand ich komisch - und mein Kind wollte ihn auch nicht. Komisch
fand ich auch, dass meine Brustwarzen verschwanden und ich stattdessen blutende
Löcher in der Brust hatte. "Nimmste Stillhütchen, dann wird das wieder!" Es
wurde auch. Zu meiner Enttäuschung leider nicht besser, sondern schlimmer. Mein
winziges Baby spuckte bei allen möglichen und unmöglichen Situationen mein Blut
wieder aus - sah das fürchterlich aus. Mein Baby brüllte den ganzen Abend und
die halbe Nacht. Und ich heulte den ganzen Abend und die ganze Nacht.
Irgendwann kam mir dann
die Idee mit der Online-Stillberatung, vielleicht konnten die mir helfen? Und
die Ökos mit Tragetüchern & Biolatschen in der Stillgruppe?? (Ich erinnere mich
noch sehr gut an den ersten Besuch bei der Stillgruppe, bei dem ich eine mit
Minirock aufgestylte Mutter meines Alters erblickte - mit Tragetuch, und darin
saß ein knapp 2jähriger und saugte genüsslich an ihrer Brust! Ich war hin und
weg!)
Der Rat der
Stillberaterinnen war ein Schock für mich: "Schnuller weg! Stillen nach Bedarf!
Besser anlegen" Es folgten 101 Tipps.
Und so folgte ich dem Rat,
stillte ich nach Bedarf, teilweise 8 Stunden am Stück! Und wenn mein kleiner
Gierschlund die Brustwarze irgendwann wieder losließ konnte ich sehen: Sie war
schon wieder etwas besser verheilt!
Im Verlauf unserer
Stillzeit wollte man uns noch einige Probleme weismachen: "Kind zu dick -
weniger stillen". Ein paar Wochen später: "Keine Zunahme, zufüttern!" Noch ein
paar Wochen später: "Kind muss Beikost essen, ob es will oder nicht, ist egal!"
Zum Glück hatte ich jetzt
das Wissen und die Kompetenz auf meiner Seite und konnte das manchmal selbst
gegenüber Kinderärzten weitergeben.
Und so stillten und
stillten und stillten wir.
Mit 14 Monaten wurde Emily
schwer krank, wir mussten in die Kinderklinik, und sie ernährte sich wieder voll
von meiner Muttermilch. Die Schwestern drohten jeden Tag mit einer Infusion,
doch meine Tochter tat ihnen nicht den Gefallen, auch nur 1g abzunehmen. Im
Gegenteil: Trotz Lungenentzündung nahm sie sogar noch zu!
Wenig später wurde ich
wieder schwanger und wir stillten weiter. Ich freute mich schon sehr auf das
Tandem-Stillen, doch kurz vor der Geburt des Brüderchens nahm Emily Abschied von
ihrer "Dilz". Nach der Geburt zeigte sie dem ungeschickten Baby noch einmal, wie
man stillt (c; das war ihre letzte Stillsession. Seitdem tut sie gelegentlich
nur noch so, als würde sie stillen.
Mit Liam lernte ich eine
völlig andere Art von Stillkind kennen. Liam ist extrem. Er stillt extrem viel
(dann hat er die Brust nur beim Wickeln nicht im Mund) oder er stillt extrem
wenig (dann trinkt er 3 - allenfalls 5 mal am Tag.)
Vielleicht stillt Emily
ihn heimlich mit, denn sie versucht es immer wieder auf's Neue (c;.
Ich erlebe es als grossen
Stolz und grosse Freude, meine Kinder durch meine Milch aufwachsen und gedeihen
zu sehen, zu sehen, wie Emily der Stillzeit langsam entwachsen ist, erfüllte
mich mit Freude - ich habe ihr nichts nehmen müssen, sie hat es aufgeben
wollen! Ich möchte, dass alle Frauen, die das möchten, auch dieses innige
Gefühl des Stillens erleben dürfen. Deshalb mache ich derzeit eine Ausbildung
zur Stillberaterin bei der LaLecheLiga - und das ganz ohne Biolatschen!
Jenny