Was das Stillen anging, war Felix am Anfang sehr schwierig.
Auch Hebammen und Stillberaterinnen konnten teilweise nur noch
mit den Schultern zucken. Wie ich es trotzdem geschafft habe,
Felix zu einem ganz normalen Stillbaby zu machen, und welche
Hürden es dabei zu nehmen galt, das möchte ich hier
beschreiben. Vielleicht hilft's ja mal einer betroffenen Mutter.
Manch einer, der das liest, mag denken, ich sei verrückt.
Ich bin es nicht - ich habe mir lediglich in den Kopf gesetzt,
Felix zu stillen, da es einfach das beste für ihn ist und
weil er ein erhöhtes Allergie-Risiko hat. Ein paar Wochen
lang Stress war es mir wert, Felix den besten Start fürs
Leben mitzugeben und eventuellen Allergien vorzubeugen. Na ja,
außerdem - das weiß jeder, der mich kennt - bin
ich kein Typ, der so leicht aufgibt!
Allen Frauen möchte ich aber mitteilen, dass diese extremen
Probleme eine Ausnahme sind! Eine Stillberaterin hatte mich
irgendwann ermuntert, es vielleicht doch mit Flaschennahrung
zu probieren. Eine Hebamme und Stillberaterin meinte etwas später
nach einem Besuch bei mir: "Ich wünsche Dir, dass
Dein Bemühen doch noch irgendwann belohnt wird." Normalerweise
würde eine Stillberaterin so etwas nie sagen, denn ihre
Aufgabe ist es, die Frauen zum Stillen zu ermuntern.
Es fing schon nach der Geburt an: Felix ließ sich zwar
an die Brust nehmen und den Mund öffnen, aber er dachte
nicht daran, an der Brust zu saugen. Steckte man ihm einen Finger
in den Mund, hat er munter drauflos gesaugt, aber mit der Brust
wusste er offenbar nichts anzufangen. Die Nachsorge-Hebamme
empfahl uns dann die Stillhütchen aus Silikon von Medela.
Das probierten wir aus, und tatsächlich, Felix hat gesaugt!
Er saugte immer über eine halbe Stunde lang und schlief
dann ein, bevor ich ihm die andere Seite anbieten konnte. Im
Stillhütchen war dann vorne immer eine kleine Milchpfütze.
Daher nahmen wir an, dass Felix reichlich zu Trinken bekam.
Er wurde dann aber schon bald sehr ungeduldig: er saugte und
wenn er nicht sofort Milch bekam, dann protestierte er heftig
und wollte eigentlich gar nicht mehr trinken. Wir erklärten
uns das so, dass das Stillhütchen wohl erst mal voll laufen
muss, bevor er etwas abbekommt, und dass er das wohl nicht abwarten
kann. Also sorgte ich dafür, dass im Stillhütchen
anfangs immer eine kleine Milchpfütze war. Nun klappte
das Anlegen wieder etwas besser - wenn er nicht mit seinem Suchreflex
(Kopf mit geöffnetem Mund hin und her bewegen) ständig
das mit Milch gefüllte Hütchen wieder runterwerfen
würde (was bedeutet, dass die Milchpfütze ausläuft
und ich die ganze Prozedur erneut starten konnte). Manchmal
dauerte es zehn Minuten oder länger, bis ich Felix erfolgreich
angelegt hatte. Hebamme und Stillberaterin waren ratlos und
so probierten wir es weiter, in der Hoffnung, dass es irgendwann
besser klappen würde.
Als Felix etwa drei Wochen alt war kam dann die große
Überraschung: er lag noch immer etwa 200 Gramm unter seinem
Geburtsgewicht! Irgendwas stimmte hier also nicht! Er darf nach
der Geburt zwar bis zu 10 Prozent seines Gewichts abnehmen,
aber das Geburtsgewicht sollte er dann nach spätestens
10 bis 14 Tagen wieder erreicht haben! Zum Glück hatten
wir schon einen kleinen Muttermilch-Vorrat, den ich mit Milchauffangschalen
während des Stillens gewonnen hatte, im Eisschrank und
tauten für Felix dann testweise 50 ml auf, die wir ihm
nach dem Stillen in einer Avent-Flasche anboten. Gierig trank
er in einem Zug die Flasche leer und protestierte dann heftig:
er wollte mehr Milch. Warum hatte er diese 50 ml nicht aus meiner
Brust getrunken? Wir waren ratlos und wendeten uns an die Stillberaterin.
