Mit Baby über Nacht im Krankenhaus
ein Erfahrungsbericht von Tina und Aileen
Bei uns stand im November 2003 auf Empfehlung einer Augenärztin, eine Kernspin
(MRT) bei unserem Baby, das zu diesem Zeitpunkt 3 Monate alt war, an.
Wir befanden uns in Behandlung einer Uniklinik mit angegliederter Kinderklinik.
Dorthin verwies uns auch unsere nette Augenärztin mit Überweisung zum MRT. Wir
lieferten die Überweisung dort auch umgehend ab, und standen somit auf einer
Warteliste.
Der Empfang der zuständigen Ärztin in der Kinderklinik war recht merkwürdig,
aber wir waren nervös und auch angespannt, so dass wir zunächst froh waren,
alles formelle geregelt zu haben.
Wegen Überlastung dort sprach man von einem Januar Termin, und wir wurden davon
in Kenntnis gesetzt, dass Babies bei solchen Untersuchungen narkotisiert werden.
Eine Aufnahme wäre einen Tag vorher, und ich wollte mich direkt mit einschreiben
lassen auch bei meinem Baby zu übernachten.
Dies führte schon zu einem Stirnrunzeln der Ärztin, die mich ansah (ihr gefiel
wohl auch schon die Farbe meines Tragetuchs nicht ;) ), und meinte, sie würde
nur die Kinder aufnehmen; für Mütter gäbe es nur 2 Rooming-in Zimmer, die
ausnahmslos immer belegt seien. Da wir ja ein harmloser Fall seien, sollte ich
doch für die eine Nacht heimfahren, oder wenn ich das nicht wollte, im Flur in
der Spielecke würde ab und an auch Mütter im Schlafsack nächtigen.
Wir beschlossen es erst mal dabei zu belassen, und uns zuhause zu sammeln und
dann zu entscheiden.
Im Dez. 2003 kam ein Anruf, der uns als MRT Termin den 10. März 2004 durchgab.
Es war keine Absprache Wo? Wie? Was? Noch sonst wie, und ich machte mir Notizen,
die ich mit zu unserem Kinderarzt nahm, um sie zu checken und zu ergänzen.
Es kam Ende Februar 2004 ein erneuter Anruf dieser liebenswürdigen Ärztin, die
uns anfragte, ob besagte Untersuchung immer noch notwendig ?? sei. Hier ein
kleiner Auszug des Telefonates (Ä=Ärztin; I=Ich):
Ä: bitte finden Sie sich am 09.03.04 um 8.00 Uhr im Raum xy im Gebäude yx ein,
sie können dort der Kinderschwester die Kleine übergeben.
I: Übergeben ??????
Ä: ach stimmt sie möchten ja bleiben, das ist mehr als unüblich, bei uns ist ihr
Kind in sehr guten Händen.
I: das steht bei mir nicht zur Debatte, mein Kind wird keinem übergeben, und ich
bleibe die ganze Zeit bei ihm.
Ä: nun wir haben ja für Mütter, die sich nicht abwimmeln lassen (O-TON !!) die
Spielecke im Flur zum Schlafen, wer das gerne will.... Außerdem sei es nicht
zulässig, dass die Mutter bei der Untersuchung dabei sei, das könne ich mir auch
schon mal abschminken.
I: Erklären sie mir doch bitte wie die Narkose vor dem MRT und währendessen
abläuft
Ä: Warum wollen sie das wissen?
I: es interessiert mich
Ä: sie kommen am 9. März um 8.00 Uhr, dann wird der Gesundheitsstatus geprüft,
Braunüle gelegt, der Narkosearzt kommt um die Einwilligung unterschreiben zu
lassen. Den ganzen Tag geschieht nichts mehr, ab Mitternacht bis 8.00 Uhr
morgens darf das Baby nicht mehr trinken, es soll nüchtern sein.
I: 8 Stunden nicht stillen?
Ä: selbstverständlich, wo liegt ihr Problem?
I: um 11.30 Uhr habe ich den Folgetermin in der Augenklinik
Ä: sagen sie ab, da schläft die Kleine noch
I: Wann können wir heim?
Ä sie müssen noch eine Nacht bleiben
I: davon war nie die Rede
Ä: Babies werden extra noch eine Nacht überwacht, und am darauf folgenden
Nachmittag erst entlassen.
I: ja vielen Dank auch
Die netten Notizen starrte ich an, und war einfach nur tot unglücklich da mit
meinem Baby hinzumüssen.
Ich rief meinen Mann in der Firma an, der direkt sagte, da gehen wir nicht hin,
ruf die Augenärztin an, und frag, ob man das MRT auch in unserer Kinderklinik
machen lassen kann.
Gesagt getan.
