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Schlafen wie
ein Baby?
Babys, so dachte ich vor der Geburt meiner Tochter, legt man ins
Bett wenn sie müde sind, dann schlafen sie ein und wachen morgens
wieder auf. Berichte meiner Eltern über Verdunkelungsaktionen
in Ferienwohnungen und stundenlanges zu Bett bringen einer aufmüpfigen
Gundula fand ich amüsant und leicht wirklichkeitsfremd.
Um so überraschter war ich, als meine Tochter mitten in der
ersten Nacht zu Hause aufwachte und losbrüllte wie am Spieß.
Ich trug sie durch die Wohnung und sang ihr Lieder vor und fand
mich unglaublich aufopferungsvoll. Nach ein paar Nächten ließ
Alma sich nachts durch Stillen beruhigen – aber dafür
weinte sie abends Herz zerreißend. Ich stillte, wir trugen
sie in verschiedenen Positionen wahlweise links- und rechtsrum durchs
Wohnzimmer, wir sangen und brummelten beruhigend – nichts
half. Wochenlang beruhigte sie sich erst gegen 1 Uhr nachts –
und wir fragten uns, was wir nur falsch machten, schoben es auf
die berühmten Drei-Monats-Kolliken und waren verzweifelt, als
es nach drei Monaten nicht besser wurde.
Mit der Zeit verschob sich diese Einschlafzeit ganz langsam fast
unbemerkt weiter nach vorne. Was für ein Glücksgefühl
war der Abend, als wir erstmals wieder die Spätnachrichten
im Fernsehen mitbekamen und Töchterlein derweil friedlich auf
Papas Bauch schlief! Nach einem halben Jahr ungefähr war sie
abends zwar wach aber schrie wenigstens nicht mehr so entsetzlich.
Zeit, so fanden wir, sie nicht mehr im Wohnzimmer in den Schlaf
zu tragen sondern in ihr Bettchen (in unserem Schlafzimmer) zu legen.
Nun war akrobatisches Können gefragt, denn die Kleine wollte
in den Schlaf gestillt werden. Ich kletterte also Abend für
Abend ins Kinderbettchen und faltete mich dort zusammen. Schlief
das Kind endlich, so nach 1 – 2 Stunden, versuchte ich möglichst
geräuschlos herauszuturnen und ins Wohnzimmer zu schleichen.
Hörten wir ein Geräusch aus dem Schlafzimmer, rannten
wir uns oft beinahe gegenseitig um, um als erste/r beim Kind zu
sein...
Irgendwann kamen auch wir auf die glorreiche Idee, unsere Tochter
nicht erst im Laufe der Nacht zu uns ins Bett zu holen, sondern
abends direkt dort zu betten. Außerdem war ich inzwischen
relativ genervt davon, die Abende im Bett zu verbringen und erst,
wenn ich selbst kurz vor dem Einschlafen war, wieder aufzustehen.
Wir begannen, uns abends abzuwechseln. Alma war, da ich zu der Zeit
berufstätig war und sie tageweise von einer Tagesmutter betreut
wurde daran gewöhnt, von unterschiedlichen Personen ins Bett
gebracht zu werden. Dies vereinfachte die Sache. Mein Mann und ich
entwickelten ganz unterschiedliche Rituale. Es klappte ganz gut,
allerdings brauchte sie zum Einschlafen gut und gerne 1,5 Stunden.
Dabei war es egal, wer Alma ins Bett brachte, Mama, Papa, Oma oder
Tagesmutter. Nachts stillte sie viel, schlief unruhig und wachte
zwischen 2 und 200 Mal (so schien es mir ;) ) auf. Rückblickend
gab es immer Erklärungen, warum sie so schlecht schlief: Zähnchen,
Vollmond, Entwicklungsschübe, gestresste Mama. Zum Glück
ließ sie sich aber durch Stillen schnell beruhigen –
Familienbett sei Dank.
Mit der Zeit wurde die Einschlafzeit kürzer. Ein „Durchbruch“
in Sachen Schlafen war das letzte Zähnchen mit ca. 2,5 Jahren.
Danach schlief sie des Öfteren im klassischen Sinne „durch“
– also von abends bis morgens. Ich übrigens nicht. Ich
hatte mich inzwischen daran gewöhnt, nachts dauernd aufzuwachen
;-) Als Alma keinen Mittagsschlaf mehr machte, mit ungefähr
drei Jahren, gehörten ihre – nein UNSERE – Probleme
mit dem Einschlafen der Vergangenheit an. Lange Zeit legte ich mich
abends zu ihr ins Bett, sang ihr Lieder vor bis sie schlief. Nach
der Geburt ihres Brüderchens mit ungefähr 3,5 Jahren einigten
wir uns darauf, dass ich ihr drei Lieder vorsänge. Dabei schlief
sie sehr zuverlässig ein, spätestens bei der letzten Zeile
des letzten Liedes. Seit einigen Wochen möchte sie im Bett
lieber eine Gute Nacht Geschichte hören und sich danach noch
ein Bilderbuch angucken. Danach knipst sie das Licht aus und schläft
ein. Wie im Bilderbuch ;)
Immer noch ist es so, dass Alma schlecht ein- und durchschläft,
wenn sie sich Gedanken um etwas macht oder Probleme mit sich rumschleppt.
So ist „schlecht schlafen“ inzwischen für uns Eltern
ein zuverlässiger Indikator geworden, mal darüber nachzudenken,
was unsere Tochter belasten könnte. Wenn es ihr gut geht, so
schläft sie sprichwörtlich wie ein Baby ;-)
Gundula für rabeneltern.org im Februar 2006 |