Sie riet uns, zunächst abzupumpen und Felix die Milch im
Brusternährungsset von Medela anzubieten, damit er nicht
anfängt die Brust zu verweigern. 450 bis 600 ml pro Tag
sollte er bekommen (bei unter 7 kg Gewicht etwa 150 ml pro Kilo
Körpergewicht). Ich pumpte ab und stellte fest, dass ich
nur noch etwa 300 ml Milch pro Tag hatte. Nun hieß es
möglichst 10 mal täglich 20 Minuten lang abpumpen,
auch nachts (höchstens 6 Stunden Pause), um die Milchmenge
zu steigern. Dann musste ich die abgepumpte Milch per Brusternährungsset
verfüttern. Wenn man bedenkt, dass die Behälter auch
noch gereinigt werden müssen, dann war ich also fünf
Stunden (10 mal 30 Minuten) täglich mit Abpumpen beschäftigt.
Felix wollte dann sechs bis sieben mal täglich gestillt
werden. Das dauerte zu dieser Zeit immer etwa 60 Minuten oder
länger. So habe ich im Schnitt sieben Stunden täglich
gestillt. Natürlich hat auch Felix seine Windeln voll gemacht
und auch Felix hatte seine Schrei-Zeiten und musste getragen
werden. Ich weiß gar nicht, wie ich das geschafft habe,
es war eine sehr schwierige Zeit, ich hatte kaum Zeit, selber
etwas zu essen...
Irgendwann hatte ich mit Hilfe von Milchbildungstee (Kümmel,
Anis, Fenchel und Brennnessel) und häufigem Pumpen meine
Milchmenge wieder angepasst. Ich machte mir jeden Tag einen
Liter Tee aus einem gehäuften Teelöffel dieser Kräuter
und trank ihn über den Tag verteilt - das half! Bis meine
Milchmenge wieder stimmte, tauten wir unsere Muttermilch-Vorräte
auf. Da das knapp wurde und weil ich keine Industrie-Produkte
zufüttern wollte, verdünnte ich die Milch manchmal
mit abgekochtem Wasser (maximal 25 %). Solange Felix gut zunimmt
(mindestens 150 Gramm pro Woche, besser 200 oder mehr), konnte
das auch die Hebamme vertreten - und Felix nahm nun meist um
die 200 bis 250 Gramm pro Woche zu.
Aber auch das Zufüttern der Muttermilch mit Hilfe des
Medela Brusternährungssets war nicht einfach. Das Brusternährungsset
besteht aus zwei dünnen Schläuchen (wie Magensonden),
die aus einer Flasche kommen, die man sich um den Hals hängt.
Die Schläuche werden dann mit Klebeband an den Brustwarzen
befestigt. Das Baby soll den Schlauch dann beim Saugen mit in
den Mund nehmen und so nicht nur Milch aus der Brust sondern
auch aus dem Schlauch bekommen. Außerdem kann man den
Schlauch, den man gerade nicht benötigt, abklemmen. Beim
Saugen entsteht Unterdruck in der Flasche, der durch ein Ventil
wieder ausgeglichen wird. Soviel zur Theorie. Das Ventil hat
bei Felix leider nicht funktioniert, denn er hat nicht stark
genug gesaugt, um den dafür nötigen Unterdruck zu
erzeugen. Also haben wir nur einen Schlauch benutzt und den
anderen mit Klebstreifen hochgebunden und als "Belüftungsschlauch"
verwendet. Nun galt es "nur" noch, das Stillhütchen
und den Schlauch in Felix Mund zu bekommen und ihn dazu zu kriegen,
zu saugen. Das war schwierig! Meist war er so frustriert, dass
er losgebrüllt hat. "Prima", dachte ich "ein
weit geöffneter Mund", und steckte ihm alles passend
hinein. Wenn er dann versuchte zu saugen, hat das Brusternährungsset
leider meist nicht funktioniert, d.h. er hat keine oder fast
keine Milch aus dem Brusternährungsset abbekommen - und
fing erneut zu Schreien an. Ich habe dann durch Druck auf die
Flasche oder durch vorsichtiges Blasen in meinen "Entlüftungsschlauch"
dafür gesorgt, dass ihm trotzdem Milch in den Mund läuft,
aber mir war völlig unklar, warum es einfach nicht funktionieren
wollte! In etwa einem von fünf bis zehn Fällen hat
es plötzlich geklappt und er hat das Brusternährungsset
innerhalb von 10 Minuten geleert. Aber warum es manchmal funktionierte
und dann wieder nicht konnte ich mir nicht erklären.
