Volkskrankheit Osteoporose
Denise Both,
IBCLC
Osteoporose ist die häufigste Stoffwechselerkrankung des Knochens, die überwiegend Frauen betrifft. Alleine in Deutschland leiden etwa 5 bis 7
Millionen Menschen an „Knochenschwund“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
hat die Osteoporose in die Liste der zehn weltweit bedeutendsten Krankheiten
aufgenommen und zwar sowohl in Bezug auf die Krankheitsfolgen als auch die für
die Behandlung anfallenden Kosten. Was viele Menschen nicht wissen: Stillen
beugt Osteoporose vor!
Das Wort „Osteoporose“ kommt aus dem Griechischen „osteo“ = Knochen und „poro“
= Öffnung. Porose ist ein krankhafter Zustand, bei dem das Gewebe von Löchern
durchsetzt ist. Osteoporose bezeichnet daher eine krankhafte Verminderung von
Knochengewebe, im Volksmund auch als „Knochenschwund“ genannt. 80 Prozent der
Betroffenen sind Frauen. Für die Osteoporose typisch sind Wirbelkörperbrüche
(„Witwenbuckel“), Hüft- und Handgelenksbrüche. Zu den Brüchen kommt es häufig
durch Stürze (Wirbelkörper, Oberschenkelhals) oder auch beim Abfangen eines
drohenden Sturzes (Handgelenk). Doch selbst das Anheben schwerer Lasten kann zu
Wirbelkörperbrüchen führen und Rippenbrüche können schon beim Husten entstehen.
Die Schädigung der Wirbelkörper kann auch schleichend passieren. Verringert sich
die Körpergröße um drei bis vier Zentimeter, so ist dies ein Hinweis auf
Osteoporose.
Sehr oft bleibt die Erkrankung bis zum ersten Knochenbruch unentdeckt. Erste
Anzeichen können Schmerzen vor allem im Rückenbereich sein. Die Wirbelkörper
sind vom Abbau der Knochenmassen in der Regel vor den größeren Röhrenknochen der
Arme und Beine betroffen. Die umliegenden Muskeln, Bänder und Sehnen versuchen
der Verformung der Wirbelsäule entgegen zu wirken. Diese Überbelastung führt
dann zu Schmerzen, die leider in vielen Fällen falsch interpretiert werden, so
dass die Behandlung oft erst spät einsetzt. Dabei kann eine frühzeitige
Behandlung sogar zu einer Heilung führen. Je später die Therapie einsetzt, um so
schlechter sind die Aussichten. Deshalb kommen der Vorbeugung und Früherkennung
große Bedeutung zu.
Der für die Osteoporose typische Verlust an Knochenmasse kann durch eine
Osteodensimetrie (Bestimmung der Knochendichte) festgestellt werden. Eine
verringerte Knochendichte muss zwar noch nicht mit der Diagnose Osteoporose
gleichgesetzt werden, sollte aber unbedingt zum Anlass für weitere
Untersuchungen genommen werden. Die endgültige Diagnosestellung erfolgt durch
eine Kombination aus Befragung der Patientin, körperlicher Untersuchung,
Knochendichtemessung, eventuell kombiniert mit Röntgen und einer
Blutuntersuchung.
Entstehung und Ursachen
Risikofaktoren für Osteoporose sind:
- Erbliche Belastung (häufige Knochenbrüche bzw.
Auftreten von Osteoporose bei Verwandten ersten Grades)
- Längerfristige Verwendung von Kortison-Präparaten,
Schlafmitteln und Antikonvulsiva
- Auf Dauer kalziumarme und zu phosphatreiche Ernährung
(entweder durch Fehlernährung, Abmagerungsdiäten oder aufgrund von
Magen-Darm-Erkrankungen)
- Vitamin-D-arme Lebensweise
- Mangelnde Bewegung
- Hoher Konsum von Alkohol, Nikotin und Kaffee
- Zierlicher Körperbau
Aufgrund der hormonellen Situation leiden Frauen deutlich häufiger an
Osteoporose als Männer. Bei Frauen kommt es in den Wechseljahren zu einem
Nachlassen der Hormonproduktion, die bis hin zum gänzlichen Ausfall führen kann.
Der daraus resultierende niedrige Östrogenspiegel begünstigt den Knochenabbau.
Früh einsetzende Wechseljahre (weniger als 30 Jahre Periodenblutungen) erhöhen
daher das Osteoporoserisiko für Frauen noch weiter.
Vorbeugung
Osteoporose ist eine Erkrankung, die in engem Zusammenhang mit der Ernährung
steht. Eine kalziumarme Ernährung führt dazu, dass der Körper die
Kalziumreserven in den Knochen angreift. Dies führt zu einem Verlust von
Knochenmasse, der ab etwa dem 30. Lebensjahr nicht mehr ausgeglichen werden
kann. Eine kalziumreiche Ernährungsform ist daher zu bevorzugen. Diese
Empfehlung hat dazu geführt, dass zu einem hohen Milchkonsum geraten wurde,
insbesondere für Kinder, Schwangere und stillende Frauen. Dabei wird immer
wieder auf Milch als angeblich beste Kalziumquelle hingewiesen.
