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Unser Einschlafritual
Immer, wenn ich lese oder höre, dass Eltern der Meinung seien,
jedes Kind sollte von Anfang an in seinem eigenen Zimmer schlafen
und sich von diesem Vorhaben auch nicht abbringen lassen, selbst
durch schlaflose Nächte und verzweifeltes Kindergeschrei nicht
- kann ich nur den Kopf schütteln, denn unsere Kinder, die
Ärmsten, haben nicht einmal ein eigenes Bett.
Wir schlafen zu viert im Familienbett. Für das Zubettbringen
bin ich zuständig. Das hat sich durch Stillen und Einschlafen
an der Brust so ergeben. Meistens gibt es vor der Geschichte erst
die Tagesschau und zwar unsere ganz persönliche.
Alexander: Mama, warum hält sich die Polizei nicht an die Schilder,
die sie selber aufgestellt haben?
eulalie: Wie meinst du das?
Alexander: Na vorhin, da ist die Polizei doch bei uns durch die
Straße gerast, obwohl nur 30 erlaubt ist.
eulalie: Äh ..! Weißt du was, Alexander, es gibt Polizisten,
die sind einfach zu blöd.
Alexander: Ich will doch kein Polizist werden, lieber Feuerwehrmann
;-)
Unser Brennpunkt zur Zeit sind Hunde und ihre Haufen. Dazu kann
auch Nikolas schon seinen Kommentar abgeben: Bäh!
Dann ist Zeit für eine Geschichte. Nikolas streckt den Zeigefinger
in die Luft und zählt: ein, dei, null!
Okay, überredet, also zwei Geschichten. Zufrieden kuschelt
sich je ein Kind an je eine Mutterbrust, Alexander lutscht seinen
rechten Daumen, Nikolas den linken und eulalie liest vor:
- Ich hab einen Freund, der ist Bauarbeiter -, und stöhnt innerlich
- eins meiner absoluten Lieblingsbücher. Zugegeben, noch nerviger
finde ich - Ich hab einen Freund, der ist Lastwagenfahrer - dicht
gefolgt von - Ich hab einen Freund, der ist Tankwart. Zum Glück
haben wir ungefähr eine Million Pixi-Bücher, so dass es
auch wieder Hoffnung gibt auf eine Trendwende hin zu - Neues vom
Wolf und den sieben Geißlein - Zu, zu süß, die
Geschichte! Fünf Sterne von eulalie :-)
Nikolas stillt dann noch seinen Schlaftrunk, während Alexander
dicht an mich gekuschelt einschläft. Ich genieße diesen
Tagesausklang sehr, denke ab und zu an die erste Zeit mit beiden
Kindern zurück, als Alexander nach Nikolas Geburt nur einen
klaren Gedanken hatte, nämlich: Mamas Busen gehört mir!
- und jetzt achtet er so fürsorglich darauf, dass Nikolas stillt,
wann immer der Kleine danach verlangt.
Alexander: Mama!
eulalie: Was ist denn jetzt schon wieder?
Alexander: Nikolas weint. Ich glaub, er will Ammi machen.
Dann bin ich ganz schön beschämt, ihn so unwirsch angefahren
zu haben. Wenn ich vor dem Zubettgehen noch mal nach den beiden
sehe, hat ganz oft einer dem anderen einen Arm umgelegt oder Nikolas
schnuffelt im Schlaf in Alexanders Haaren. Beide strahlen dann einen
solchen Frieden aus, als könnten sie unsere ganze, verdammte
Welt retten.
Allen Expertenempfehlungen zum Trotz, die das gemeinsame Schlafen
im Familienbett als eher schädlich für die kindliche Entwicklung
einschätzen, ich bin fest davon überzeugt, dass das gemeinsame
Schlafen nicht nur die innige Bindung zwischen Eltern und Kindern
fördert, sondern insbesondere auch die der Geschwister untereinander.
Alexander ist für mich der lebende Beweis. Die Eifersucht auf
seinen Bruder war ein halbes Jahr nach Nikolas Geburt praktisch
über Nacht vorbei :-)
Ich will nichts schön reden. Selbstverständlich gibt
es bei den beiden 1000 und 1 Grund zum Streit. Streit gehört
zum Leben, so wie die Liebe :-) Oder ist jemand anderer Meinung?
eulalie mit Alexander und Nikolas, März 2003
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