Selber anziehen und andere Morgenroutinen

Wie ungemütlich, wenn der Tag morgens damit beginnt, dass Eltern und Kind genervt sind, weil der Nachwuchs sich nicht anziehen will und überhaupt am Morgen nicht in die Gänge kommt. Was hilft?

Erst einmal: Auch mit drei, vier, sechs Jahren ist ein Kind noch klein. Man übersieht das leicht, vor allem, wenn noch kleinere Geschwister da sind. Aber es ist völlig in Ordnung, auch kleinen Schulkindern noch morgens beim Anziehen zu helfen.

IMG 0398Ein Ansporn, der oft verblüfffend gut wirkt, können Kleiderstraßen oder Kleidermännchen sein. Dabei legt man die Kleidung entweder in der Reihenfolge des Anziehens vom Bett ausgehend als Weg auf den Boden - der kann dann zum Beispiel zum Frühstückstisch führen. Oder man legt ein Kleiderkind auf den Boden, wobei auch die zuerst anzuziehenden Kleidungsstücke zuoberst liegen. Das Kleiderkind eignet sich auch gut, um schon am Abend herauszusuchen, was das Kind am nächsten Morgen anziehen wird. Das ist viel günstiger als morgens zwischen Schulbroten, zu putzenden Zähnen und dem Zettel für den Waldausflug, der noch unterschrieben werden muss, eine Diskussion über den vor Dreck stehenden Lieblingspulli aus dem Schmutzwäschekorb zu führen.

Manche Kinder sind wesentlich flotter, wenn sie vor dem Aufstehen schon etwas in den Magen bekommen - ein Becher warme Milch oder ein Stück Marmeladenbrot können den Morgen deutlich entspannter aussehen lassen. Es lohnt sich, das auszuprobieren! Und letztlich gewinnt man damit viel mehr Zeit, als man für dieses kleine Extra braucht.

Kindern, die sich im Großen und Ganzen alleine zurecht machen, kann eine Uhr helfen, auf der die zu erledigenden Aufgaben mit Zeitangabe aufgemalt sind, oder zumindest die Orientierung an immer gleichen Abläufen. Aber auch Kinder, die eigentlich wissen, was zu tun ist, können enorm ins Trödeln geraten, denn Kinder haben ein anderes Zeitempfinden als Erwachsene. Sie wollen ihre Eltern nicht ärgern, wenn sie, statt sich zügig zurecht zu machen, ein 150-Teile-Puzzle anfangen, sondern sie setzen andere Prioritäten. Da Antreiben und Schimpfen zwar kurzfristige Besserung, aber nicht unbedingt auch einen langfristigen Lernerfolg bringen, ist es für viele Familien entspannter, auf nähere Begleitung und früheres oder späteres Aufstehen zu setzen - manche Kinder brauchen morgens mehr Zeit und gemütliches Wachkuscheln; für andere ist mehr Zeit genau falsch, sondern sie brauchen direkte Abläufe, die wenig Ablenkung zulassen, und möglichst spätes Aufstehen.  Es wird sich auswachsen: Irgendwann sind die auch die längsten Morgenkämpfe Vergangenheit und das Kind ist für sein eigenes Zeitmanagement verantwortlich.

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