Fehlgeburt mit Ausschabung

Ich war im ersten Anlauf schwanger geworden, es war meine erste Schwangerschaft. In der 7. SSW war ich bei der Frauenärztin. Man sah schon eine Fruchthöhle und einen Embryo. Beim Herzschlag war sie sich nicht ganz sicher, also bekam ich einen weiteren Termin zwei Wochen später. Bei diesem Termin war alles super, Baby gewachsen und bewegte sich ein wenig, Herz schlug, alles in Ordnung. Nächster Termin in vier Wochen. Nach zwei Wochen bekam ich so ein komisches Ziehen Höhe des Bauchnabels. Ich bin dann sicherheitshalber nochmal zum Arzt gegangen. Es war nur die Vertretungsärztin anwesend, die aber auch lieber nochmal schallte. Und meinte dann, "Oh, Sie haben da ein Myom, wussten Sie das?" Nein, wusste ich nicht. "Das kann schon mal Schmerzen verursachen, nehmen Sie ruhig Schmerzmittel, das schadet nicht. Das Baby ist aber gut gewachsen, 22 mm hat es jetzt, 9 mm hatten Sie letztes Mal." Ich dachte nur, beim letzten Mal hat sie doch was von 20 mm gesagt, aber ich wusste es nicht mehr genau und bin erstmal halbwegs beruhigt nach Hause. Dort habe ich dann das Internet durchwühlt nach Myomen, erfuhr, dass sie wirklich sehr schmerzhaft sein können, aber nicht unbedingt schaden müssen. Auf Schmerzmittel habe ich verzichtet, so schlimm war der Schmerz nicht. Mit mehr oder weniger Stechen Höhe des Bauchnabels vergingen die nächsten zwei Wochen. Ich war frohen Mutes, die magische 12. SSW war um, mir war nicht mehr schlecht und ich fühlte mich wohl, das Stechen ließ nach.

Beim nächsten Termin nahm ich meinen Mann mit, damit er auch mal was sieht. Als die Frauenärztin das Ultraschallgerät ansetzte, ahnte ich schon das Elend. Das Baby war noch genauso groß wie beim letzten Mal. Die Frauenärztin guckte von allen Seiten und sagte dann sehr mitfühlend, dass sie leider kein Herz mehr schlagen sieht. Etwas gewachsen sei es noch, 24 mm. Aber es lebte nicht mehr.

Ich habe nur gedacht, "Scheiße, nun ist es uns doch auch passiert". Zum Glück war mein Mann bei mir. Weinen konnte ich nicht, der Schock saß zu tief. Die Frauenärztin erklärte mir dann noch, dass ich ins Krankenhaus müsse zur Ausschabung. "Sonst bekommen Sie Schmerzen und starke Blutungen." Die Arzthelferin fragte, ob ich selbst im Krankenhaus anrufen möchte oder ob sie das tun soll. Ich habe sie anrufen lassen. Danach sind wir nach Hause gefahren und ich habe meine Tasche gepackt. Dann sind wir ins Krankenhaus. Über einige Umwege kam ich dort zur Untersuchung auf die gynäkologische Station. Die Frauenärztin dort war ebenfalls sehr mitfühlend, hat auch nochmal geguckt und das Untersuchungsergebnis meiner Frauenärztin bestätigt. Nach einigem Hin und Her hat sie beschlossen, da ich ja keine Blutungen hatte, dass sie die Ausschabung auch ambulant vornehmen kann. Auf meine vorsichtige Frage, ob das denn weh tut, sagte sie "Nein, Sie bekommen eine Vollnarkose". Irgendwie war ich dann doch ganz beruhigt. Ich hätte nicht mitbekommen wollen, wie das tote Kind aus mir herausgeholt wird. Sie sagte mir noch, dass sie das zwar routinemäßig einschicken, aber dabei meist keine Ursache gefunden wird. Außerdem erwähnte sie, dass es bei der OP vorkommen kann, dass sie versehentlich durch das weiche Gewebe in den Bauchraum durchstechen. Dabei passiere zwar meistens nichts, weil sich die Gebärmutter ja wieder zusammenzieht. Trotzdem müssten sie dann eine Bauchspiegelung machen um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist.

Als Nächstes musste ich zum Anästhesisten, noch diverse Formulare ausfüllen und durfte dann erstmal nach Hause, wo wir irgendwann am späten Nachmittag wieder ankamen. Wie ich den Abend und die Nacht verbracht habe, weiß ich nicht mehr genau.

