Sternenkinder

Ein Baby stirbt unerwartet kurz vor der Geburt im Bauch der Mutter. Oder ist nicht lebensfähig und stirbt kurz nach der Geburt. Es gibt kaum ein schlimmeres Trauma und doch haben wir keine gesellschaftlichen Traditionen, um den „Sterneneltern“ in dieser Situation beizustehen. Dabei könnte es eine schöne Geburt sein und ein heilsamer Umgang mit Erinnerung.

Die Bettwäsche im Gitterbett ist überzogen, die Kuschelhasen auf dem Wickeltisch drapiert. Sie kann es kaum erwarten, ihr Baby endlich im Arm zu halten. Sie zieht an der Schnur des Mobiles über dem Bettchen, hört die Einschlafmelodie so gerne. Und der Zwerg im Bauch kann ja schon mithören. Es gefällt ihm, er tanzt mit. Morgens rollt sie sich früher als gewohnt aus dem Bett, der letzte Ultraschall vor dem Geburtstermin steht an. Sie sitzt im Wartezimmer, streichelt über ihren Bauch und lächelt. Zwerglein schläft heute länger, denkt sie. Gut so, er soll Kräfte sammeln für den großen Tag. Die Frauenärztin verteilt das kalte Gel über ihrem dicken Bauch, Dehnungsstreifen überall. Aber das ist es wert, denkt sie. Die Ärztin fixiert den Monitor, sie sagt nichts. Sie legt den Ultraschallkopf zur Seite. „Es tut mir so leid, aber ich kann keinen Herzschlag mehr erkennen.“ Zellensterben. Alles verschwimmt, sie kann nicht atmen, sich nicht bewegen. Schauen Sie nochmal nach. Nichts. „Ihr Baby ist gestorben. Das kommt manchmal vor, selbst so spät noch.“ Die Ärztin erzählt von Wahrscheinlichkeiten, von „Laune der Natur“, Geburt einleiten, Krankenhaus, Vergiftung. Sie kann sich nicht auf ihre Worte konzentrieren. Mein Baby ist tot.

Weitere Informationen