Die Ärztin sagte, ihr sei es egal wo die Untersuchung stattfände, wichtig seien
nur die Bilder und Ergebnisse, ich solle mir eine erneute Überweisung von meinem
Kinderarzt schreiben lassen.
Umgehend rief ich in der benachbarten Kinderklinik an, die mich sehr freundlich
mit den zuständigen Personen verbanden. Termin bekäme ich wann ich wollte, da
dort Babies bevorzugt behandelt werden, alle 8.00 Uhr Termine werden immer
freigehalten.
Ich bekam sofort einen nahen Wunschtermin, und wurde mit der Kinderstation
verbunden. Also keine 4monatige Wartezeit. Die Kinderkrankenschwester bat mich,
am späten Nachmittag einen Tag vor dem MRT zu erscheinen. Sie hielt es für
selbstverständlich, dass ich eine Liege ins Zimmer bekam, und wunderte sich,
dass ich explizit danach fragte. Dort war es sehr gern gesehen, dass die Mamis
dabei waren.
In der Zwischenzeit hatte ich Biggi Welter angeschrieben wegen der vorgegebenen
Nüchternheit von 8 Stunden. Eine erlösende Antwort kam von ihr, dass Stillkinder
wegen der guten Verdaulichkeit der MuMi lediglich eine Nüchternheit von 3
Stunden einhalten mussten. Ich druckte mir ihre Antwort aus, und legte sie bei
die Überweisung.
Der Tag der Einweisung kam; ich war recht nervös, unbegründet, wie sich
herausstellte.
Wir gingen ins besagte Aufnahmezimmer, eine liebe Ärztin checkte unsere Kleine
durch, und hatte Anweisung eine Braunüle zu legen.
Mein Baby war außer sich auf eine Liege gelegt zu werden, und fing an zu
brüllen. Ich schlug vor die Kleine anzulegen, was aber dankend abgelehnt wurde,
es sei so besser und sicherer. Die Ärztin hat eine halbe Stunde versucht die
Braunüle zu setzen, es ging nicht. Sie gab sich wirklich Mühe, aber mein
mittlerweile hysterisch schreiendes Kind hat sie wohl doch verunsichert. Sie bat
eine Kollegin weiterzumachen, und entschuldigte sich. Diese war über jeden
Vorschlag froh das Kind ruhig zu bekommen, und ich legte sie an. Nach 10 min war
wieder Friede, und sie versuchte ihr Glück an den Beinen, da am Handgelenk links
und rechts, nichts zu machen war. Ihr gelang es auch nicht, und sie meinte, der
Stationsarzt müsse ran. Am Kopf dürfe man beim MRT keine Braunüle legen, da
diese einen kleinen Metallfaden enthält, der das MRT empfindlich stört.
Auf der Station begrüßte mich ein sehr netter Oberarzt, der einfühlsam wieder
mein brüllendes Baby versuchte zu pieksen. Ich war der Meinung, sie merkte die
Einstiche nicht als Schmerz, sie wollte nur nicht auf der Liege liegen. Ihm
gelang es nach weiteren 20 min Stauen und Suchen eine Armvene zu finden, und er
war vor Glück aus dem Häuschen.
Wir checkten in ein schönes Zimmer ein mit Babygitterbett und großer Liege mit
Bettzeug für mich.
Der für uns zuständige Arzt kam, und bestellt mich mit Baby nach der Abendvisite
in sein Büro um die Vorgehensweise durchzusprechen.
Er sagte mir er sei die ganze Zeit beim Baby zur Überwachung im MRT Raum, und
ich könne gern mitkommen, wäre hoch interessant. Ich soll nur keine EC-Karte
mitnehmen, die wird in dem Raum vom Magnetfeld gelöscht; ihm sei das mal
passiert, und er hätte ziemlich dämlich an der Tanke gestanden ;). Zur Frage der
Nüchternheit meinte er, sie halten 4 Stunden bei gestillten Babies für absolut
ausreichend, 2 Stunden vorher könnte ich noch Wasser geben. Die Nachtschwester
sollte mich um 4 Uhr wecken, damit ich noch mal stillen konnte. Er käme und
würde um 7.30 Uhr ein leichtes Beruhigungsmittel geben, und das Dormicum erst
wenn das MRT anfängt.
So hielten wir es auch, ich war überglücklich an solche nette Leute geraten zu
sein, und war sehr zuversichtlich.
Die Nachtschwester bekam um 4.00 Uhr einen Heidenschreck, da sie das
Babygitterbett leer vorfand, ich hörte im Schlafdusel ein „Oh mein Gott“, dann
ein Tasten am Gitterbett, und da knipste sie hektisch die hellen Neon Röhren an.
