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Auch Eltern können alleine schlafen
Noch während meiner Schwangerschaft schüttelten mein
Mann und ich verständnislos den Kopf, als wir das Schlafarrangement
unserer Nachbarn sahen - ein Gitterbettchen, mit einer offenen Seite
direkt ans Elternbett gestellt. Ja, ich muss sogar gestehen, dass
ich irgendwo in meinem Kopf ganz vage die Idee hatte, einem Kind
müsse doch das Schlafen beizubringen sein.
Von den selben Nachbarn bekamen wir einen niedlichen Stubenwagen,
in den wir unseren winzigkleinen Mathis legten. Das Schlafen brauchte
er nicht zu lernen, er wachte immer nur kurz zum Trinken auf und
schlief dann direkt weiter. Nach sechs Wochen noch nicht einmal
das - mein Sohn schlief bereits durch. Trotzdem wurde ich immer
wieder vom Knarren des Stubenwagen-Körbchens wach, so dass
wir den Versuch wagten, ihn im anderen Zimmer schlafen zu lassen.
Wir hatten zu der Zeit eine Zwei-Zimmer-Wohnung, von Kinderzimmer
konnte also sowieso nicht die Rede sein. Mir war schon ein bißchen
mulmig, das Babyphon mußte immer in Betrieb sein, aber Mathis
schlif weiter durch. Bis er sieben Monate alt und bereits ins Gitterbett
umgezogen war. Ab diesem Zeitpunkt wurde er immer öfter nachts
wach und wollte gestillt werden. Damit hatte ich auch kein prinzipielles
Problem, auch wenn mich eine Mitmutter mit hochgezogenen Augenbrauen
wissen ließ, Babies bräuchten in dem Alter nachts keine
Milch mehr. Aber von "Schlafenlernen" war inzwischen sowieso
bei uns längst keine Rede mehr... Nachdem ich aber immer öfter
den Kleinen mit rüber in unser Bett nahm, weil es mir zu lästig
war, ihn im Sessel zu stillen, starteten wir eine große Umräumaktion
und bauten einen Babybalkon - also genau das, was wir noch kurze
Zeit vorher so übertrieben fanden. Mein Mann war mindestens
genauso begeistert wie ich und lobte das Familienbett in höchsten
Tönen. Allerdings wachte er auch selten richtig mit auf, wenn
Mathis gestillt werden wollte.
Als unser Sohn ungefähr ein Jahr alt war, kann ich doch ein
bißchen ins Grübeln, ob ich ihm nun das nächtliche
Stillen angewöhnt hatte und das lieber wieder abschaffen sollte.
Bis auf ganz wenige Ausnahmen blieb es dabei, dass Mathis trank
und sofort wieder einschlief, aber das eben mehrmals pro Nacht.
Da ich keine der Frauen bin, die leicht und noch beim Stillen wieder
einschlafen, ging mir der Schlafmangel doch an die Substanz. In
dieser Zeit hat es mir sehr geholfen, andere Berichte schlecht schlafender
Kinder zu hören. Es war halt ein typisches Alter für häufiges
Aufwachen, und irgendwann war ich einfach nur froh, dass Mathis
über das Stillen so leicht zufriedenzustellen war, denn ich
hörte auch von nicht mehr gestillten Kindern, die nachts ein
viel aufwändigeres Programm brauchten. Irgendwann normalisierte
sich die Stillfrequenz auch wieder, ging runter auf ein- bis zweimal
die Nacht, und ich lernte auch, leichter wieder einzuschlafen. Seit
Mathis zweieinhalb ist, überwiegen sogar die durchgeschlafenen
Nächte, und ich finde es vollkommen normal und richtig, dass
er ganz von selber das Schlafen (wieder) "gelernt" hat.
Inzwischen wohnen wir in einer größeren Wohnung. Es
gibt ein Zimmer, das als Aufbewahrungsort für Mathis´
Kleidung und Spielsachen dient, und wenn man mitkommt, spielt er
dort auch ganz gern. Das Schlafen findet aber weiterhin im Familienbett
statt. Mathis hat irgendwann beschlossen, dass es noch netter ist,
wenn er zwischen Mama und Papa iegt, und nachdem ich mich ein paarmal
in den Babybalkon gefaltet wiedergefunden habe, haben wir ein 90
cm-Bett mit gleicher Matratzenhöhe neben unser 1,40 m-Bett
gestellt. Jetzt haben wir eine tolle breite Schlaflandschaft und
genießen es, beim Einschlafen den kleinen Mann schnaufen zu
hören und beim Aufwachen als erstes von ihm in den Arm genommen
zu werden und einen dicken Kuss auf den Mund zu bekommen. Wenn er
mal aus dem gemeinsamen Bett ausziehen will, brauchen wir wahrscheinlich
ein Schlafprogramm - "Auch Eltern können alleine schlafen"
oder so etwas.
Schon, als mein Sohn ein Jahr alt war, wurde mir von verschiedenen
Seiten nahegebracht, dass ein Kind allein einzuschlafen habe. Ich
dagegen fand, dass es kein friedvolleres Einschlafen als das meines
Kindes in meine Arme gekuschelt geben kann und dass es keinen Grund
gibt, das zu ändern, außer, er verlangt selber danach.
Und einer Abhängigkeit des Kindes von einem bestimmten Stofftier
und hysterischen Anfällen, wenn dieses verschwunden ist, wie
ich es bei diversen allein einschlafenden Kindern beobachtet habe,
kann ich auch nichts abgewinnen. Noch heute lege ich mich dazu,
wir lesen ein Buch, erzählen vom Tag, und dann gibt es noch
ein bißchen Nana. Und wir beide genießen das sanfte
Ausklingen des Tages.
Juli |