Studien haben jedoch gezeigt, dass eine hohe Aufnahme von Milch und
Milchprodukten keineswegs zu einer geringen Osteoporoserate führt: Die höchsten
Osteoporoseraten finden sich in den Ländern, in denen die meisten Milchprodukte
verbraucht werden: USA, Skandinavien und Großbritannien. Die Länder mit dem
geringsten Milchverbrauch (in Asien und Afrika) haben hingegen die niedrigsten
Osteoporoseraten. Woran liegt das?
Milch und Milchprodukte enthalten nicht nur viel Kalzium, sondern auch viel
tierisches Eiweiß. Eine überhöhte Aufnahme von tierischem Eiweiß, verstärkt die
Kalziumausscheidung über die Nieren und kann so einen negativen Effekt auf die
Kalziumbilanz und damit auf die Knochendichte haben.
Wichtig ist auch, dass die Zufuhr von Kalzium, Phosphat und Magnesium im
Gleichgewicht gehalten wird.
Magnesium dient als Trägerstoff für das Kalzium. Optimal ist ein Verhältnis
von Magnesium zu Kalzium von zwei zu eins. Wird dieses Verhältnis zugunsten des
Kalziums verschoben, wird weniger Kalzium aus der Nahrung in die Knochen
eingebaut werden.
Phosphate sind die Gegenspieler des Kalziums. Ein Phosphatüberschuss entzieht
den Knochen Kalzium. Phosphate sind vor allem in Softdrinks (Cola!), Fast-food,
Fertigprodukten, Ketchup, Schmelzkäse, Wurst und Räucherwaren enthalten. Das
Verhältnis Kalzium zu Phosphor sollte zwei zu eins betragen, Milch enthält fünf
Teile Phosphate gegenüber drei Teilen Kalzium. Dies erklärt, warum Milch nicht
unbedingt als optimale Kalziumquelle für den Menschen angesehen werden kann.
Vitamin D-Mangel beeinträchtigt nicht nur den Knochenstoffwechsel, sondern
steigert durch eine Beeinträchtigung der Muskeln auch die Gefahr von Stürzen.
Daher ist eine ausreichende Vitamin D-Versorgung wichtig. Aufenthalt an frischer
Luft, am besten in Verbindung mit Bewegung sowie der Verzehr von Vitamin
D-haltigen Nahrungsmitteln beugt Osteoporose vor.
Der bei Fastenkuren einsetzende Verbrauch der Fettreserven setzt Aceton und
Ketonkörper frei. Dadurch kommt es zu einer Übersäuerung, die durch Kalzium
abgepuffert wird. Das dabei benötigte Kalzium steht dem Knochenstoffwechsel
nicht mehr zur Verfügung.
Raucher haben ein doppelt so hohes Osteoporoserisiko wie Nichtraucher.
Nikotin hemmt die Östrogenproduktion und bewirkt ein vorzeitiges Eintreten der
Wechseljahre. Beides erhöht das Osteoporoserisiko.
Gegen Kaffee und Alkohol in Maßen ist nichts einzuwenden. Doch übermäßiger
Alkoholgenuss bewirkt eine verstärkte Kalziumausscheidung über die Niere und
behindert den Einbau von Kalzium in die Knochen.
Der Schlüssel zum Aufbau von starken Knochen ist neben einer ausgewogenen
Ernährung viel Bewegung. Je mehr Bewegung von früher Kindheit an, um so stabiler
werden die Knochen. Sportarten wie Walking und Schwimmen sind besonders
knochenfreundlich und können in jedem Alter ausgeübt werden.
Und was ist mit dem Stillen?
Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Kalziumbedarf. Deshalb wird
immer wieder vermutet, dass Schwangerschaft und (lange) Stillzeit das Risiko für
Osteoporose erhöhen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.
Die komplexen Einflüsse des Stillens auf den Knochenstoffwechsel wirken sich
darauf aus, dass es trotz des niedrigeren Östrogengehaltes insgesamt zu einer
Stabilisierung zu kommen scheint und dadurch langfristig das Risiko von
Knochenbrüchen verringert wird. Knochendichtemessungen bei Stillenden Frauen
haben gezeigt, dass während der Stillzeit der Knochenmineralgehalt in Hüfte und
Lendewirbelsäule um 5 bis 7 % abnahm, doch innerhalb von sechs bis zwölf Monaten
nach dem Abstillen, lagen die Knochenmineralgehalte der Lendenwirbelsäule wieder
am Ausgangswert oder sogar darüber.
Daraus ergibt sich, dass das Osteoporoserisiko durch das Stillen nicht erhöht
wird, zumal eine vermehrte Kalziumaufnahme aus dem Darm nach dem Abstillen zu
einer Erhöhung der Knochendichte führt. Einige Studien weisen sogar darauf hin,
dass Frauen, die nicht gestillt haben, ein höheres Osteoporoserisiko nach der
Menopause haben.
* in D, A und CH werden 400 – 500 I.E. empfohlen