Rechtliches

Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn ein Embryo in einem frühen Stadium der Schwangerschaft oder ein Fötus von weniger als 500 g abstirbt. Im Mutterleib gestorbene Feten über 500 g gelten als Totgeburt. Kinder, bei denen nach der Geburt Lebenszeichen erkennbar waren, gelten als Lebendgeburt, auch wenn sie nicht lebensfähig waren und nach der Geburt verstarben.

Rechtlich maßgeblich hierfür ist das Personenstandsgesetz (PStG 2013). Im Januar 2013 wurde dieses Gesetz geändert, die Gesetzesänderung trat am 15.5.2013 in Kraft. Nun können auch totgeborene Kinder, die als Fehlgeburten gelten, beim Standesamt eingetragen werden. Die Eintragung ist auch noch möglich, wenn die Geburt des toten Kindes bereits stattfand, bevor dieses Gesetz galt. Der entsprechende Paragraph lautet nun vollständig:

§ 31 Lebendgeburt, Totgeburt, Fehlgeburt

(1) Eine Lebendgeburt liegt vor, wenn bei einem Kind nach der Scheidung vom Mutterleib entweder das Herz geschlagen oder die Nabelschnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat.
(2) Hat sich keines der in Absatz 1 genannten Merkmale des Lebens gezeigt, beträgt das Gewicht der Leibesfrucht jedoch mindestens 500 Gramm, gilt sie im Sinne des § 21 Abs. 2 des Gesetzes als ein tot geborenes Kind.
(3) Hat sich keines der in Absatz 1 genannten Merkmale des Lebens gezeigt und beträgt das Gewicht der Leibesfrucht weniger als 500 Gramm, handelt es sich um eine Fehlgeburt. Sie wird in den Personenstandsregistern nicht beurkundet. Eine Fehlgeburt kann von einer Person, der bei Lebendgeburt die Personensorge zugestanden hätte, dem Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich die Fehlgeburt erfolgte, angezeigt werden; § 33 gilt entsprechend. In diesem Fall erteilt das Standesamt dem Anzeigenden auf Wunsch eine Bescheinigung mit einem Formular nach dem Muster der Anlage 13.“
(4) Eine Fehlgeburt ist abweichend von Absatz 3 als ein tot geborenes Kind zu beurkunden, wenn sie Teil einer Mehrlingsgeburt ist, bei der mindestens ein Kind nach Absatz 1 oder 2 zu beurkunden ist; § 21 Abs. 2 des Gesetzes gilt entsprechend.


Bei der Anwendung des Mutterschutzgesetzes werden diese Definitionen zugrundegelegt:

Ist ein totgeborenes Kind leichter als 500 g, gilt das Ende der Schwangerschaft rechtlich als Fehlgeburt, damit steht der Frau keine Schutzfrist zu, auch die anderen Ansprüche aus dem Mutterschutzgesetz erlöschen. Wenn Du nach einer Fehlgeburt nicht arbeitsfähig bist, benötigst Du also eine Krankschreibung.

Wird ein Kind zu früh geboren, greift mit §6 des Mutterschutzgesetzes die Schutzfrist von 12 Wochen nach einer Entbindung vor der 37. Schwangerschaftswoche, sie verlängert sich um die Zeit des Mutterschutzes vor der Geburt, die nicht in Anspruch genommen werden konnte, und kann also bis zu 18 Wochen betragen.

Die Schutzfristen kommen auch zur Anwendung, wenn das Kind vor oder nach der Geburt verstirbt, im Falle eines tot geborenen Kindes aber nur dann, wenn es mehr als 500 g gewogen hat. Sie gelten dann aber nicht absolut, sondern auf Wunsch der Mutter darf sie zwei Wochen nach der Entbindung wieder beschäftigt werden, wenn sie nach ärztlichem Attest dazu in der Lage ist.

In der Schweiz gilt ein intrauterin verstorbenes Kind nicht mehr als Fehlgeburt, wenn es mindestens 500 g wog oder wenn die 22. Schwangerschaftswoche vollendet wurde. Für Fehlgeburten müssen Frauen die Behandlungskosten anteilig mittragen, da diese als „Krankheitskosten“ und nicht als „Entbindungskosten“ eingestuft werden.

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