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Unsere Schlafgeschichte
Ja, auch ich habe in der Schwangerschaft in Katalogen geblättert
und sehnsüchtig die schönen Babyzimmer bewundert
preislich lagen sie allerdings über der Schmerzgrenze und außerdem
hatten wir sowieso kein Platz für ein Kinderzimmer. Wir würden
uns mit einem ererbten Gitterbettchen im Schlafzimmer begnügen
müssen. Aber bald würden wir ja ausziehen - und dann würde
mich nichts mehr vom Nestbauen abhalten! Nichts mehr - außer
einem Buch, dass ich auf dem Grabbeltisch einer Buchhandlung entdeckte.
Es war Deborah Jacksons "Drei in einem Bett" (leider weiterhin
vergriffen). Während ich es las, hatte ich ein echtes Aha-Erlebnis,
und von da an war ich für das Familienbett - von dem ich vorher
noch nie gehört hatte - gewonnen. Wie absurd erschien es mir
auf einmal, ein so kleines, womöglich gar neugeborenes Wesen
alleine in einem eigenen Bett oder gar Zimmer unterzubringen! Wie
natürlich und meinem Empfinden angemessener, mit ihm gemeinsam
zu schlafen. Als ich meinem Mann enthusiastisch von meinen neuen
Erkenntnissen und Plänen berichtete, meinte er bloß lakonisch:
Er hätte nichts dagegen, in seiner Heimat wäre das ohnehin
eine Selbstverständlichkeit.
Also war es beschlossene Sache und Gabriel, der Glückspilz,
durfte von Anfang an in unserem Bett schlafen. Das Gitterbettchen
blieb vorerst, wo es war, nämlich bei meiner Schwester. Ich
war so glücklich, mit meinem Baby gemeinsam zu schlafen und
es zu stillen, wann immer es wollte, ohne dass ich mich deswegen
aus dem Bett quälen musste (bei nächtlichen Störungen
reagiere ich meist ziemlich unwirsch). Bei der Vorstellung, dass
es in einem eigenen Zimmer schliefe, grauste es mich. Das hätte
ich gar nicht ausgehalten und auch nicht in Ruhe schlafen können.
Es reichte schon, dass ich tagsüber, wenn es schlief, immer
wieder ins Schlafzimmer schaute, um zu kontrollieren, ob es noch
atmete. (Bei Jackson hatte ich ja auch gelernt, dass das Familienbett
bei korrekter Anwendung das SIDS-Risiko senkt). Ich glaube, auch
wenn ich das Buch nicht während der Schwangerschaft gelesen
hätte - meine Instinkte und mütterlichen Bedürfnisse
hätten mich auch zum Familienbett geführt. Das Gitterbettchen
habe ich dann doch noch genommen, als Gabriel etwa 4 Monate alt
war, und es als Babybalkon an unser Bett gestellt. Er schlief zwar
auch später eher selten darin, aber es war ein guter Rausfallschutz
;o)
Heute sind wir zwar immer noch nicht umgezogen, aber unser Familienbett
hat sich um eine kleine, inzwischen zweijährige Person erweitert.
Das tolle Hochbett, das wir Gabriel gekauft hatten, nachdem wir
endlich unser Arbeitszimmer geopfert und ein Kinderzimmer eingerichtet
hatten, steht nun schon fast anderthalb Jahre verwaist. Es wird
nur zum Spielen benutzt. Einige darin verbrachte Nächte hatten
sowohl Gabriel als auch mich überzeugt, dass das Familienbett
noch immer vorzuziehen ist. Natürlich sind 1,80 x 2 Meter plus
Babybalkon ein wenig eng für zwei Erwachsene und zwei Kinder
- die immer wieder gerne auch mal quer im Bett liegen - aber trotzdem
genieße ich es jede Nacht unbeschreiblich, mit meinen Kindern
gemeinsam zu schlafen, sie zu hören, zu sehen, zu riechen und
zu beschmusen, wann immer ich oder sie es wollen. Jeden Abend begleite
ich sie in den Schlaf, den Kleinen noch durch Stillen, den Großen
durch eine Gute-Nacht-Geschichte und Gute-Nacht-Gespräche,
bis er einschläft (was meist sehr schnell der Fall ist. Übrigens
schläft er schon seit Jahren durch, irgendwann zwischen 2 ½
und 3 Jahren war es soweit.) Mein Mann, der Dolmetscher ist, schläft
vor wichtigen Terminen, wenn er den ganzen Tag im Einsatz sein wird,
im Wohnzimmer. Wir sind mit diesem Arrangement zufrieden. Wenn ich
an meine eigene Kindheit zurückdenke, so kann ich mich daran
erinnern, Angst vor dem Dunkeln und immer wieder Albträume
gehabt zu haben. Gabriel hat in 5 ½ Jahren Familienbettzeit
genau 2 Albträume gehabt - und niemals Angst vor dem Dunkeln.
Ich empfinde das im Nachhinein als Bestätigung dafür,
dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.
Roberta |