Um herauszufinden, wo das Problem mit dem Brusternährungsset
sein könnte, habe ich mir den Schlauch an den Finger geklebt
und Felix dann meinen Finger in den Mund gesteckt. Nun hat er
wieder gesaugt wie ein Weltmeister und war sehr frustriert,
als die Flasche leer war. Ich probierte das mehrfach aus und
stellte fest, dass es auch hier manchmal nicht sofort klappen
wollte. Mit dem Finger konnte ich dann fühlen, dass er
seine Zunge hinter meinem Finger hatte und so keinen großen
Unterdruck aufbauen konnte. Jetzt war mir auch klar, warum es
völlig sinnlos war, ihm die Brust mit Brusternährungsset
zu geben, wenn er schrie: beim Schreien befindet sich seine
Zunge immer weit hinten und wenn er dann lossaugte, lag die
Zunge falsch. Nur leider war er meist so frustriert, dass er
losschrie, wenn ich ihn stillen wollte. Ich gab ihm dann mehrmals
die Milch mit dem Finger, um korrektes Saugen zu trainieren.
Mit dem Finger hat man viel mehr Gefühl und Kontrolle als
mit der Brust, insbesondere, wenn diese unter einem Stillhütchen
verpackt ist.
Felix ist nicht dumm, er hat schnell gelernt: Finger sind lecker!
Als ich ihn dann wieder mit Stillhütchen an der Brust füttern
wollte, geschah folgendes: ich hielt das Brusthütchen fest,
damit es nicht runterfällt. Felix merkte: Stillhütchen
ist doof, daneben befindet sich ein leckerer Finger - und schnappte
sich den Finger, der diesmal natürlich keine Milch mehr
gab. Das passierte mehrfach, so dass ich mich entschied, ihm
in Zukunft keine Milch mehr mit dem Finger zu geben.
Ich habe also weiter versucht, ihn mit dem Brusternährungsset
zu füttern und ihm gegebenenfalls die Milch in den Mund
fließen lassen, obwohl er falsch saugte. Zwar belohnte
ich damit "falsches Saugen", was meinem Mann sehr
missfiel, aber aus meiner Sicht belohnte ich seine Versuche,
an der Brust zu saugen und schon bald konnte ich ihn häufig
ohne Geschrei anlegen. Immer öfter hatte er dann die Zunge
richtig und saugte selbständig aus dem Brusternährungsset.
Ich lobte ihn dann jedes Mal überschwänglich. Wenn
er die Zunge falsch hatte, konnte ich ihn schließlich
abnehmen und neu anlegen, ohne dass er in Geschrei ausbrach
- und oft hatte er die Zunge anschließend richtig. Bald
schon merkte unser schlauer Sohn, wo die tolle Milch her kam:
aus dem Schlauch. Warum also das doofe Stillhütchen im
Mund lassen - er spuckte es aus und nuckelte genüsslich
am Schlauch! Das konnte ich ihm natürlich nicht durchgehen
lassen - ich steckte in Zukunft den Schlauch ins Stillhütchen,
damit er diesen nicht mehr als Nahrungsquelle identifizieren
konnte.
Felix' Saugen wurde immer kräftiger und mit etwa fünf
Wochen konnte ich ihn wieder normal an der Brust saugen lassen
- allerdings nur mit Stillhütchen, denn mit der "blanken
Brust" wusste er weiterhin nichts anzufangen. Er machte
beim Anlegen stets heftige Suchbewegungen und solange er kein
Silikon zwischen seinen Lippen spürte, hörte er damit
nicht auf. Er war offenbar der Ansicht, nur Silikon (oder ein
Finger) würde ihm Milch geben. Wir wollten aber gerne von
den Stillhütchen wegkommen. Ich beobachtete, wie Felix
gelegentlich an unseren Armen schnullte und beschloss, dieses
Verhalten auszunutzen. Als er das nächste Mal in der passenden
Stimmung war, gab ich ihm statt meines Armes die Brust - und
siehe da, er saugte! Ich wiederholte das mehrfach und schon
bald begriff er, dass Milch auch ohne Silikon floss und ich
konnte ihn immer häufiger ohne Stillhütchen stillen.
Am 3. Oktober, mit gut sechs Wochen, haben wir das letzte Mal
ein Stillhütchen benutzt, danach klappte es immer ohne
dieses Hilfsmittel. Zwar war es in den ersten Tagen manchmal
noch mühsam, ihn ohne Silikon anzulegen, aber es hat letztendlich
immer geklappt.
Durch Felix' kräftiges Saugen bekam ich wunde Brustwarzen.
