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Studie zum Familienbett
von
Dr.
James J. McKenna
übersetzt aus dem Englischen von eulalie für Rabeneltern.org
So weit man auch zurück denkt, Mütter haben bei ihren
Kindern geschlafen, weil dies der natürlichste Weg ist, sein
Kind auch während des Schlafes zu beschützen und es dabei
selber am bequemsten zu haben. Noch heute ist für die überwiegende
Mehrzahl der Menschheit auf unserem Globus gemeinsames Schlafen
und nächtliches Stillen untrennbar miteinander verbunden. Erst
seit ungefähr 200 Jahren haben Eltern vorwiegend in den westlichen
Industrienationen es als normal und biologisch für angebracht
erachtet, dass Mutter und Kind getrennt voneinander zu schlafen
haben.
Im Schlaflabor der University of California's Irvine School of
Medicine, haben meine Kollegen und ich das Schlafverhalten von Müttern
und Kindern beobachtet, die gemeinsam schliefen und die getrennt
schliefen. Mit Hilfe von elektronischen Aufzeichnungsgeräten
haben wir über den Zeitraum von 3 aufeinander folgenden Nächten
Herzfrequenz, Gehirnströme (EEG), Atemfrequenz und Körpertemperatur
dokumentiert. Infrarotkameras haben zeitgleich das Verhalten im
Schlaf aufgenommen und die Stillhäufigkeit aufgenommen.
Wir fanden heraus, dass Säuglinge, die nachts bei ihren Müttern
bleiben, die meiste Zeit mit dem Gesicht der Mutter zugewandt schlafen.
Die Bewegungen von Mutter und Kind sind aufeinander abgestimmt,
sie wachen beide häufiger auf und verbringen mehr Zeit in aktiven
Schlafphasen (= schlafen weniger tief) im Vergleich zu getrennt
schlafenden Mutter-Kind-Paaren. Säuglinge, die im Familienbett
schlafen, werden meistens doppelt so häufig gestillt, dabei
drei mal länger je Stillmahlzeit als die Vergleichsgruppe.
Die Säuglinge im Familienbett schreien weniger als die in getrennten
Betten. Mütter, die bei ihren Kindern schlafen, bekommen insgesamt
gesehen dennoch wenigstens genauso viel Schlaf, wie die getrennt
schlafenden Mütter.
Hinzu kommt, dass neben der Sicherstellung nächtlicher Nahrungsversorgung
und Fürsorge, das Schlafen bei der Mutter dem Kind ein ständiges
Gefühl der Nähe vermittelt durch Berührung, Geruch,
Bewegung und Wärme. Diese Stimuli tragen wahrscheinlich dazu
bei, die extreme neurologische Unreife des Säuglings zum Zeitpunkt
der Geburt zu kompensieren.
Der gemeinsame Schlaf von Mutter und Kind bietet wahrscheinlich
für viele Babys Schutz vor dem plötzlichen Kindstod (Sudden
Infants Death Syndrom = SIDS), einem so schrecklichen wie rätselhaften
Tod. Säuglinge im Familienbett werden häufiger gestillt,
haben mehr aktive Schlafphasen und reagieren gewöhnlich instinktiv
auf die mütterlichen Aufwachphasen. Die noch unzureichende
Fähigkeit des Säuglings, aus dem Schlaf zu erwachen, wurde
in einigen SIDS-Untersuchungen als Todesursache vermutet. Lange
Tiefschlafphasen verschlimmern diese unzureichende Fähigkeit
unter Umständen. Wir nehmen an, dass die psychologischen Gegebenheiten
beim gemeinsamen Schlaf von Mutter und Kind, insbesondere wenn das
nächtliche Stillen hinzu kommt, manchem Säugling helfen,
nicht in einen zu tiefen Schlaf zu fallen. Gleichzeitig ist es für
die Mutter einfacher, sofort zu bemerken und zu reagieren, wenn
mit ihrem Kind etwas nicht stimmt.
Das Überdenken einer ebenfalls einst weit verbreiteten Praxis,
nämlich Säuglinge in der Bauchlage schlafen zu lassen,
hat die SIDS-Rate in den USA um mindestens 30 % gesenkt, nachdem
die American Academy of Pediatrics die Rückenlage empfohlen
hatte.
Die positiven Auswirkungen des gemeinsamen Schlafs von Mutter und
Kind sind noch nicht abschließend bewiesen, so dass das Familienbett
als Empfehlung zur Vorbeugung gegenüber dem plötzlichen
Kindstod für alle Familien noch verfrüht wäre. Die
Gefahren des Familienbettes müssen ebenfalls noch fundiert
ermittelt werden: Ist die Schlafumgebung insgesamt auf die Bedürfnisse
von Babys abgestimmt, inklusive geeigneter Matratzen, Decken, ...?
Sind die Eltern Raucher? Oder nehmen sie Drogen oder konsumieren
Alkohol? (Dieses scheinen die Ursachen zu sein in den seltenen Fällen,
in denen Mütter ihre Kinder während des Schlafes erdrückten).
Weil das gemeinsame Schlafen von Mutter und Kind sich jedoch bei
unseren Vorfahren so gut bewährt hat, sollten wir in Zukunft
unsere Kindern daran wieder teilhaben lassen.
Dieser Artikel ist mit freundlicher Genehmigung von Dr. McKenna
bei Rabeneltern.org veröffentlicht und kann im Original mit
dem Titel "Bedtime Story: Co-sleeping-Research"
bei www.naturalchild.org
nachgelesen werden.
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