Aber nur 3 Minuten schreien lassen schadet doch sicher nicht!

Fast jedes Kind muss schon einmal wenige Minuten warten, bevor seine Mutter es trösten kann, z.B. wenn diese noch andere Kinder zu versorgen hat. Das wird das Kind verkraften. Wenn die Mutter es danach sofort liebevoll tröstet, lernt das Baby, dass es sich trotz der kurzen (!) Wartezeit auf sie verlassen kann.

Wenn das Baby sich abends "kontrolliert" in den Schlaf weinen soll, oder wenn es tagsüber lernen soll, dass es die Eltern nicht "im Griff hat", dann ist es für das Baby desaströs, wenn es überhaupt keine Reaktion bekommt. Die Verlassenheit wird aber nicht erträglicher, wenn die Eltern in kurzen Zeitabständen zum Baby gehen. Ganz im Gegenteil: Immer und immer wieder muss das Baby hilflos mit ansehen, wie die Eltern den Raum wieder verlassen. Es steht unter enormem Stress, wenn es merkt, dass es nicht in der Lage ist, die Eltern dazu zu bewegen, sich um es zu kümmern. Ein gesundes Selbstwertgefühl und Vertrauen zu sich selbst und zu den Eltern kann sich so kaum entwickeln.

Ein Baby weiß nichts von Feierabend und seine Bedürfnisse auch nicht. Bewusstes Ignorieren der kindlichen Bedürfnisse begünstigt eine unsicher-vermeidende Bindung, und es läuft auch den elterlichen Instinkten zuwider. Wenn das Schreienlassen die gewünschten Wirkung hat und das Baby nicht mehr schreit, dann ist das kein positiver Lernerfolg, sondern das Baby hat gelernt: Meine Eltern kommen nicht, wenn ich rufe - es hat aufgegeben.

Siehe dazu auch unseren ausführlichen Kommentar zu "Jedes Kind kann schlafen lernen"

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