Zufüttern von künstlicher Säuglingsnahrung

Es gibt Gründe dafür, dass eine Frau tatsächlich nicht voll stillen kann. 98% aller Frauen können es, 2% allerdings nicht! Viele Frauen werden von Hebammen, Ärzten, Säuglingsschwestern und vom privaten Umfeld schlecht beraten, so dass ihnen das Stillen (fast) unmöglich ist.  Nicht zuletzt gibt es selbstverständlich auch Frauen, die sich - aus welchem Grund auch immer - dagegen entscheiden, ihr Kind zu stillen. In diesem Beitrag  geht es deshalb um die zweitbeste Variante, ein Baby zu ernähren.

Ich muss zufüttern!!

Es ist nicht so leicht, ein Baby auf Dauer zuzufüttern, ohne es gleichzeitig völlig abzustillen. Deshalb sollte der Schritt des Zufütterns sorgfältig überlegt sein. Oftmals raten Ärzte und Hebammen unbegründet und voreilig zum Zufüttern künstlicher Säuglingsmilch, weil sie sich auf der "sicheren Seite" wissen wollen. Es fehlt einfach die Zeit und leider oftmals auch Interesse und Wissen das "Stillmanagement" gemeinsam mit der Frau sorgfältig zu überprüfen, wenn das Baby z.B. zu wenig zunimmt. Der erste Weg noch vor dem Einkauf der Babynahrung sollte eine Mutter deshalb ans Telefon führen, um mit einer Stillberaterin die Situation zu besprechen. Oftmals genügt es, das Baby häufiger und effektiver zu stillen oder die Mutter kann Tipps bekommen, ihre Muttermilch zusätzlich abzupumpen und dem Baby zu geben. Nicht selten geschieht es, dass Ärzte irren - und es überhaupt keinen Grund für ein Zufüttern gibt! Aber auch wenn ein Zufüttern künstlicher Milchnahrung sein muss, bekommt die Mutter bei einer Stillberaterin wertvolle Tipps.

Muss es die Flasche sein??

Definitiv: Nein, muss es nicht! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Baby - selbst ein Neugeborenes, ja selbst ein Frühchen - ohne den Einsatz eines künstlichen Saugers zuzufüttern und damit die Gefahr der Saugverwirrung und Brustverweigerung zu umgehen. In Frage kommt dabei ein Teelöffel, eine kleine Spritze oder Pipette, der sogenannte "Fingerfeeder" oder der Medela "Softcup" (ein spezieller Becher zum Zufüttern von Stillkindern). Besonders bewährt hat sich die "Becherfütterung", bei der das Baby seine Milch aus einem kleinen, möglichst biegsamen Becherchen trinkt. Dafür gibt es für ein paar Cents in der Apotheke spezielle "Säuglingsfütterbecher" der Firma Medela. Ein Verschlussdeckel einer Babyflasche, ein Schnapsglas oder ein Eierbecher erfüllen auch diesen Zweck.

Muss voraussichtlich wegen Milchmangels länger zugefüttert werden, lohnt sich oftmals die Verwendung des Brusternährungssets (BES); zu beziehen z.B. über die LaLecheLiga: Die Mutter hängt sich dabei eine Flasche um den Hals. Zwei kleine Schläuche werden an den Brustwarzen der Mutter fixiert - das Baby wird beim Saugen an der Brust zugefüttert. Das BES ist in der Handhabung zunächst etwas ungewohnt. Die Mutter sollte deshalb eine Stillberaterin als Ansprechpartnerin haben.

Wie füttere ich zu??

Das Baby sollte zunächst an beiden Seiten gestillt werden, möglichst an beiden Seiten mehrfach! So wird die Milchbildung der Mutter, die sich sonst durch die zugefütterte Milch natürlich reduziert, angeregt. Außerdem erhält das Baby so möglichst viel Muttermilch.

Nach dem Stillen wird die zusätzliche Nahrung gegeben. Es sollte nach jeder Mahlzeit wenig zugefüttert werden, statt abwechselnd Brust und Flasche zu geben. Durch die lange Stillpause reduziert sich die Milchmenge. Zunächst "sammelt" sich Muttermilch in den Milchseen hinter dem Warzenvorhof, das vergrößert die Gefahr, dass das Baby saugfaul wird. Sobald sich diese Milchseen nach dem Einpendeln der Milchmenge nicht mehr füllen, wird es mit Frust reagieren, da es plötzlich aktiv saugen muss, um die Milch fließen zu lassen. Wird häufig ein wenig, statt selten viel zugefüttert, lässt sich die zugefütterte Menge auch später leichter wieder senken und einstellen.