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Geburtsfeier – Eine Alternative
zur Taufe
Als unsere erste Tochter zur
Welt kam, hatten mein Mann und ich das große Bedürfnis,
unser Glück mit anderen Menschen zu teilen. Natürlich
hatten wir Besuch und bekamen Geschenke und Grußkarten, aber
irgendwie sollte es noch etwas "Offizielles" geben. Klar:
Für Menschen, die kirchlich gebunden sind, gibt es die Taufe.
Dort wird ein Kind willkommen geheißen in der Gemeinde und
es bekommt Paten an die Seite, die es auf seinem Lebensweg begleiten.
Gerade letzeres fanden wir wichtig für unser Kind, denn Paten
können, wenn das Verhältnis stimmt, wichtige Vertrauenspersonen
für das Kind sein.
Wir sind nicht mehr in der Kirche und haben uns für ein selbst
gestaltetes Fest entschieden. Ich möchte hier nun kurz erläutern,
wie wir bei der Gestaltung der Geburtsfeier unserer zweiten Tochter
vorgegangen sind. Das mag der einen oder anderen Familie Anregungen
geben.
Im Osten Deutschlands bietet auch der Trägerverein, der die
Jugendweihen veranstaltet, solche Feiern an. Und in größeren
Städten gibt es Freie Humanisten, die auch solche Übergangsrituale
gestalten.
Wir wollten eine Feier im Familienkreis, der Ablauf
sollte "rund" sein, es sollte ein Ritual stattfinden,
eine Handlung also, mit der die Patinnen ihr "Amt" übernehmen.
Gerade die Suche nach einem passenden Ritual fanden wir schwierig.
In der Kirche wird ja mit Wasser getauft – was kann man im
nicht-religiösen Bereich machen? Ein Baum kann gepflanzt, ein
Dokument unterzeichnet werden. Wir entschlossen uns bei Henrike
für Hand-, bei Therese für Fußabdrücke. Und
dann muss dieses Ritual noch eingebettet werden in einen gewissen
Rahmen: Musik, vielleicht etwas zum Mitsingen. Dabei kann man, wenn
es sich anbietet, auch auf die kreativen Talente der Paten oder
Familienangehörigen zurückgreifen. Bei Henrike hatten
wir den zukünftigen Paten Aufgaben gestellt (das eine Paar
sollte etwas zur Gestaltung des Raumes beitragen, das andere ein
Lied aussuchen und vorbereiten).
Doch nun zur Feier von Therese:
Alles in allem waren wir 16 Personen, die noch gut in unserem Wohnzimmer
im Kreis Platz fanden: Die beiden Großmütter, meine beiden
Schwestern mit Anhang, die beiden Patinnen und ein guter Freund,
der einen kleinen Text vortrug.
Die Mitte war gestaltet mit dem Gedicht "Die sieben Gaben"
von Gerhard Schöne, die einzelnen Verse arrangiert um ein schönes
Foto von Fußspuren im Sand – ganz passend zum Ritual.
Um das Signal zum Start zu geben, begannen wir mit dem Lied "Menschenjunges"
von Reinhard Mey. Alle Gäste hatten Platz genommen und lauschten.
Ich ergriff dann das Wort und begrüßte alle kurz. Im
Anschluss daran sangen alle gemeinsam das Lied "Wenn du glücklich
bist, dann klatsche in die Hand" von Gerhard Schöne.
Dieses Lied hatten wir ausgewählt, weil Text und Melodie
einfach sind. Zudem ist das Thema "Hand und Fuß"
präsent und alle können mitmachen – das fand ich
wichtig für die teilnehmenden Kinder. Das Gedicht "Kinder"
("Sind so kleine Hände") von Bettina Wegner hatte
ich zu Beginn an die Anwesenden versweise verteilt und dies wurde
nun reihum vorgelesen. Einen guten Freund hatten wir gebeten,
eine kleine Meditation zum Thema "Fuß" vorzubereiten
und vorzutragen. Hier kurz, was er thematisierte: Der Fuß
ist ein Abbild des ganzen Körpers, durch die Reflexzonen
sind alle Körperteile präsent. Das Stehen- und Gehenlernen
sind sehr wichtige Punkte in der Entwicklung des Kindes. Und auch
später kommt es darauf an, seinen eigenen Standpunkt zu finden.
Dieser ist dabei weder im konkreten noch im übertragenen
Sinn statisch, sondern muss immer wieder neu ausbalanciert werden.
Seine eigene Balance zu finden ist quasi eine Lebensaufgabe, die
einen immer begleitet. Dabei helfen zu Beginn eben v.a. die Eltern,
aber auch die Paten können hilfreich zur Seite stehen. So
in Kurzfassung seine Ausführungen. Dass dieser Teil (im Gottesdienst
wäre es die Predigt) nicht von den Eltern vorgetragen wird,
finde ich persönlich wichtig, sie haben sowieso schon genug
zu tun. Jemand von außen kommt noch auf ganz andere Gedanken,
das ist sehr bereichernd.
Nun folgte unser Patenritual. Dafür hatten wir eine große
Pappe mit den Fußabdrücken von Therese vorbereitet.
Die beiden Patinnen kamen nun nach vorne, durften einen Strumpf
ausziehen und bekamen von mir jeweils eine Fußsohle mit
Fingerfarbe bemalt. Als sie ihren Fußabdruck rechts und
links neben das kleine Paar von Therese setzten, forderten wir
Eltern sie kurz auf, zu sagen, was sie Therese für ihr Leben
wünschen. Anschließend wurden die Füße gewaschen
(eine Wanne mit warmen Wasser war vorbereitet) und die beiden
gingen an ihren Platz zurück. Das Lied von Gerhard Schöne
wurde nochmals lautstark mitgesungen. Zum Abschluss gab es wieder
Musik aus der Konserve: "Keine ruhige Minute", ebenfalls
von Reinhard Mey. Wir hatten den Refrain mit auf dem Programmzettel
abgedruckt, so dass auch hier gut mitgesungen wurde. Danach ließen
wir die Sektkorken knallen und das Fest verlief weiter, wie eine
ganz normale Taufe: Es gab Geschenke für Therese, gutes Essen,
Spaziergang, Kaffee und Kuchen.

Die Pappe mit den Fußabdrücken schmückt
nun das Kinderzimmer.
Elly für Rabeneltern.org, Mai 2006
Texte von Reinhard Mey: www.reinhard-mey.de
Zu Namensfeiern bei den Freien Humanisten: http://www.humanisten.de/lebensfeiern.htm |