Hrdy, Sarah Blaffer: Mutter Natur - Die weibliche Seite der Evolution

Gebundene Ausgabe: 773 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (August 2000)/Sonderausgabe 2010
ISBN-10: 3827002400
ISBN-13: 978-3827002402
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Bewertung: 5 von 5 Raben

"Mutter Natur" ist eine faszinierende Abhandlung über die Frage, wie und
warum sich evolutionsgeschichtlich verschiedene Formen der Mutterschaft herausgebildet haben. Zahllose Beispiele belegen, welche unterschiedlichen und flexiblen Strategien Mütter aller Arten einsetzen, um das eigene Überleben und das Überleben ihrer Nachkommen zu sichern.
Das Buch bietet viele interessante Aspekte und ist nicht zuletzt mit seinen Ausführungen zur Behandlung der Nachkommen für StillberaterInnen interessant.
Blaffer Hrdy zeigt auf, dass je höher entwickelt das Lebewesen ist, um so mehr in die Pflege und Aufzucht der Jungen investiert werden muss. Das Stillen führte nicht nur zu einer Koppelung der Aufzucht der Nachkommen an ein Geschlecht (da nur die Mütter in der Lage sind, die Jungen zu ernähren), sondern auch zu einer längeren Phase der Nähe zwischen Mütter und Jungen. Diese längere Nähe wird von ihr als wichtigster Faktor für die Ausbildung sozialer Bindungen und neuer Gehirnabschnitte und neuer Eigenschaften angesehen. Es gibt die Hypothese, dass sich durch diese intensive Nähephase, die sich durch das Stillen zwangsläufig ergeben hat, die für den Menschen so wichtige Eigenschaft der mit Intelligenz gepaarter Empathie entwickelt hat. Bei allen Primaten ist es so, dass die Säuglinge in den ersten Jahren restlos auf die Fürsorge und die Nähe der Mutter angewiesen sind, und es ist auch so, dass enger und beständiger Körperkontakt nicht nur für das Überleben, sondern auch für die gesunde Entwicklung von Körper und Geist oder Seele und späterem Verhalten unabdinglich ist. Man weiß, dass Schimpansenmädchen, die ihre Mutter zu früh verloren haben, aber schon alt genug waren, um zu überleben, später Probleme haben, selbst Mutter zu werden oder aber nicht wissen, wie sie mit ihren Babys umgehen sollen. Dies gilt nicht nur für in Gefangenschaft lebende Schimpansen, sondern auch für wildlebende.
Der vorzeitige Kontaktverlust, das Alleinsein, hat also langfristige und gravierende Folgen. Warum soll das dann bei uns Menschen anders sein?
Denise Both, IBCLC
Füssen
Laktation und Stillen 4 · 2005

Bewertung: 5 von 5 Raben

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