Insbesondere das Ansaugen wurde extrem schmerzhaft. Vom Schmerzempfinden
kann man sich das wie eine wässrige Wunde vorstellen, über
die jemand mit den Fingern schabt. Der Schmerz hielt meist 1
bis 2 Minuten an und erzeugte irgendwie einen eigentümlichen
Geschmack zwischen Lippen und Zahnfleisch, dann wurde es besser.
Die Probleme begannen schon, als Felix noch mit Stillhütchen
saugte. Als ich es kaum noch aushielt, nahm ich die Milchpumpe
zur Hilfe: ich pumpte vorsichtig, bis das Gewebe bereits gut
"vorgedehnt" war und der Milchspendereflex einsetzte,
erst dann durfte Felix saugen. Das machte die Prozedur erträglicher,
aber die Brustwarzen blieben wund. Etwa Mitte Oktober, ca. 10
Tage, nachdem Felix das letzte Mal mit Stillhütchen saugte,
entschloss ich mich, es zur Schonung meiner Brüste noch
mal mit Stillhütchen zu probieren. Ich legte ihn an, aber
er saugte nicht richtig - offenbar hatte er verlernt, mit Stillhütchen
zu saugen. Also musste es auch ohne Hütchen gehen.
Abpumpen war weitaus weniger schmerzhaft als Felix direkt zu
stillen. Um mich zu schonen, habe ich zwei seiner fünf
täglichen Mahlzeiten abgepumpt und mit der Flasche gefüttert
(oft hat das auch mein Mann übernommen). Bei den restlichen
Mahlzeiten habe ich meistens eine Seite gestillt und die andere
per Flasche zugefüttert. So verlernte er das Saugen an
der Brust nicht und meine wunden Brüste wurden geschont.
Wir haben die Avent-Flaschen verwendet und Felix kam mit dem
Wechsel zwischen Brust und Flasche gut klar. Als Felix zehn
Wochen alt war, war meine rechte Seite ziemlich schmerzfrei.
Die empfindlichere linke Seite hat dazu etwa sechs bis acht
Wochen länger benötigt, aber durch Flaschenfütterung
oder "Vordehnen mit Hilfe der Milchpumpe" war das
für mich nicht mehr schlimm, da ich so kaum noch Schmerzen
hatte.
Inzwischen klappt es auch bei uns mit dem Stillen genauso gut
wie bei anderen Müttern. Mit etwa drei Monaten wollte Felix
nicht mehr eine halbe Stunde oder länger pro Seite gestillt
werden, sondern nur noch fünf bis zehn Minuten. Gleichzeitig
hat er auch seine Saugtechnik umgestellt: er arbeitet nun mit
viel weniger Unterdruck als früher und streicht stattdessen
die Milch mit der Zunge aus, so wie er es soll. Das ist für
ihn effektiver und für mich viel angenehmer! Wir hatten
es geschafft!
Mit vier Monaten habe ich das letzte Mal meine empfindliche
Seite aus Schmerzgründen abgepumpt, und zugleich fing Felix
an, bis morgens um 6 oder 7 Uhr durchzuschlafen, nachdem er
seine letzte Mahlzeit abends zwischen 22 und 23 Uhr bekam. Aber
auch im Alter von 6 bis 8 Wochen hatte uns Felix nachts mehr
Ruhe gegönnt: er kam dann nur noch einmal gegen vier Uhr
morgens. Auch Stillkinder können also durchaus durchschlafen!
Mit acht Monaten hat Felix übrigens 12 Stunden durchgeschlafen,
zu dieser Zeit wurde er seit ca. einem Monat zugefüttert.
Ich habe Felix ausschließlich gestillt, bis er etwas
über sieben Monate alt war. Danach haben wir zugefüttert:
erst Gemüse, dann Obst, dann Brei (aus Muttermilch hergestellt,
keine Kuhmilch, denn die soll er frühestens bekommen, wenn
er ein Jahr alt ist). Und ich habe beschlossen, dass Felix stillen
darf, solange er das möchte, denn ich denke, dass ihm die
Muttermilch sehr gut tut und es sind auch immer sehr kuschelige
Zeiten - für uns beide! Es ist so schön, wenn er strahlend
vor Freude an-gallopier-gekrabbelt kommt, wenn er mich in unserer
Still-Ecke sitzen sieht!
Als Felix 23 Monate alt war, hat er sich ganz von selber abgestillt.
Ich war gerade im 4. Monat schwanger und vermute, dass ihm die
Milch nicht mehr geschmeckt hat. Da er auch davor nicht mehr
viel gestillt hat - meist 0 bis 2 mal täglich, je nach
Lust und Laune - war das Abstillen auch kein Problem, für
keinen von uns beiden. An "Brustwarzen abhärten"
und ähnliche Aussagen glaube ich heute nicht mehr, denn
ich habe am eigenen Leib erfahren, wie urplötzlich die
Schmerzen nachlassen, sobald das Baby eine andere Saugtechnik
(mit Zunge ausstreichen statt einfach nur Unterdruck erzeugen)
verwendet.
