Tragehilfen, Autositze und anderes Zubehör

Statement des International Hipdysplasia Institute IHDI (Internationales Institut für Hüftdysplasie)

Übersetzung: Astrid Ahlers

 

Zusammenfassung:

Der medizinische Beirat des IHDI spricht keine Empfehlungen oder Warnungen zu konkreten Tragehilfen für Babys aus. Dieses Statement will vielmehr Informationen zu gesunder Hüftentwicklung zur Verfügung stellen, um Hersteller bei der Entwicklung von Baby-Zubehör zu beraten und um Eltern gut informierte Entscheidungen bei der Auswahl von Tragehilfen und anderen Geräten für ihre Babys zu ermöglichen. Eltern und Sorgeberechtigte sollen ermutigt werden, Tragehilfen zusätzlich zu anderen Sicherheitsüberlegungen danach auszuwählen, dass sie eine gesunde Position der Hüfte unterstützen.
Wenn Babys getragen werden, sollten die Hüften leicht gespreizt sein, wobei die Oberschenkel unterstützt und die Hüftgelenke gebeugt werden.

 

Erklärung:

Das IHDI empfiehlt für alle Babys eine gesunde Hüfthaltung, die eine normale Entwicklung ermöglicht. Im Mutterleib verbringt das Baby einen Großteil der Zeit in der fetalen Position, bei der beide Hüft- und Kniegelenke gebeugt oder angezogen sind. Nach der Geburt dauert es einige Monate, bis die Gelenke sich strecken. Babys, die aus einer Beckenendlage geboren wurden, benötigen eventuell noch mehr Zeit für diese Streckung.

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk. Während der ersten Lebensmonate kann der Oberschenkelknochenkopf sich aus der Hüftgelenkspfanne lösen, weil Babys naturgemäß sehr beweglich sind und die Hüftgelenkspfanne noch zum Teil aus Knorpelgewebe besteht. Wenn die Hüftgelenke zu früh in eine gestreckte Position gezwungen werden, besteht daher die Gefahr, dass der Kopf des Oberschenkelknochens die Ränder der Gelenkpfanne verformt (Hüftdysplasie) oder sogar verlässt (Hüftluxation). Hüftdysplasie oder -luxation bei Babys schmerzt nicht, so dass sie unentdeckt bleiben kann, bis die Kinder das Laufen erlernen. Sie kann im Erwachsenenalter zu Arthritis führen.

Das Risiko einer Hüftdysplasie oder -luxation ist während der ersten Monate am größten. Im Alter von sechs Monaten haben die meisten Babys ihr Gewicht verdoppelt, die Hüftgelenke haben sich entwickelt und die Bänder sind stärker geworden. Das Kind ist daher nun weniger anfällig, eine Hüftdysplasie zu entwickeln.

Während der frühen Kindheit ist die ungesündeste Position für die Hüfte, wenn die Beine lang gestreckt werden, so dass sowohl die Hüftgelenke als auch die Knie gestreckt und die Beine nahe beieinander sind. Dies ist der fetalen Position im Mutterleib genau entgegengesetzt. Je länger diese Haltung beibehalten wird, desto größer ist das Risiko für die Hüften. Eine gesunde Hüftposition vermeidet Haltungen, die das Risiko einer Hüftdysplasie oder -luxation erhöhen. In der für die Hüften gesündesten Position sind die Hüftgelenke leicht gespreizt, die Oberschenkel unterstützt sowie Hüft- und Kniegelenke gebeugt.

Manche Tragehilfen für Babys oder auch anderes Zubehör beeinträchtigen eine gesunde Haltung der Hüfte. Dies können unter anderem Tragehilfen wie Slings, Tragetücher, Pouches, aber auch Autositze, Trainingsgeräte, Schaukeln, Babywippen und Gehfreis sowie geformte Babysitze sein. Diese Hilfsmittel können unbeabsichtigt die Hüftgelenke in eine ungesunde Position bringen, besonders wenn sie über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Jedes Gerät, das die Beine des Babys in eine ungesunde Position bringt, ist als mögliches Risiko für die Hüftentwicklung anzusehen. Ebenso ist es wichtig, die Größe des Babys abzuschätzen und alle Geräte und Tragehilfen der Größe des Babys anzupassen, so dass sich die Hüften während eines Transports in einer gesunden Haltung befinden. Eltern wird angeraten, sich über die allgemeine Sicherheit und die Risiken der Geräte, die sie nutzen wollen, zu informieren. Sollten Sie Zweifel haben, so wenden Sie sich vor der Kaufentscheidung an Ihren Kinderarzt/Ihre Kinderärztin.

Die nachfolgenden Zeichnungen zeigen typische Geräte, die eine gesunde Hüftposition ermöglichen, im Vergleich zu ungünstigen Hilfsmitteln:

 

Nicht empfohlen:

Abbildung: Enger Kindersitz, Beine gestreckt

    

 

Empfohlen:

Abbildung: Weiterer Kindersitz, die Beine sind leicht gespreizt

Enge Autositze verhindern eine Spreizung der Beine.
Weitere Kindersitze geben genug Raum für gespreizte Beine, die Hüftgelenke sind in einer besseren Position.

 

Nicht empfohlen:

Abbildung: Babytrage, Oberschenkel werden nicht unterstützt, die Beine des Babys hängen gerade herunter


 

Empfohlen:

Abbildung: Baby in einer Trage, die die Oberschenkel bis zu den Knien unterstützt. Die Beine sind leicht angehockt.

Der Oberschenkel wird nicht bis zum Kniegelenk unterstützt. Die daraus resultierenden Kräfte fördern eine Hüftdysplasie.
Der Oberschenkel wird bis zum Kniegelenk unterstützt. Die auf das Hüftgelenk einwirkenden Kräfte sind minimal, weil die Beine gespreizt und unterstützt sind, das Hüftgelenk befindet sich in einer stabileren Position.

 

Nicht empfohlen:

Abbildung: Baby im Tragetuch, Wiegehaltung, die Beine sind gestreckt


 

Empfohlen:

Abbildung: Baby im Tragetuch, aufrecht; die Beine sind leicht angehockt


Positionen, in denen die Beine zusammen gedrückt werden, können die Hüftdysplasie fördern.



Der Oberschenkel sollte unterstützt werden und den Beine eine gespreizte Position erlauben, um die Hüfte in eine stabile Postion zu bringen.

 

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des International Hipdysplasia Institute IHDI (Internationales Institut für Hüftdysplasie)

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