Rabenschlag, Ulrich: Kinder reisen durch die Nacht

Schlafen, Wachen, Träumen - Die gute Nacht für Kinder
Herder, Freiburg (1998)
ISBN-10: 3451266113
ISBN-13: 978-3451266119

Bewertung: ungeeignet

Als Erstes: Ich halte dieses Buch nicht in allen Teilen für schlecht. Einige Passagen gefallen mir sogar ausgesprochen gut. Doch die zu kritisierenden Teile fallen so schwer ins Gewicht, dass es hier in der Roten Bücherliste erscheint.

Vom Titel und der Einleitung war ich sehr angetan: Denn hier wird nicht die Auffassung verbreitet, dass alles, was uns Erwachsene stört, gleich eine Störung, ein Problem sein muss. Vielmehr las ich in den Zeilen eine große Neugierde und auch viel Liebe. Als dann das Familienbett positiv dargestellt wurde (wenigstens für die ersten Lebensmonate), dachte ich: Na endlich ein Schlafbuch, das die Bedürfnisse von Mutter und Kind ernst nimmt.

Aber kurz danach dann die erste Irritation, als der Hinweis erfolgt, dass Stillen nach dem 6. Monat keine Vorteile mehr für Mutter und Kind hat. ‚Na ja, Herr Rabenschlag kann eben nicht Experte für alles sein.' Aber dann stieß ich immer wieder auf Empfehlungen, die so nicht akzeptabel sind:

  • ab dem Ende des 6. Monats brauche ein Säugling keine nächtliche Mahlzeit mehr;
  • Einschlafen und Füttern (Stillen) sollten getrennt werden, schon ab der Geburt besitze ein Säugling die Fähigkeit einschlafen zu können, ohne gefüttert zu werden (nur: meine Tochter schlief immer an der Brust ein, am Anfang meinte ich auch noch, sie wach zum Schlafen legen zu müssen, aber sie schrie dann immer panisch - zerrüttete Nerven auf beiden Seiten waren das Ergebnis);
  • empfohlener Zeitpunkt für das Abstillen: 6.- 12. Monat.

Folgendes Zitat ließ mich dann endgültig zu der Meinung gelangen, dass dieses Buch auf die Rote Bücherliste gehört:

"Weit verbreitet ist die resignative Reaktion der Eltern [bei Kindern im 2. Lebensjahr], die abendlichen Machtkämpfe dadurch zu beenden, daß sie schließlich ihr Kind mit in ihr Bett nehmen (‚co-sleeping').
Eine fatale Entscheidung. Denn erstens verzögern sie damit einen wichtigen Lernprozeß ihres Kindes - oft um Jahre. Zum andern garantiert das noch kein sicheres Durchschlafen, denn das nächtliche Aufwachen wird damit nicht weniger dramatisch. Das ist oft der Zeitpunkt, zu dem Eltern ihrem Kind wieder das Fläschchen geben. Damit aber ‚konditionieren' sie die erste hausgemachte Schlafstörung ihres Kindes. Denn es erfährt nun dafür, daß es nicht nachts alleine in seinem Bettchen seinen Schlaf finden muß, eine Belohnung durch Saugen und Nahrung."
(S. 84)

Und das schreibt der Autor, nachdem er sehr einfühlsam die psychischen Vorgänge beim Kleinkind erläutert hat. Wie er dann zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann, ist mir vollkommen unverständlich.
Und dann als Höhepunkt (oder sollte ich besser sagen Tiefpunkt) die Freiburger Sanduhrmethode - eine Abwandlung der Ferber-Methode. Immerhin erfolgt hier die Einschränkung, dass die Methode frühestens nach dem 12. Monat anzuwenden sei, wenn das Kind ein sicheres Verständnis der Objektpermanenz besitze.
Auch die durchaus guten Tipps für ältere Kinder bis hin zur Pubertät können diese Mängel nicht mehr aufwiegen.

Daher meine Bewertung: Ab auf die Rote Bücherliste!!!
 Astrid Ahlers

Bewertung: ungeeignet

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