Zurückblickend denke ich, dass schon bei Felix' Geburt
die ersten Fehler gemacht wurden. Ich kam mittags in den letzten
freien Kreissaal, nachdem ich morgens - 12 Tage vor Termin -
einen Blasensprung hatte. Felix war noch gar nicht auf Geburt
eingestellt, aber nun musste er raus. Die anderen drei Kreissääle
waren mit "langsam Gebärenden" besetzt, bei mir
hat sich der Muttermund dann aber nach einem Bad schön
geöffnet. Danach wollte das Krankenhauspersonal nachhelfen,
ich habe über eine PDA nachgedacht, stattdessen wurde mir
Dolantin nahegelegt. Ich fragte noch, ob das meinem Kind was
ausmachen würde, und war erleichtert, dass die Antwort
ein entschiedenes "Nein" war. Die Wehen kamen von
Anfang an alle 1-2 Minuten und haben vielleicht 20 Sekunden
angehalten. Irgendwann wollte ich pressen, aber nur "verhalten",
die Hebamme hat mich ermuntert, feste draufloszupressen. Vielleicht
hätte ich lieber auf mein Gefühl vertrauen sollen,
ich denke, wir waren beide noch nicht bereit für "feste
pressen". Es war wie bei einem sehr festen Stuhl, bei dem
man erstmal verhalten preßt, aus Angst, dass es einen
sonst "zerreißt".
Die Wehen waren der Hebamme dann zu kurz, also legte sie mir
einen Wehentropf. Felix kam schließlich nach nur ca. 5
1/2 Stunden Wehen auf die Welt - mit einer riesigen Beule am
Hinterkopf, die aussah wie nach einer Saugglocken-Geburt. Ich
versuchte, Felix zu stillen, aber statt mir zu helfen, wurde
ich auf später vertröstet, wenn wir in der Kinderstation
sind. Sicherlich wurde der Kreissaal benötigt, die anderen
drei waren immer noch besetzt, ich hatte sie alle "überholt",
und das, obwohl Felix mein erstes Kind war.
Als wir dann endlich im Kinderzimmer waren und mir beim Stillen
geholfen werden sollte, war Felix müde und wollte schlafen.
Nachts war dann niemand da, der wirklich Zeit hatte und uns
helfen konnte. D.h. die Zeit verging und Felix hat nicht gestillt.
Ich habe dann abgepumpt und wir haben ihm die wenigen Milliliter
Milch mit einer Spritze eingeflößt.
Heute frage ich mich, was wäre gewesen, wenn wir für
die Geburt etwas länger Zeit gehabt hätten, wenn wir
nicht mit Wehentropf und "feste pressen" gescheucht
worden wären, und wenn sich der Arzt nicht auf meinen Bauch
gelegt hätte, um Felix rauszudrücken. Was wäre
gewesen, wenn man sich von Anfang an Zeit genommen hätte,
uns beim Stillen zu helfen. Hätten wir dann einen besseren
Start gehabt? Ein Osteopath, den wir mit Felix wegen der Stillprobleme
besucht hatten, hat festgestellt, dass Felix' Gaumenknochen
auf eine Art verschoben waren, die ihm das Stillen sehr schwer
machten. Anhand eines Modells zeigte er mir, wie das während
der Geburt passieren kann, insbesondere, wenn auf unnatürliche
Art nachgeholfen wird...
Für die nächste Geburt möchte ich ins Geburtshaus.
Die Schmerzen sind auch ohne Dolantin auszuhalten und ich habe
keine Lust mehr auf Krankenhausroutine und Kreisssääle,
die frei werden müssen. Die ein bis zwei Stunden verminderte
Schmerzen durch Dolantin hätte ich liebend gerne in voller
Stärke mitgemacht, wenn ich dafür die Stillprobleme
nicht gehabt hätte!
Das war unsere Geschichte. Sie ist lang und sehr ungewöhnlich.
Ich wünsche niemandem eine ähnliche Erfahrung, aber
denjenigen Müttern, denen es trotzdem ähnlich ergeht,
wünsche ich ganz viel Durchhaltungsvermögen. Mit einer
gesunden Portion Trotz und festem Willen, sowie mit hinreichend
Geduld, kriegt man auch ganz fiese Stillprobleme gelöst!
Mit freundlicher Genehmigung von Angela für Rabeneltern.org