Schneider, Regine: Gute Mütter arbeiten

Ein Plädoyer für berufstätige Mütter
Fischer (Tb.), Frankfurt (1997)

Bewertung: ungeeignet

Kurzbeschreibung:
Klappentext: Höchste Zeit, dass dem ewigen schlechten Gewissen berufstätiger Mütter ein Ende gemacht wird: Kinder brauchen Mütter mit eigenen Interessen.

Die Autorin, Frau Schneider, spaltet die Mütter, obwohl sie vorgibt, dieses gerade nicht tun zu wollen. Der "Mythos Mutter" wird von ihr unter die Lupe genommen. Mütter, egal, ob "nur" Hausfrauen oder berufstätig, sind immer schuld. Schuld, wenn ihre Kinder verhaltensauffällig sind, schlecht in der Schule, kriminell oder einfach nur normal, zu kritisieren gibt es immer etwas. Mütter sind nicht solidarisch untereinander, nein, sie fallen höchst persönlich über die jeweils andere her. Rabenmutter. Übermutter. Je nach dem, aus welcher Perspektive sie sich und andere betrachten. So weit so gut. Ich habe mir das Buch gekauft, als ich mit meinem ersten Sohn schwanger war und noch zustimmte, ja - gute Mütter arbeiten, was sonst? Ich bin schließlich emanzipiert, habe studiert, in meinem Beruf Erfolg, ich lasse mich nicht hinter den Herd zwingen. Nach der Geburt kam alles anders, und heute sehe ich die Welt mit differenzierterem Blick. So könnte ich nur milde lächeln über folgendes Zitat aus dem Buch von Frau Schneider, wenn es nicht so traurig wäre:
"Für viele Mütter dagegen ist es schwer zu akzeptieren, dass ein Baby lediglich verlässliche Bezugspersonen braucht und nicht so sehr ausschließliche Bemutterung. Es gibt Mütter, die möchten ihr Baby gar nicht teilen. Weil es offenbar für viele ein angenehmes Gefühl ist, wenn der kleine Mensch nur auf sie fixiert ist. Und so sind viele Mütter gar nicht so sehr davon angetan, dass ihre kleinen, süßen Lieblinge die Gesellschaft anderer ebenso schätzen könnten wie die ihrer aufopferungsvollen Mama." Abgesehen von der Aussage, allein den ironischen Ton empfinde ich für ein Buch, mit dem Anspruch Sachbuch zu sein, völlig daneben. Meiner Ansicht nach wird von der Autorin der Mythos der Übermutter geschürt, die nicht loslassen kann, zum Schaden ihrer Kinder, zum Schaden ihrer selbst.
Noch ein Zitat:
"Mütter, die Liedloff gelesen hatten, trugen ihr Kind pausenlos in einem Tuch am Körper, nahmen es nachts mit ins eigene Bett und flitzten bei jedem Pieps, um zu erforschen, was dem Kleinen fehlt. Ich kenne Mütter, die das derart ausufernd praktizierten, dass sie selbst nach einiger Zeit völlig unkonzentriert, hektisch, vernachlässigt und übermüdet herumliefen."
Komisch, man kann zu Liedloff sicher unterschiedlicher Auffassung sein, gerade die hier von Frau Schneider aufgeführten Punkte Tragen und Familienbett haben bei mir jedoch dazu geführt, dass ich vergleichsweise zufriedene Kinder habe, eigentlich immer gut gelaunt und ausgeschlafen bin, wesentlich fitter und schicker aussehe, als so manche Mutter, die täglich mit ihrem Baby kämpft, dass es endlich alleine einschläft und am besten auch durch, endlich vernünftig isst, sich endlich mal 5 Minuten mit sich selbst beschäftigt, ohne zu quengeln, etc. pp. Aus meiner Sicht ist eine Mutter, die sich dafür entschieden hat, ihr Kind nach Bedarf zu stillen, solange unersetzbar aus Sicht!!! des Säuglings - auch durch den Vater nicht -, solange das Baby von sich aus keine Beikost akzeptiert. Diese Art von Mutter und Kind - Symbiose ist von der Natur so gedacht, und nicht nur das Beste für das Kind, sondern auch für die Mutter. Diese Tatsache ist nicht wegzudiskutieren und noch weniger mit fragwürdigen (!) Studien zu beweisen, die von vornherein so angelegt waren, eben genau diese Symbiose zu widerlegen. Absurd. Viel mehr hielte ich es für eine echte Errungenschaft der so genannten Frauenbewegung, wenn unsere Gesellschaft endlich akzeptieren würde, dass nur Frauen die Fähigkeit haben, Kinder zu gebären und sie in den ersten Monaten zu stillen, wann immer Babys das verlangen (und sehr viele würden am liebsten nur bei ihrer Mutter am Busen schmusen dürfen). Also alles nur eine raffinierte Diffamierungskampagne neidischer Männer, der Frau Schneider auf den Leim ging? Wer weiß? Ich möchte hier eins deutlich klar stellen: Frauen sollen außer Haus arbeiten, aus meiner Sicht am liebsten in qualifizierten Berufen, die ihnen eher einen hohen Freiheitsgrad und Freude an der Arbeit bieten, guten Verdienst, selbst noch bei Teilzeitarbeit, möglicherweise die Chance, eine Führungsposition zu übernehmen. Ich bin sehr dafür, und glaube genauso wenig wie die Autorin, dass Berufstätigkeit generell Kindern schadet. Das tut sie sicher nicht. Voraussetzung allerdings ist, die Bedürfnisse des Kindes nach Nähe der Mutter in den ersten Lebensmonaten zu achten und sie zu befriedigen, anstatt durch lächerliche Studien eine Ideologie nach dem Motto - Kinder brauchen berufstätige Mütter, um glücklich groß zu werden, aus dem Boden zu stampfen. Kein Wort davon, dass Mütter mit Kindern, die eine Weile nur für ihre Kinder da waren und sich gegen Berufstätigkeit auf Zeit entschieden haben, eine Bereicherung sein können für jede Firma, für jedes Unternehmen. Kein Wort an Politik und Wirtschaft gerichtet, Bedingungen zu schaffen, die Frauen nach der Elternzeit ohne Wenn und Aber den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen, so dass sie nicht ständig in Sorge sein müssen, den Anschluss zu verpassen und in die Defensive gedrängt zu werden, Abstriche machen zu müssen hinsichtlich Stellung in der Unternehmenshierarchie und des Verdienstes.
Trotz einiger positiver Anregungen und Thesen, die im Buch enthalten sind: Insgesamt ist der Tenor pro arbeitende Mutter viel zu wenig differenziert und zeugt von geringem Einfühlungsvermögen und oberflächlicher Kenntnis der tatsächlichen Zusammenhänge über das, was uns ganz elementar als Menschen ausmacht. Ich will nicht zurück in die Steinzeit, aber ich will mein Kind erst dann loslassen dürfen, wenn die Zeit dafür reif ist. Einen Schritt nach dem anderen machen dürfen, ohne als Übermutter tituliert zu werden, die die Wurzel allen Übels ist. Was unsere Welt dringend braucht, sind psychisch gesunde und glückliche Menschen. So, wie sich das Frau Schneider vorstellt, wird es immer so bleiben, wie es immer schon war - Sodom und Gomorrha, Rote Karte für Regine Schneider von eulalie.

Bewertung: ungeeignet

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