Tragehilfen - Was ist was?

Welche Anforderungen erfüllt eine gute Tragehilfe?

Es gibt viele Möglichkeiten, sein Kind ergonomisch zu tragen. Hier möchte ich einige vorstellen. Doch zunächst einmal allgemeine Kriterien, die eine gute Tragehilfe erfüllen sollte:

  • Der Anhock-Spreiz-Sitz ist möglich, d.h. dass die Kniekehlen im entspannten Zustand auf Höhe des Pos des Kindes sind.
  • Der Kopf kann gestützt werden (v.a. wenn das Kind eingeschlafen ist).
  • Der Rücken wird gut gestützt, d.h. gerade dort liegt die Trage möglichst eng an und übernimmt eine stützende Funktion. Das Kind darf dabei weder zur Seite wegkippen noch in sich zusammensacken!
  • Die Tragehilfe ist in der Weite mehrfach stufenlos verstellbar und weist auch in der Länge und im Kopfbereich genügend Spielraum für das wachsende Kind auf.
  • Das Material ist weder zu nachgiebig (grobmaschiges "Netz") noch zu steif (Synthetik). Vorsicht vor Einschneiden am Oberschenkel!
  • Der Schwerpunkt ist nah am Träger, das ist für den Rücken des Trägers am besten.
  • Der Tragekomfort für den Träger ist gewährleistet: Die Gurte und Riemen sind gut gepolstert und einfach zu bedienen.

Auf den folgenden Seiten werden verschiedene Tragehilfe vorgestellt:


Das gewebte Tragetuch ist der Klassiker unter den Tragehilfen. Es kann vom Neugeborenenalter bis zum Ende der Tragzeit mit 2, 3 oder 4 Jahren verwendet werden, da es eine Vielzahl von Bindetechniken gibt. Da nicht genäht ist, passt sich das Tuch immer der Größe von Kind und Träger an. Die erforderliche Länge hängt von der gewünschten Technik ab: Der klassische Hüftsitz kann schon mit einem 2,50 m langen Tuch gebunden werden, während man für die Wickelkreuztrage etwa 4,60 – 4,70 m braucht.
Allerdings erfordert das Binden des Tragetuches etwas Übung. Dazu benötigt man eine gute Anleitung oder eine Beratung – vielleicht hilft eine erfahrene Mutter aus dem Bekanntenkreis, es gibt aber auch Trageberaterinnen (z.B. unter www.trageschule-dresden.de => Beraterinnenliste).
Tragetücher unterschiedlicher Hersteller werden hier vorgestellt: Tragetuch-Test

tragetuch-ruecken

Tragetuch Didymos Modell Indio, Foto: Rabeneltern.org


Elastische Tragetücher sind oft vom Gewicht her begrenzt , sie können vorgebunden werden und sind sehr weich und anschmiegsam und daher zum Tragen kleiner Säuglinge und Frühgeborener besonders beliebt. Auch hier ist eine gute Technik wichtig. Die Anzahl verwendbarer Techniken ist hier geringer, da das Kind immer von drei Lagen Stoff gestützt sein muss.


Ringslings sind in letzter Zeit sehr beliebt geworden. Eine Stoffschärpe wird dabei von Hüfte zur gegenüberliegenden Schulter geführt, das eine Ende hat zwei große Ringe (aus Aluminium oder Nylon), durch die das andere Ende geführt und nach Einsetzen des Kindes festgezogen werden. Man kann damit auf der Hüfte, dem Rücken oder auch vor dem Bauch tragen. Die Hüftvariante ist wohl am beliebtesten. Ein Sling sieht sehr dekorativ aus, lässt sich in (fast) jeder Handtasche mitnehmen und ist besonders praktisch für kürzere Strecken. Ist man länger unterwegs, macht sich die asymmetrische Gewichtsverteilung beim Tragenden nachteilig bemerkbar.

didysling1

Sling Didymos Modell Elipsen rot
Foto mit freundlicher Genehmigung der Didymos Erika Hoffmann GmbH


