Dreikurs, Rudolf/Soltz, Vicki: Kinder fordern uns heraus

  • Klett-Cotta; Auflage: 15., völlig überarb. u. aktual (Juni 2010)
  • ISBN-10: 3608944001
  • ISBN-13: 978-3608944006

 

 

Bewertung: ungeeignet

Kinder fordern uns heraus - mir liegt schon der Titel quer. Und Dreikurs und Soltz bestätigen denn auch prompt die Assoziationen, die der Titel weckt. Zwar soll es um ein besseres Miteinander von Eltern und Kindern gehen, inhaltlich stellt sich das jedoch anders dar. In den Sechzigern - in denen das Buch erstmals erschien - mag es ein großer Fortschritt gewesen sein, dass Kinder nicht mehr geschlagen werden sollten. Dennoch bleibt der Ansatz, dass die Erwachsenen die richtige Sicht der Dinge haben und dass das Kind sich danach richten muss. Die Grundthese ist, dass Kinder "unerwünschtes" und/oder "störendes" Verhalten grundsätzlich an den Tag legen, um Aufmerksamkeit zu erhalten und dass man dem entgegenwirken muss. Dazu gebracht werden soll es nicht mit Strafen, sondern mit den berühmten Konsequenzen.

Eines meiner "Lieblingsbeispiele": Ein dreijähriges Mädchen will im Schnee spielen, aber keine Handschuhe anziehen und kommt immer wieder weinend an, weil ihm die Hände weh tun. Die Autoren lehnen es ab, dass das Kind irgendwann von der ausrastenden Mutter geschlagen wird, erklären dagegen das Verhalten des Kindes so: Das Mädchen benutzt Hilfosigkeit und Mitleid um Aufmerksameit zu erlangen, und dem sollte man auf keinen Fall nachgeben. Die Eltern sollen das Kind lediglich darauf hinweisen, dass die Handschuhe ihre Hände warm halten; wenn sie das "störende Verhalten" (!) jedoch nicht ablege, müsse sie eben daheim bleiben.

Wie gesagt, das ist nur eines von vielen Beispielen, bei denen sich mir die Nackenhaare sträubten.

Auch wenn diese Art von Erziehung im Augenblick eine Renaissance erfährt, finde ich es ziemlich bitter, dass dieses Buch immer noch als Standardwerk gehandelt wird und jetzt sogar die zweifelhafte Ehre einer Sonderausgabe erhält.

Bewertung: ungeeignet



Lotta

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