Hey, Monika: Mein gläserner Bauch

Wie die Pränataldiagnostik unser Verhältnis zum Leben verändert

Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
ISBN-13: 978-3421045386
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Bewertung: 4 von 5 Raben

Vorsorge, Ersttrimester-Screening – das klingt nach Routine. Nach harmlosen Untersuchungen, die in einer Umbruchzeit wie der Schwangerschaft Sicherheit bieten, damit die Vorfreude ungetrübt von Zweifeln und Ängsten sein kann. Aber aus pränataldiagnostischer Routine kann schnell ein Albtraum werden. Konfrontiert mit der Diagnose einer genetischen Abweichung, für die es keine Therapie gibt, stehen Eltern plötzlich vor einer Entscheidung über Leben und Tod ihres Kindes, und das umso einsamer, je stärker der Druck ihrer Umgebung ist, ein behindertes Kind nicht auszutragen.

Die Autorin berichtet von ihrer eigenen späten Schwangerschaft, die in einem solchen Albtraum endete. Ungefragt wurde sie nach der ohne ihr Einverständnis durchgeführten Nackenfaltenmessung des Embryos dem Verdacht auf Down Syndrom konfrontiert. Überrollt von den Ereignissen und Folgeuntersuchungen, war sie nicht in der Lage, eine mündige Entscheidung zu treffen. Statt dessen beugte sie sich dem Konsens ihrer Ärzte, dass bei der Diagnose „Down Syndrom“ natürlich ein Abbruch durchgeführt werden müsse, und ließ einen eigentlich ungewollten Spätabbruch vornehmen.

In ihrem Bericht erörtert die Autorin ausführlich auch die rechtlichen und medizinischen Grundlagen der pränataldiagnostischen Verfahren und wie sich diese seit ihrer Schwangerschaft Ende der 1990er Jahre geändert haben. Sie erläutert, wie das Gendiagnostikgesetz von 2010 das Recht der werdenden Eltern auf Information und ausführliche Beratung stärken und sie vor ungewollten Untersuchungskaskaden schützen soll und wo es noch nicht so weit greift, wie vom Gesetzgeber intendiert. Das Buch ist nicht systematisch gegliedert, enthält aber ein ausführliches Sachregister, das gezieltes Nachschlagen erlaubt. Ein schonungsloses und mutiges Buch, das die Perspektive persönlicher Betroffenheit in die ethische Debatte um Pränataldiagnostik einbringt.

"Nur" vier Raben bekommt das Buch, weil ein bisschen mehr Struktur noch schön gewesen wäre. Das soll die ausdrückliche Leseempfehlung aber nicht schmälern.

Bewertung: 4 von 5 Raben
Annette Jantzen

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