Unsere Beikostgeschichte

„Nein, tut es nicht!“ Das war mein verzweifelter Aufschrei, als Vater und Oma sich gegen mich verschworen hatten und sich daran machten, die ersten Löffelchen zerdrückter Banane in den Mund meines Babys zu platzieren. Die magische Grenze war doch noch nicht erreicht! Sollten womöglich 5 ½ Monate Liebesmüh vergeblich gewesen sein?! Der Kampf gegen die Säuglingsschwestern auf der Wöchnerinnen-Station, die immer drohend mit der Glukose-Lösung wedelten? Die ersten Nächte mit dem Neugeborenen, abwechselnd im Stillzimmer neben den anderen pumpenden, schwitzenden, verzweifelten, ganz selten auch mal gelassenen Müttern sitzend oder aber – um die Zimmernachbarinnen nicht zu stören – auf dem Gang hin- und herwandernd, weil dieses kleine Wesen einfach nicht begreifen wollte, wie das mit dem Stillen funktioniert (und ich auch nicht) ? Das Gematsche mit den Quarkwickeln beim Milcheinschuss, als ich mir vorkam, wie Dolly Buster nach ihrer x-ten Brust-OP? Die mühsamen Einträge in das meiner Natur zuwiderlaufende Stilltagebuch: „9:24 – 9:36 linke Brust, 9:36 – 9:48 rechte Brust. Heute gut gezogen. Wieder kein Bäuerchen!“, das ich immerhin 3 Wochen lang führte? Die nächsten 5 Monate, in denen ich phasenweise fast in meinem Stillsessel festgewachsen war?

Erhob da nicht schon die erste Allergie ihr drohendes Haupt?! Und es war nicht einmal Bio-Banane! Dabei weiß doch jede besorgte Mutter, wie diese Bananen aus konventionellem Anbau belastet sind mit …

Das war meine erste Erfahrung mit Beikost. Etwa zwei Wochen später dann die heilige Zeremonie: Der erste Möhrenbrei, selbstredend eigenhändig gekocht aus Bio-Möhren, verabreicht vom Vater, der Teppich abgedeckt wegen der Flecken, das Baby in ein Ganzkörperlätzchen verpackt, das Ganze auf Video für die Nachwelt festgehalten von der Mutter. Der einzige, der unbeeindruckt blieb, war die Hauptperson. Gut, Gabriel hat davon gekostet, aber gelohnt hat sich der ganze  Aufwand eigentlich nicht - vor allem der seelische. Das Bio-Fleisch, gekocht und in Eiswürfelbehältern eingefroren, das Vakuum-Schweißgerät, teuer gekauft und dreimal benutzt, all die gesunden Breichen mit Zutaten aus der Bio-Kiste, liebevoll zubereitet und zumeist von mir selbst aufgegessen (wäre ja schade drum gewesen!). Immerhin habe ich Gemüsesorten kennen gelernt, die mir vorher absolut kein Begriff gewesen sind. Pastinaken? Topinambur? Nie gehört ;o) Aber echt lecker!

Am liebsten mochte ich eigentlich die gekauften Obstbrei-Gläschen. Fruchtallerlei, mmh. Oder Apfelbrei mit Heidelbeersaft! Ich weiß noch sehr gut, wie die schmecken, weil ich ja einen beträchtlichen Teil davon selbst verputzen musste! Schließlich durften die Gläschen angebrochen nicht länger als 2 Tage aufbewahrt werden und zum Wegschmeissen sind diese Demeter-Breie echt zu teuer!

Ein ganz wichtiger Bestandteil der Beikost im zweiten Lebenshalbjahr waren natürlich Reiswaffeln und Dinkelstangen mit Honig. Moment mal: Dinkelstangen?! Honig?! Sind Getreide und Honig nicht tabu für Babys vor dem ersten Geburtstag? Zum Glück konnte mich die Online-Beraterin beruhigen: Botulismus-Bakterien werden durch das Erhitzen beim Backen abgetötet. Puhhh!

Also wirklich: So schwer hatte ich mir diese Beikostgeschichte während der Schwangerschaft nicht vorgestellt. Vor allen Dingen wollte das Ersetzen der Stillmahlzeiten durch Beikost-Mahlzeiten nicht so recht klappen. Gabriel wollte gerne direkt vor oder auch nach dem Füttern noch ein paar Schlückchen gute Muttermilch – und ich Flasche schaffte es nicht, sie ihm zu verweigern! Hätte ich schon damals darüber nachgedacht, warum es „Bei“-Kost und nicht „Anstatt“-Kost heißt, hätte ich mir so manche Gewissensnot sparen können… Dass Muttermilch sogar hilft, die Nährstoffe aus der gefütterten Nahrung besser zu resorbieren, habe ich damals schon gar nicht gewusst.

Zum Glück hatte ich ja noch einen zweiten Versuch frei. Diesmal habe ich ganz gelassen abgewartet, bis das Kind die Bereitschaft für Beikost gezeigt hat. Eilig hatte ich es gewiss nicht mehr: Mir war inzwischen klar, wie bequem der Alltag für die Mutter ist, solange sie voll stillt! Und Bequemlichkeit war mir schon immer ziemlich wichtig *g*. Mit etwas über 7 Monaten hat Ivo dann sein erstes Löffelchen Beikost zu sich genommen. Soll ich ehrlich sein? Ich habe vergessen, was es war! Möhre? Pastinake? Kürbis? Oder doch Banane? Keine Ahnung! Diesmal bin ich die Sache gelassen angegangen. Nur eines irritiert mich bis heute (er ist jetzt zwei Jahre alt): Er weigert sich, Gemüse in anderer Form als feinst püriert zu sich zu nehmen. Von wegen Fingerfood! Kekse, Banane, Zwieback, Brötchen – ja! Aber wehe, ich stecke ihm eine Erbse in den Mund oder habe die Gemüsesuppe nicht gründlich genug püriert! Ist das nicht noch ein Petersilienfitzelchen? Igitt, schnell raus damit!

Naja, wenn frau sonst keine Probleme hat…

Fazit: Gründlich über Beikost informieren ja, aber dabei cool bleiben und den Humor nicht verlieren. Ok, ok, ich weiß: Beim zweiten geht’s leichter!



Weitere Informationen