Morgens hat mich mein Mann, der zum Glück Urlaub hatte, wieder ins Krankenhaus gebracht. Dort bekam ich so ein tolles OP-Hemd und Thrombosestrümpfe zum Anziehen und musste mit den anderen ambulanten OP-Anwärtern warten. Irgendwann bat mich die Schwester leise zur Seite und gab mir eine Vaginaltablette, die ich einführen sollte. Ich vermute, die war dazu da, den Muttermund weich zu machen. Sie sagte noch, es könne sein, dass ich Bauchschmerzen bekomme, dann solle ich bitte Bescheid sagen. Bei mir stellte sich aber nur ein leichtes Ziehen ein, so wie leichter Menstruationsschmerz. Blutungen hatte ich keine. Ich bekam noch eine weitere Tablette zum Schlucken, vermutlich ein Beruhigungsmittel. Jedenfalls wurde ich ziemlich müde und bin glaube ich sogar noch eine halbe Stunde eingeschlafen. Nach und nach wurden alle anderen Patienten abgeholt, nur ich musste immer noch warten. So gegen 10 Uhr war ich dann auch dran. Über mehrere Ebenen wurde ich in den OP gefahren, der sich in meiner Erinnerung irgendwo im Innersten des Krankenhauses befand, ohne jegliche Fenster. Ich habe immer nur gehofft, dass sie mich nicht verwechseln und mir nachher sonstwas fehlt. Das Ganze hatte sehr etwas von Massenabfertigung. Einen Moment lang wurde ich in einem OP abgestellt und mir wurde gesagt, es gehe gleich weiter, mein OP sei noch nicht frei. In diesem letzten Moment der Ruhe habe ich mich von meinem Kind verabschiedet.

Kurz darauf ging es auch schon weiter. Meine Anästhesistin stellte sich vor, sagte mir, sie passe gut auf mich auf und dann begannen sie auch schon, mir das Narkosemittel einzuleiten. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ist "Ihnen wird jetzt etwas schwummerig". Als Nächstes weiß ich wieder, dass ich im Aufwachraum von der Schwester begrüßt wurde, sie mir sagte, "schlafen Sie ruhig noch etwas" und ich wieder in den Warteraum geschoben wurde. Ich blieb aber wach (es war so ca. 12 Uhr) und musste auf's Klo. Die Schwester meinte "bevor Sie aufstehen, müssen Sie erst was essen. Aber ich bringe Ihnen gerne eine Pfanne." Ich habe dann beschlossen, abzuwarten, habe eine halbe Stunde später anstandshalber ein halbes Brötchen gegessen und durfte dann auf's Klo. Ich hatte eine Einlage und eine Netzunterhose an, die Einlage war sehr blutig. Schmerzen hatte ich nicht, nur so ein Gefühl der Leere. Ich wusste, die Schwangerschaft ist jetzt vorbei.

Ich musste dann noch warten, bis die Ärztin kam um mit mir die OP zu besprechen. Sie kam erst so gegen 15 Uhr und sagte mir, die OP sei gut verlaufen. Daraus schloss ich dann, dass sie nicht durchgestochen hatten und dass alles in Ordnung war. Ich habe dann meinen Mann angerufen, damit er mich abholt. Den Rest des Tages habe ich ruhig verbracht.

Die Blutungen waren menstruationsstark und hielten etwa zwei Wochen an, wobei in der zweiten Woche nur noch abends etwas mehr kam. Tagsüber reichte eigentlich eine Slipeinlage aus, genervt hat mich, dass ich nie sicher sein konnte, wieviel nun noch kommt. Bei der Nachuntersuchung war alles in Ordnung, keine Reste mehr vorhanden. Meine Menstruation kam am 31. Tag nach der Ausschabung, also ein etwas verlängerter Zyklus, der allerdings bereits wieder einen Eisprung enthielt.

In der Woche nach der Ausschabung bekam ich dann auch etliche Heulkrämpfe. Insgesamt hat es ca. 3 Monate gedauert, bis ich einigermaßen drüber weg war. In diesen 3 Monaten hatte ich auch noch keine Lust, wieder schwanger zu werden. Außerdem meinte meine Frauenärztin, es sei besser, das Myom zu entfernen und schickte mich nochmal in eine Klinik, die auf sowas spezialisiert ist. Der Arzt dort befand allerdings, dass das Myom eigentlich keine Ursache für die Fehlgeburt gewesen sein konnte und meinte, er würde es nochmal mit Myom versuchen. Das Teil sitzt in der Hinterwand und ist nicht so leicht zu entfernen. Ambulant geht das schonmal gar nicht. Und da ich überhaupt keine Lust auf eine OP hatte und das Myom ansonsten total unauffällig ist, habe ich beschlossen, dass es erstmal bleibt wo es ist.

Nach 3 weiteren Monaten "üben" war ich dann wieder schwanger und hatte eine komplikationslose Schwangerschaft. Mein Sohn ist jetzt 9 Monate alt und gesund und munter. Allerdings konnte ich die Schwangerschaft erst einigermaßen genießen, nachdem ich Kindsbewegungen gespürt habe. Vorher hatte ich immer Sorgen, ob das Kind noch lebt. Noch beruhigter war ich, als ich die 24. SSW erreicht hatte und das Kind somit lebensfähig war. Jede weitere Woche ließ mich mehr Zutrauen gewinnen. Mit Beginn des Mutterschutzes war ich dann auch endlich wirklich überzeugt, dass ich ein gesundes Kind bekommen würde. Mein Kleiner hat es auch tatsächlich bis ET-3 in mir ausgehalten. Und nach einem halben Jahr Vollstillen sind nun auch die letzten Zweifel, ob mein Körper in der Lage ist, ein Kind zu ernähren, beseitigt.

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