DeGrandpre, Richard: Die Ritalin-Gesellschaft

Beltz; Auflage: 2., unveränd. Aufl. (August 2002)
ISBN-10: 3407857969
ISBN-13: 978-3407857965
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Bewertung: 5 von 5 Raben

Richard de Grandpre ist nicht nur Psychologe, sondern auch Pharmakologe. Aus diesen zwei Richtungen geht er auch auf die Thematik AD(H)S und Ritalin ein.

Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt. Im ersten Kapitel geht er auf die zunehmende Beschleunigung unserer Gesellschaft ein, die er auch mit praktischen Beispielen aufzeigt (Computer, Telefone, immer schnellere Fernsehprogramme etc.), die von ihm so genannte Schnellfeuer-Kultur, aber auch die fehlenden Familienzeiten. Im zweiten Teil beschreibt er, wie durch diese kulturellen Veränderungen das Bewusstsein unserer Kinder geprägt wird und zu einer Sucht nach Sinnesreizen führt. Anhand von Studienergebnissen und Vergleichen weist er darauf hin, dass AD(H)S eben keine biologische Ursache hat, sondern eine durch die kulturellen Einflüsse erzeugte Entwicklungsstörung ist. Im dritten Kapitel "Eine Generation wird krankgeschrieben" geht er auf den zunehmenden Ritalin-Gebrauch in den USA seit den Sechzigerjahren ein, 80 - 90 % der Ritalin-Produkte wird in den USA verschrieben. Interessant ist auch, dass dieses Medikament seit Ende der Sechzigerjahre in Schweden verboten ist. Richard de Grandpre weist außerdem auf die pharmakologische Ähnlichkeit von Ritalin mit Kokain hin und zeigt auf, dass Ritalin bei "normalen" Kindern die gleiche Reaktion hervorruft wie bei Kindern mit AD(H)S.

Im letzten Kapitel schlägt Richard de Grandpre vor AD(H)S dadurch zu bekämpfen, dass Eltern einen langsameren Lebensrhythmus vorleben und den Einfluss von passiven, künstlichen Erfahrungen (Fernsehen, Videospiele etc) auf ein Minimum beschränken. Elterliche Fürsorge und Präsenz sind für ihn die Mittel zur Vorbeugung und "Heilung" von AD(H)S.

Ein Buch, das ich uneingeschränkt als lesenswert empfehlen kann. Für Eltern geradezu ein Muss, da es nicht "nur" um AD(H)S geht, sondern auch um die Veränderungen, die sich in der (Er)lebenswelt aller unserer Kinder,  im Vergleich zu früheren Generationen, vollzogen haben.
Justine

Bewertung: 5 von 5 Raben

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