Kast-Zahn, Annette, Morgenroth, Hartmut: Jedes Kind kann schlafen lernen

Oberstebrink-Verlag, Neuauflage bei GU

Bewertung: ungeeignet

Dieses Buch ist eine traurige Widerspiegelung unserer Gesellschaft im Umgang mit den Kindern. Keine Familie wird gefragt, wie liebevoll sie mit den Bedürfnissen ihres Säuglings umgeht. Im Gegenteil, wenn das Baby gerade wenige Wochen alt ist, kommt die scheinbar wichtigste Frage: "Schläft es schon durch?" Für alle Eltern, die diese Frage mit "nein" beantworten müssen, stellt sich sofort die nächste Frage: "Was haben wir falsch gemacht?"
Die ersten sechs Monate darf ein Kind nachts noch wach werden, aber dann muß es durchschlafen. So suggeriert es dieses Buch. Richtige Erkenntnisse über den kindlichen Schlaf werden mit Behauptungen vermischt: Kinder müssen ganz alleine einschlafen - ohne Mutterbrust, ohne die Eltern im Zimmer, ohne Schnuller und vielleicht auch noch ohne Schmusetier. Sie haben anscheinend keine Bedürfnisse (zu haben). Denn alles muß beim Aufwachen genauso vorgefunden werden - so die Autoren -, wie beim Einschlafen: die Brust würde aber weg sein, auch die Eltern würden nicht mehr im Zimmer neben dem Bett stehen, der Nuckel könnte aus dem Mund gerutscht und das Plüschtier vielleicht aus dem Bett gefallen sein. Deshalb darf auch nichts davon als Einschlafhilfe verwendet werden.
Es kann natürlich sein, so meine ich, ass ein Kind, was so allein ist, auch schnell wieder in den Schlaf kommt, um dieser schrecklichen Situation zu entfliehen. Ist es das, was wir wollen?
Die nächste fragwürdige Behauptung diese Buches: Kinder scheinen auch in den ersten Jahren ein Zeitgefühl zu haben. Denn es wird empfohlen, das Kind kontrolliert eine bestimmte Zeit (3, 5, 7, 10 Minuten) schreien zu lassen? Oder steht das deshalb so in dem Buch, weil es uns Eltern leichter fällt, das Kind schreien zu lassen, wenn wir nach einer bestimmten Zeit wieder zu ihm gehen dürfen? Ich denke, auf alle Fälle haben Kinder, die jünger als drei Jahre sind, kein Zeitgefühl. Selbst eine Minute kann für sie eine Unendlich-keit sein.
Oft klappt das Ein- und Durchschlafen aber mit dieser Methode. Hat das Kind doch schlafen gelernt? Meiner Meinung nach hat es zumindest etwas anderes gelernt: Mir kann es schlecht gehen, und ich kann schreien: es kommt doch keiner. Es wird in einen depressiven und traumlosen Tiefschlaf fallen. Das bedeutet auch den Verlust des Urvertrauens mit Auswirkungen bis in das Erwachsenenalter. Sollte dies vielleicht ein Grund für die vielen Schlafstörungen in unserer Generation oder der unserer Eltern sein?
"Jedes Kind kann schlafen lernen" - ich meine: jedes Kind lernt schlafen. Und zwar dann, wenn es für das jeweilige Kind der richtige Zeitpunkt ist. Bis dahin brauchen die Kinder Begleitung in den Schlaf. Noch immer wissen wir nicht genau, was beim Einschlafen passiert, was sich in unserem Gehirn abspielt, ass wir am nächsten Morgen regeneriert aufwachen. Wir können unsere Gedanken bahnen, indem wir beim Einschlafen an beruhigende Dinge denken. Ein Kleinkind kann das jedoch nicht. Es ist auch nicht möglich, mit Absicht immer zu einer bestimmten Zeit wach zu werden. Wäre es so, bräuchte man keine Wecker auf dieser Welt.
Natürlich benötigen viele Eltern Rat, Unterstützung und Begleitung, wenn sie ein schlecht schlafendes Kind haben. Aber ich bezweifle, dass dieses Buch diesen Eltern auf Dauer ernsthaft helfen kann. Einige Beispiele aus dem Buch sollen das deutlich machen:

1. "Erfahrungen aus der Kinderarzt-Praxis" (Seite 12)
Die Eltern schlafen mit ihren Zwillingen in einem Raum und müssen jeden Abend für die Nacht 17 Fläschchen fertig machen. - Wie schrecklich, vielleicht hätte es geholfen, ein Familienbett zu organisieren?
2. "Welche Probleme können auftreten?" (Seite 90):
Das Kind von 12 Monaten erbricht, um seine Eltern zu erpressen. - Welche massiven Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung müssen vorliegen, wenn ein Kind in dem Alter dazu in der Lage sein sollte? Dieses Buch allein kann den Eltern aus dieser Situation bestimmt nicht heraushelfen.
3. "Schmerzen" (Seite 140):
Es wird den Eltern empfohlen, dem Kind zum Einschlafen ein Fieberzäpfchen zu geben. Es könnte ja Schmerzen haben, auch wenn nichts gefunden wurde. - Das ist der erste Schritt, alle Probleme mit Medikamenten beseitigen zu wollen und zu einer späteren Medikamenten-Abhängigkeit.

