Schwangerschaftsgestose
ein Erfahrungsbericht von
unserer Besucherin Manuela
Mir ging es die ganze Schwangerschaft über sau gut, außer
das "normale" wie Sodbrennen etc. ... Ich bin jeden Tag stundenlang mit meinem
Hund durch die Felder gelaufen, also war echt aktiv. Ich habe 3 Wochen vor der
Schwangerschaft aufgehört zu rauchen und habe nur noch max. 3 Tassen Kaffee am
Tag getrunken. Ich hatte immer einen Blutdruck von 120/70 +/- , dann auf einmal
hatte ich immer das Gefühl ich hätte 80 Kaffee am Tag gesoffen und stand total
unter Strom und sah öfters "Sternchen". Ich erzählte meiner Frauenärztin davon
und sie sagte immer nur ich solle mir keine Sorgen machen. Ständig dieser
beschissene Satz und meinen Blutdruck hatte sie gar nicht kontrolliert. Als wäre
ich eine, die ihre Schwangerschaft als Krankheit ansehen würde.
Durch Zufall habe ich dann in meinem Mutterpass gesehen,
dass ich auf einmal Eiweiß hatte im Urin. Außerdem sammelte ich ein wenig Wasser
ein in den Beinen. Ich sprach meine Frauenärztin gezielt darauf an, ob es nicht
Gestose sein könnte, denn alle Anzeichen auf einmal fand ich recht bedenklich.
Sie tat es ab, als wenn ich mir übertrieben Sorgen machen würde. Ob es mir denn
sehr schlecht gehen würde ...? Ich sagte wieder, ich fühle mich wie 80 Tassen
Kaffee am Tag.
Zwei Tage später hatte ich die Faxen dicke und ich fühlte
mich wieder so komisch, außerdem wollte mein Körper auf einmal nur schlafen,
schlafen, schlafen, ...
Ich ging zu meiner Frauenärztin und ließ mir wieder den
Blutdruck messen, diesmal lag er bei 160/95. Sie schickte mich in die Apotheke,
ich solle mir ein Blutdruckmessgerät kaufen und wenn es mir sehr schlecht gehen
sollte morgen, dann solle ich vorbeikommen.
Bis dato hatte ich mich gar nicht mit Gestose befasst und
las dann im Internet darüber. Abends ging es mir wieder so blöde und ich hatte
einen Blutdruck von 200/110!!! Tja, ich packte meine Tasche und mein Mann fuhr
mich ins Krankenhaus. Ich hatte echt Angst, denn es kann sich ja die Plazenta
ablösen oder man kann einen Schlaganfall bekommen. Ich hatte trotz Tabletten und
Bettruhe einen hohen Blutdruck. Der Chefarzt wollte aber versuchen die Kleine so
lange wie möglich drinnen zu lassen um die 37. Schwangerschaftswoche noch
abzuschließen. Wegen dem hohen Blutdruck wurde am 18.2 um 8 Uhr morgens die
Geburt mit PDA und wehenförderndem Gel eingeleitet ( PDA senkt den Blutdruck,
ich wollte so gerne natürlich entbinden ...). Nachmittags wurde noch mal Gel
nachgelegt, da der Muttermund sich nicht weiter öffnete (Wehen hatte ich schon
seit einer Woche). Wehentropf ging auch nicht wegen dem Blutdruck.
Na ja, am 19.2 morgens wurde sie dann geholt, denn ich
wollte kein weiteres Risiko eingehen, mal davon abgesehen, dass es mir auch
recht bescheiden ging. Da ich total "verkabelt" war, war ich auf diesem tollen
Gebärbett steif wie ein Brett.
Die PDA wirkte nicht mehr, trotz Hochdosierung und da
entschied ich mich für eine Vollnarkose (die erste in meinem Leben, bibber).
Ich konnte nicht mehr und ich wollte mir keine Sorgen mehr machen. Ich wollte
nur noch "Kind raus und alles ok". Diese ganze Angst, das auf den "letzten
Metern" noch etwas passiert war schrecklich und zermürbend.
Dann war Valentina endlich auf der Welt und 50 cm lang,
Kopfumfang 34 cm, 2800g und gesund. Letztendlich fehlt es mir sehr, die Geburt
nicht erlebt zu haben.
Ich bin natürlich froh, dass sie gesund ist. Trotzdem muss
ich manchmal weinen, weil ich es nicht erleben konnte. Mein Mann stand mit
Kamera im Kreissaal und hat vor lauter Aufregung vergessen zu filmen. Die
Hebamme hatte den Fotoapparat vergessen und somit gibt es auch kein "erstes"
Foto von ihr mit Nabelschnur dran oder so. Erst nach 3,5 Stunden bekam ich mein
Kind zu sehen, da der Kreissaal voll war und ich so lange im Aufwachraum war
(die doppelte Dosis PDA + Vollnarkose). Tja, kann ich nicht mehr ändern.
Dann bekam ich durch Zufall mit, dass meine Tochter
zugefüttert wurde im Krankenhaus, obwohl ich stillen wollte. Immer, wenn ich sie
angelegt habe, war sie sehr müde und satt. Ich bekam sie erst am Tag nach der
Geburt auf mein Zimmer, da ich vorher noch nicht aufstehen konnte. Sie bekam
Gelbsucht und war sehr schlapp. Da wurde mir dann Angst gemacht, die Muttermilch
würde nicht reichen und das Trinken wäre zu anstrengend für sie. Dann hat man
sie ohne mein Wissen das erste mal gebadet, da war ich auch traurig. Ich bekam
die berühmten Heultage und war fix und alle. Die Schwestern und Ärzte drängten
mich dazu, die Flasche zu geben, da meine Tochter etwas mehr als 10% abgenommen
hatte. Ich wollte nur noch nach Hause und gab ihr Brust und abgepumpte Milch
(auf einmal kam kaum Milch) und künstliche Säuglingsnahrung.
Eine Kinderkrankenschwester war auch Stillberaterin und auf meiner Seite.
Sie sagte ich müsse schnell nach Hause und raus hier. Einen Tag vor meiner
Entlassung bekam ich plötzlich 40 Fieber und sie wollten mich nicht gehen
lassen. Ich nahm ein fiebersenkendes Mittel und "durfte" dann offiziell gehen.
Zu Hause pumpte ich dann weiterhin Tag und Nacht ab, legte sie ständig an ... .
Als sie über 3000g wog entschied ich mich das Vollstillen zu versuchen. Tja, sie
wollte aber die Brust nicht mehr und schrie und ich wusste nicht, dass ein so
kleines Baby soooo böse werden kann. Sie hat sich verbogen wie ein Fragezeichen,
gegen die Brust geschlagen etc. .Da gab ich auf.
Ich rief eine Stillberaterin von La Leche Liga an und sie sagte, ich solle es
versuchen, solle sie alle 2 Stunden anlegen und nicht mehr pumpen. Nach 2 Tagen
käme die Milch. 3 Tage später versuchten wir es noch mal und diesmal klappte es.
Sie hatte recht. Die ersten Tage wog ich Valentina, um ihr Gewicht zu
kontrollieren. Sie nahm 30 g ab und dann nach 2 Tagen nahm sie wieder zu.
Jetzt wiegt sie 5600 g und ihr liebstes "Hobby" ist Mamas
Busen. Ich genieße das Stillen so sehr und finde es sooo praktisch. Na ja,
trotzdem habe ich im Moment vor einer neuen Schwangerschaft Angst.
Manuela für Rabeneltern.org im Juli 2004