Kangas kommen aus Afrika. Das sind rechteckige Stoffstücke aus dünnem Stoff, die auch als Wickelrock o.ä. genutzt werden. Traditionell trägt man damit auf dem Rücken, bei größeren Kindern verwendet man zwei Tücher, um einen besseren Halt zu gewährleisten. Im Gegensatz zu anderen Tragehilfen, verläuft hier keine Stoffbahn über den Schultern. Die obere Stoffkante wird unter den Achseln des Trägers nach vorne geführt und dort verdreht und eingeschlagen, die untere in Taillenhöhe.

kanga

Kanga, Foto mit freundlicher Genehmigung von www.babygerecht.de


Der Mei Tai ist eine traditionelle Tragehilfe aus Asien: Es handelt sich dabei um ein rechteckiges Stoffstück. Daran angenäht sind ein Hüftgurt, der verknotet wird, sowie zwei Schultergurte, die unter dem Po des Kindes verknotet werden. Man kann damit auf Rücken und Hüfte sowie vor dem Bauch tragen. Durch Abnäher am Po oder eine Kopfstütze lässt sich der Tragekomfort für das Kind erhöhen.

meitai

Mei Tai selbstgenäht, Foto: Rabeneltern.org

Ein Mei Tai lässt sich gut selbst nähen, besonders empfehlenswertes Material ist Tragetuchstoff. Ein Schnittmuster gibt es hier: Schnittmuster für eine Tragehilfe


Die Vorteile des Mei Tai und eines guten Rucksacks verbinden Komfortbabytragen (auf Englisch: Soft Structured Carriers, SSC). Der Hüftgurt und die Schultergurte sind gepolstert wie bei einem guten Wanderrucksack. Es wird nicht geknotet, sondern meist dienen Schnallen der Befestigung. Einige Hersteller nutzen auch Klettverschlüsse. Auch hier gibt es Modelle mit Po-Abnähern. Die Breite des Stegs und auch die Höhe des Rückenteiles variieren ebenso wie Design, Kopfstützen und Gurtlösungen. Viele Händler im RabenBranchenBuch bieten Testpakete an, denn welche Tragehilfe am besten passt, lässt sich nur individuell entscheiden. Das hängt sowohl von der Größe des Kindes als auch den Proportionen der tragenden Person ab. Mit Komfortbabytragen ist vor allen Dingen das Tragen auf dem Rücken sehr bequem (über Stunden!) und auch für Ungeübte einfacher als mit einem Tragetuch.

manduca

manduca-ruecken

Manduca, Fotos mit freundlicher Genehmigung von www.babygerecht.de


 Schon länger auf dem Markt sind Kraxen. Hierbei handelt es sich um Metallgestelle, die man auf dem Rücken trägt. Darin ist dann eine Vorrichtung zum Tragen des Kindes befestigt. Diese sind erst verwendbar, wenn das Baby sicher alleine sitzen kann, da darin Rücken und Kopf nicht so gut gestützt sind. Zudem sollte man auf Fußstützen achten, denn nur so ist gewährleistet, dass die Beine nicht herunterhängen. Über einen ausreichend breiten Steg verfügen sie in aller Regel nicht. Kraxen sind wegen des Gestelles recht sperrig und daher kaum im Haus zu nutzen. Meist haben sie unter dem Po des Kindes noch eine Tasche für Wickelsachen und Proviant. Der Schwerpunkt ist etwas ungünstiger, da das Gewicht relativ weit vom Träger entfernt ist. Außerdem muss man gerade im Winter sehr auf eine warme Kleidung des Kindes achten. Ein weiterer Nachteil ist das relativ hohe Eigengewicht. Outdoor-Läden bieten oft unterschiedliche Modelle zum Testen an.

deuter-kraxe

Unterwegs mit der Kraxe "Deuter Kid Komfort III", Foto: T. Schubert

Weitere Informationen