Fazit: Schade für all diejenigen, die fast 15 EUR für dieses Buch ausgegeben haben. Die Investition in das Buch der La Leche Liga "Schlafen und Wachen" von W. Sears wäre weitaus lohnender gewesen, auch wenn darin keine Patentrezepte zu finden sind. Es gibt nämlich keine! Leider ist das Buch der La Leche Liga kaum in einer Buchhandlung zu finden.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Gudrun von der Ohe, Ärztin und Still- und Laktationsberaterin IBCLC, Internet: www.stillberatung.info, email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Bewertung: ungeeignet

 

Das Geheimrezept für den Erfolg des Buches steht meiner Meinung nach gleich am Anfang. Frau K-Z. erzählt ihre "Leidensgeschichte". Ihr drittes Kind schlief in den ersten 7 Monaten täglich nur insgesamt 9 Stunden. Die beiden Geschwisterkinder kamen zu kurz, sie hatte zu wenig Schlaf, war ausgelaugt, ihr Mann - huch, was war jetzt mit dem noch mal? Der wollte sich scheiden lassen und Veronika Ferres heiraten. Ähm. Vorsicht, Gerücht :-). Dann ging sie zur Vorsorge U x, klagte ihrem Kinderarzt und späteren Mitautor ihr Leid, der gerade in den USA war und - ja,ja den Prof. Ferber kennen gelernt hatte. Weia. So nahm die Katastrophe ihren Lauf. Klein Andrea, zarte 7 Monate, wurde behandelt und schlief innerhalb von nur 2 Wochen! durch. Uff. Frau K-Z- fiel es wie Schuppen aus den Haaren - jepp, mit dieser Exclusiv-story wird sie Millionärin. Wie 's wohl Andrea so geht? Sie wird ihrem eigenen Kind schon nichts antun, oder? Nein. Also: FERBERN!
Übrigens, Frau K-Z. "verteidigt" sich mit folgendem Beispiel (s. 112 (ausgerechnet die Tel. Nr. der Feuerwehr Wink - wie passend):
Mutter und Kind im Supermarkt. Kind will Schoko. Mutter sagt: Nein! Kind brüllt, schmeißt sich auf den Boden. Mutter hat 2 Möglichkeiten: Sie kauft Schoko doch und Kind freut sich bis zum nächsten Mal. Oder: Mutter ist konsequent, bleibt beim Nein! Kind brüllt den Laden in Schutt und Asche. Leute schauen. Unfähige Mutter. Mutter ist schweißgebadet, aber stolz, nicht nachgegeben zu haben. Nächstes Mal. Wieder keine Schoko und so fort. Kind brüllt beim x. Mal nicht mehr. Bringt ja nichts. Wer würde der Mutter vorwerfen, sie hätte den Willen ihres Kindes gebrochen?
Zitat:
"Viele Einschlaf-Gewohnheiten sind wie Schokolade. Auf Dauer kann es nicht sinnvoll sein, den Kindern zu überlassen, wieviel sie wann davon haben wollen."
eulalie für Rabeneltern.org


Bewertung: ungeeignet


Die Autoren sagen, ein Kind ab 6 Monaten brauche keine Nachtmahlzeit mehr. Wie kommen sie darauf? Jedes Kind ist anders, Stillkinder nehmen im Alter von 10 Monaten noch bis zu 25·% ihrer Tagesmilchmenge in der Nacht zu sich.
Wenn das Kind dann mit 6 Monaten "immer noch" nicht durchschläft, soll man es erstmal dazu bringen, alleine einzuschlafen: ohne Mamas Brust, ohne die elterliche Nähe. Wie grausam ist das? Die meisten Kinder brauchen einfach noch die Sicherheit der Eltern beim Schlafen und wenn wir ehrlich sind, wenn wir abends gemeinsam mit unserem Partner einschlafen, fühlen wir uns doch auch gut.
Wenn das nicht funktioniert, wird das Kind halt schreien gelassen. Die Eltern sollen aber alle 3,5,7 Minuten ins Zimmer gehen. Warum? Weil es für die Eltern besser ist? Damit nicht der Eindruck entsteht, man vernachlässige das Kind? Ein Kind hat kein Zeitgefühl, es weiß nicht, wann die Minuten um sind. Es weiß nur, dass es in seinem Kummer allein gelassen wird. Es kommt eh niemand. Dann schläft es irgendwann resigniert ein.
Alexander schläft auch nicht immer durch. Er wird zuverlässig durchschlafen, wenn er dazu bereit ist. Das nenne ich Selbstständigkeit.

Janina für Rabeneltern.org

Bewertung: ungeeignet

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