Ausschabung oder kleine Geburt?

Häufig verordnen Frauenärztinnen und -ärzte bei einer mit Blutungen beginnenden Fehlgeburt, vor allem aber nach der Diagnose einer "missed abortion", also wenn der Embryo unbemerkt abgestorben ist, eine Ausschabung. Zumeist wird dabei in einer ambulanten Operation unter Narkose das Gewebe abgesaugt und danach noch eventuelle Reste kürettiert - oder umgekehrt, zuerst kürettiert und der Rest dann noch abgesaugt.
Damit ist die Schwangerschaft dann sofort beendet, ohne dass die Betroffene noch länger einen leblosen Embryo in sich trägt. Wenn die Operation gut gemacht ist, ist damit auch die Gefahr von eventuell in der Gebärmutter verbleibenden Geweberesten ausgeschlossen, auch ein großer Blutverlust kann zumeist vermieden werden.

Dennoch hat diese Praxis der schnellen Ausschabung nach der Diagnose auch gravierende Nachteile: Häufig geschieht sie zu schnell, so dass kein richtiger Abschied vom Kind und allen mit der Schwangerschaft verbundenen Plänen und Erwartungen möglich ist. Wenn die Schwangerschaft so abrupt beendet wird, sind Körper und Seele noch darauf eingestellt, schwanger zu sein - damit wird die psychische Verarbeitung der Fehlgeburt häufig erschwert. Wenn die Operation nicht sehr sorgfältig durchgeführt wurde, ist möglicherweise auch eine zweite Ausschabung nötig, zudem ist die Gefahr einer Entzündung nach einer Ausschabung erhöht und können Vernarbungen an der Gebärmutterwand eine nächste Geburt beeinträchtigen, denn sie können zu Verwachsungen der Plazenta mit der Gebärmutterwand führen. Wenn dieser Fall eintritt, ist das Risiko deutlich erhöht, dass die Plazenta sich nur unvollständig löst, was starke Blutungen nach sich ziehen kann. Je nach Befund kann dieses Risiko ein Ausschlussgrund für eine Hausgeburt sein.

Seltener weisen Frauenärztinnen und -ärzte ihre Patientinnen darauf hin, dass sie die Geburt ihres Embryos auch abwarten können. Eine sogenannte "kleine Geburt" kommt häufig erst nach einigen Tagen oder sogar Wochen in Gang, sie geht zumeist mit Wehenschmerzen einher, wobei das Abstoßen der Schleimhaut und der Schwangerschaftsanlage mit einer relativ starke Blutung verbunden ist. Durch die Wartezeit und die Geburtsschmerzen ist die kleine Geburt vermeintlich psychisch anstrengender, sorgt jedoch vielfach auch für eine bessere Verarbeitung des Geschehens und eine schnellere Heilung, auch ein Abschied vom Embryo ist eher möglich.

Es kann auch bei einer kleinen Geburt zu Komplikationen kommen, etwa in Form einer sehr starken Blutung oder sehr starken Schmerzen, die in circa 6% der Fälle eine Notkürretage notwendig macht. Wichtig ist, dass Du bei sehr starken Blutungen sofort ins KH fährt, ebenso wenn du Fieber bekommst oder ein schlechtes Gefühl hast. In der Zeit der kleinen Geburt solltest Du auch nicht unbedingt lange alleine bleiben, denn Blutungen können auch sehr plötzlich und sehr stark auftreten. Das Risiko solcher Komplikationen steigt, soweit bekannt ist, mit dem Alter der Schwangerschaft.
Nach einer kleinen Geburt sollte über Ultraschall oder über mehrere Untersuchungen des HcG-Gehalts im Blut sichergestellt werden, dass keine Gewebereste in der Gebärmutter verblieben sind und der Zyklus sich wieder normalisiert, denn verbliebene Schwangerschaftsreste in der Gebärmutter können zu Infektionen und starken Blutungen führen.

Auf jeden Fall ist empfehlenswert, nach der Diagnose einer verhaltenen Fehlgeburt erst abzuwarten, die Diagnose, falls Du nur den geringsten Zweifel daran hast, nochmals bestätigen zu lassen, und Abschied zu nehmen. Vielleicht gestaltest du ein kleines Abschieds-Ritual: du kannst einen Brief an das Sternchen schreiben oder ein Bild malen. Du kannst Blüten und eine Kerze in einem geeigneten "Boot" auf ein Gewässer in der Nähe setzen und fortschwimmen lassen. Du kannst dir ein ganz anderes Ritual ausdenken... Es eilt nicht, ein abgestorbener Embryo vergiftet die Mutter nicht.

Wenn Du bereit bist, Dein Baby gehen zu lassen, kannst Du versuchen, mit Mitteln wie Hirtentäscheltee die Geburt sanft anzustupsen, oder in einer Klinik die Geburt medikamentös einleiten zu lassen, oder auch eine Ausschabung vornehmen lassen, je nachdem, was für Dich das beste ist. In jedem Fall kannst Du auch für ein frühes Ende der Schwangerschaft Hebammenhilfe in Anspruch nehmen!

Wenn es die erste Schwangerschaft war, sollten Frauen mit Rhesusfaktor negativ und einem Partner mit Rhesusfaktor positiv unmittelbar nach dem Abgang eine Prophylaxe bekommen, um Komplikationen bei späteren Schwangerschaften zu vermeiden.

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