Cummings, Rosey; Houghton, Karen; Williams, Le Ann: Jedes Kind will schlafen

Die sanfte Alternative
Beust 2000

Bewertung: ungeeignet

 

Die drei Autorinnen sind im Bereich Krankenpflege, Geburtshilfe, Erwachsenenbildung, Säuglingskrankenpflege, Pädagogik und Stillberatung als Mitarbeiterinnen im Tweddle Child and Family Health Service, einem Zentrum für frühkindliche Erziehung in Footscray, Melbourne, tätig. Bei soviel geballter Kompetenz bereits im Vorwort wird der geneigten Leserin / dem geneigten Leser schon halb schwindelig. Der Aspekt der Stillberatung wird - um das vorweg zu nehmen - alleine dadurch deutlich, dass auch bei Kleinkindern über 12 Monaten weiteres Stillen erwähnt wird.

Zu Beginn des Buches stehen allgemeine Informationen zum Thema Schlaf. Es finden sich auch Definitionen von Schlafproblemen, ich zitiere:

"Im Allgemeinen kann man bei Säuglingen und Kleinkindern von einem Schlafproblem sprechen, wenn dauerhaft eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:

  • Das Kind wacht häufig auf, obwohl es weder Hunger noch Durst verspürt.
  • Die Schlafphasen währen sehr kurz (nicht länger als eine Stunde.).
  • Das Kind schläft nur ein, wenn es geschaukelt, gefüttert oder liebkost wird.
  • Das Kind schläft spät am Abend ein und wacht früh am Morgen auf."

Das Ziel der Tweddle-Methode ist es, dass die Kleinen von alleine einschlafen, sich selbst beruhigen, wenn sie vorzeitig oder zwischen zwei Schlafzyklen aufwachen und sich längere Schlafphasen, tags wie nachts, angewöhnen.

Im Unterschied zu "Jedes Kind kann schlafen lernen" scheint es für die Autorinnen immerhin kein Problem darzustellen, wenn ein Kind jenseits des Alters von sechs Monaten nur nicht durchschläft, auch ist nie von der Schädlichkeit irgendwelcher Nachtmahlzeiten die Rede, aber das war es auch schon an positven Unterschieden. Die Sanftheit der Methode hat sich mir während der ganzen Lektüre, trotz gradueller Unterschiede zu o.g. Bestseller, nicht erschlossen.

Im Kapitel über Babies bis zum Alter von sechs Monaten findet sich folgende Textstelle:

"Schreit ein Baby, wenn es einschlafen soll, dann gewöhnlich bis zu einem gewissen Höhepunkt, den wir Schreigipfel nennen wollen. Diesem Schreigipfel folgen häufig weit kürzere, weniger intensive Ausbrüche. Daraufhin beginnt das Kind, sein Schreien einzustellen und zur Ruhe zu kommen. Eltern nimmt das Schreien ihres Babies vielfach so sehr mit, dass sie den Schreigipfel nicht abwarten." (Anmerkung von mir: Wieder so ein dummer Baufehler der Natur! Instinkte sind wirklich eine Fehlkonstruktion, vor allem im Umgang mit Babies.)

Es werden für Babies spezielle Beruhigungstechniken empfohlen, wie das Einwickeln, das Klopfen mit der hohlen Hand (selbstredend liegt das Baby dabei mit von den Eltern abgewandtem Kopf auf der Seite, denn Blickkontakt peppt ja nur unnötig und gibt ein ungewolltes Gefühl von Geborgenheit.), sanftes Schaukeln usw. Das will ich nicht alles verteufeln, aber mich stört, dass diese Techniken innerhalb eines festen zeitlichen Schemas angewandt werden sollen. Was mir auch besonders gut gefällt, ist der Tip für die gestressten Eltern, denen das Weinen des Babys zu nahe geht: "Vielleicht hilft es Ihnen, Ihre Gedanken zu zerstreuen, während Sie Ihr Baby zu beruhigen versuchen. Ablenken können Sie sich, indem Sie zum Beispiel Radio hören."

Im Kapitel für Babies bis zum Alter von zwölf Monaten finden sich dann Anleitungen zum sog. modifizierten kontrollierten Trösten - klingt toll, oder? Man legt das Kind ins Bett, wünscht ihm eine gute Nacht, verlässt das Zimmer und lauscht 30 Sekunden. Wenn das Baby weint, kehrt man zu ihm zurück und wendet eine der Beruhigungstechniken an. Aber bitte dabei vermeiden, dass das Kind während der Anwendung der Beruhigungstechnik einschläft, sonst gibt es ja keinen Lerneffekt!
Nachdem das Baby erfolgreich beruhigt wurde, aber noch wach ist, verlässt man wieder das Zimmer, um dann nach 2, nach 4, nach 6, 8 und 10 Minuten (natürlich nur, wenn das Baby weint) wieder ins Zimmer zu gehen und Beruhigungstechniken anzuwenden. Diese Methode kann, sofern DIE ELTERN nicht überfordert sind, bis zu einer Stunde am Tag und bis zum Eintritt DES EIGENEN Unbehagens nachts angewendet werden. Später im Kapitel findet sich dann die Aussage:

"Es empfiehlt sich nicht, ein schreiendes Baby länger als zehn Minuten alleine zu lassen. Dadurch gerät es womöglich erst recht aus der Fassung und lässt sich noch schlechter beruhigen. Es geht darum, dass es alleine einschlafen lernt. Dabei helfen Sie ihm am besten, indem Sie klare Schlafbotschaften vermitteln und es trösten."

Mir wurde nicht klar, wieso ein Baby erst ab zehn Minuten aus der Fassung gerät, aber wahrscheinlich weiß ich einfach nur nicht, warum weinende Babies, mit innerem Blick auf die eingebaute Uhr, sich bis zehn Minuten in der Gewissheit wiegen, sie lernten nur prima schlafen, um ab der elften Minute plötzlich zu verzweifeln.

Im Kapitel für Kinder von ein bis drei Jahren gibt es nichts wirklich Neues, außer der "besonders behutsamen Methode". Dabei setzt man sich auf einen Stuhl neben dem Bett des Kindes unter Vermeidung von Augenkontakt und Unterhaltung (eine Hand auflegen ist immerhin erlaubt), und bei jedem weiteren Zubettgehen rückt man den Stuhl etwas weiter weg bis zur Zimmertür.

Jedes Kapitel ist mit umfangreichen Tabellen versehen: ein Organisationsplan zur Schlafumgebung, zum nächtlichen Füttern, zum Beruhigen, eine Wochentabelle zur Erfassung des Schlaf- und Essrhythmus´, eine 24-Stunden-Übersicht über Tröstungserfolge......
Fazit: Alte Methode in neuem Gewand. Für mich "Ferber-light" und damit: Daumen nach unten!

Bianca 

Bewertung: ungeeignet

Weitere Informationen