Mit „Ach da ist sie ja“ kam wieder etwas Farbe in ihr Gesicht, und sagte mir
„bitte andocken lassen“, sie bräuchte jetzt keinen Kaffee mehr zu trinken, ihr
Adrenalin reicht bis zur Morgenübergabe.
Der Morgen kam, der nette Arzt setzte das Beruhigungsmittel und ich trug sie auf
dem Arm umher. Seinen Notfallkoffer mit dem Sauerstoffmessgerät legte er mit
Schwung in das Babybett, da er meinte, ich kann sie besser zum MRT tragen. Wir
fuhren mit dem Fahrstuhl in die betreffende Etage, alles war schon bereit, er
zog eine minimal Dosis Dormicum auf und gab es ihr. Sie lag friedlich schlafend
auf der MRT Liege, die Untersuchung fing an, ich die ganze Zeit auf einem Stuhl
dabei. Nach 25 min war es vorbei, und wir fuhren schon wieder hoch. Im Zimmer
angelangt meinte der Doc, jetzt frühstücken sie erst mal, die Ergebnisse
bekommen wir am frühen Nachmittag. Kaum machte er sie Tür zu, war meine Motte
schon am aufwachen, also wie gehabt, auch im Krankenhaus kann man nicht in Ruhe
essen *g* .
Nach 20 Minuten war sie wieder topp fit, riss sich die Sauerstoffsättigung vom
Zeh ab und versuchte hingebungsvoll darauf rumzulutschen.
Unser Ergebnis erforderte noch eine weitere Sedierung, da sie noch ein CT machen
wollten. Wegen des Braunülelegens beschloss ich über das WE zu bleiben, da ich
ihr die Stunde Braunülelegen ersparen wollte. (CT konnten sie nur montags
machen)
Naja, ich hätte direkt den Nachmittag heim gekonnt, und es war grässlich
langweilig im Krankenhaus. Tapfer hielt ich fernseh- und internetlos bis Montag
aus, dieselbe Prozedur. Wie sich montags herausstellte, blieb ich umsonst das
WE, denn die Braunüle war nicht mehr durchlässig. Es konnte aber diesmal eine am
Kopf gelegt werden, und das war ein Aktion von 2 Minuten. Unser Baby war so
müde, dass es diesmal noch nicht mal das Dormicum brauchte, das CT war viel
kürzer als das MRT, sodass sie diesmal schon im Fahrstuhl nach oben hemmungslos
ihre Fußsauerstoffsättigung ablutschen konnte.
Insgesamt habe ich mich sehr gut in dieser Klinik aufgehoben gefühlt, die Ärzte
waren sehr nett und lieb zu unserem Baby, die Schwestern sehr zuvorkommend. Ich
hatte den Eindruck, dass sie es sehr gerne sahen, dass ein 6 Monate altes Baby
noch gut gestillt wurde. Die ziemlich erschrockene Nachtschwester hat jedem
erzählt, dass sie einen Herzinfarkt bekommen hätte das leere Babybettchen nachts
zu sehen, und die Situation Familienbettschläfer scheint sehr sehr selten zu
sein.
Aber alles war sehr willkommen.
Im Vergleich dazu gab es Stories, die ich beim Endlosgangschlendern mitbekam,
was Mütter alles so in Babyflaschen mixen. Eine Frau bestand auf HA-Nahrung mit
Kandiszucker, eine andere war kalorienbewusster, und regte sich darüber auf,
dass die Schwester keinen Süßstoff fürs Fläschchen in der Küche stehen hätten.
Eine machte ihrem Baby immer Mandelmus auf den Schnuller, und war begeistert von
dieser Möglichkeit.
Ich verbrachte mit Baby die Zeit mit Lesen im Stillzimmer, was eine bequemes
Sofa hatte. Während dieser 3 Tage kam nur eine Frau regelmäßig 2x am Tag zum
Abpumpen herein, ihr Kind war ein Frühchen. Ansonsten wurde das Zimmer nicht
genutzt.
Übrigens hat sich mein Mann noch in der Kinderuniklinik beschwert, ich war
einfach nur heilfroh, dass ich dort nicht hin musste, und ich mich erfolgreich
umentschieden hatte.
Meine Anregung für jeden, der auf ein Krankenhaus angewiesen ist (Notfall
selbstverständlich ausgeschlossen!), sich im Vorfeld nach der Vorgehensweise zu
erkundigen.
Grundsätzlich würde ich immer bei meinem Kind bleiben, und auch das Bleiberecht
dort einfordern. Am besten legt man in aller Ruhe sich relevante Stichpunkte
fest, die man mit den betreffenden Ärzten durchspricht. Verlasst Euch auf Euer
Gefühl und den ersten Eindruck. Handelt nicht dagegen, wie ich gelernt habe,
gibt es IMMER eine bessere Alternative!