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Lilas' Geburt zu Hause
Es ist schwer, die Geburt abgekoppelt von der Schwangerschaft zu
beschreiben. Ich hatte vor zwei Jahren den ärztlichen Befund
"unfruchtbar" bekommen, wir hatten unser Leben daraufhin
als Paar weitergeplant und steckten mitten in den Vorbereitungen
zu einer mehrjährigen Weltreise mit selbst ausgebautem Abenteuermobil,
als wir Anfang März völlig perplex die Schwangerschaft
"bemerkten". Kein Mensch konnte davon so überrascht
sein wie wir, und dann mussten wir viel nachholen, weil wir uns
ja noch nie mit einer Schwangerschaft beschäftigt hatten, eben
nicht einmal in der
Kategorie "was wäre wenn". Erst mal die "Hebammensprechstunde"
gelesen, danach stand die Hausgeburt fest. Zur Wassergeburt war
der Weg dann nicht mehr weit, und zu unserem Glück konnte auch
die Hebamme, die wir uns ausgesucht hatten, damit was anfangen.
Ein Meilenstein für mich war die Erkenntnis, dass ich erstens
Ultraschalls nicht machen muss und zweitens die Vorsorgeuntersuchungen
auch ausschließlich von der Hebamme machen lassen kann.
Ab dem 6. Monat war ich dann nicht mehr bei der Frauenärztin
(eine nette zwar, aber sie wollte uns immer weismachen, dass Ultraschall
nicht
schadet, und währenddessen versuchte die Kleine in meinem Bauch
panisch, aus dem Schallbereich zu kommen...), und das hat uns sehr
gut getan.
Wir haben dann 2 Wochen vor dem Geburtstermin unser Leih-Wassergeburtsbecken
im Wohnzimmer aufgestellt und schon eifrig
genutzt, es war himmlisch, bei entspannender Musik und Kerzenschein
den dicken Bauch im warmen Wasser einfach mal schweben zu lassen.
Lilas' Termin war ein Mittwoch, aber unsere Hebamme Christiane meinte,
sie werde wohl eher so zum Wochenende hin kommen.
Darauf waren wir dann so felsenfest eingestellt, dass wir die Wehen,
die am Sonntag vor dem Termin ganz sachte begannen, gar nicht ernst
nahmen. Ich las noch mal nach, dachte "ach, das sind also Vorwehen"
und ging weiter meinen Dingen nach.
Am Montag Abend war ich sogar noch im Geburtskurs, wo ich schon
recht heftig alle 10 - 15 Minuten wehte, es aber immer noch für
Vorwehen hielt...
So ging's dann in der Nacht auch weiter, ich veratmete die Wehen
auf allen Vieren im Bett kniend und dachte "Mensch, das wird
aber
anstrengend, wenn das bis zum Wochenende so weiter geht"...
Morgens ließ mein Mann mir dann frisches Wasser ins Becken,
und ich wehte runter ins Wohnzimmer, wo ich dann vor dem Sofa kniend
schon
schier endlose Wehen mit viel "Aaaaahhh" überstand
- und immer noch nicht ernst nahm... Das lag vor allem daran, weil
Christiane im Paarkurs den Männern gesagt hatte, solange ihre
Frauen zwischen den Wehen noch lachen könnten, wäre alles
noch nicht dramatisch. Also machte mein Mann ständig Faxen
für mich, um meinen Zustand zu prüfen - zu blöd,
ich lachte sogar während der Presswehen.
So hätte beinahe unsere Hebamme die Geburt verpasst, wenn nicht
plötzlich mit deutlichem Knacksen die Fruchtblase geplatzt
wäre: Mein
Mann und ich sahen uns an, und er meinte nur "Ich ruf wohl
mal die Christiane an..." Langsam dämmerte mir, dass es
vielleicht doch keine Vorwehen mehr waren. Nach 10 Minuten (sie
muss über die Dörfer gejagt sein wie irre) stand Christiane
mit wirrem Haar und tausend Taschen in der Tür. Das war um
8 Uhr. Sie untersuchte mich, und plötzlich höre ich sie
zu meinem Mann sagen: "Fühl mal hier, der Kopf ist schon
unten!" - WAAAAS? dachte ich, spinnt ihr? Und mir wird auf
einmal klar, dass ich mitten in Lilas' Geburt stecke und es sogar
wahrscheinlich gleich soweit ist. Ein seltsamer Moment war das.
Christiane holte mich dann flugs aus den Klamotten und half mir
ins Becken, wo ich gleich wieder auf alle Viere ging. So ganz richtig
fühlte sich das aber jetzt nicht mehr an, und zwei Presswehen
gingen ergebnislos vorbei.
Dann setzte ich mich auf meines Gatten Oberschenkel, er stützte
mich von hinten, und das war genau richtig. Bei der nächsten
Wehe konnten wir
beide schon das flaumige Köpfchen fühlen, dann verhechelte
ich eine Wehe, um dem Damm Zeit zu geben, und bei der nächsten
Wehe war Lilas'
Kopf unter Wasser geboren. Leider hatte sie die Nabelschnur recht
stramm um den Hals und konnte sich deshalb selbständig nicht
ganz für die Entwicklung der Schultern drehen, drum musste
Christiane etwas nachhelfen, und bei der nächsten Wehe kam
dann unsere Kleine mit noch einem Schwall Fruchtwasser auf die Welt
geschossen. Das war dann um 8.26 Uhr. Erst war sie ziemlich schlaff
als Christiane sie mir auf die Brust
legte, weil die Nabelschnur ihr wohl die Versorgung abgedrückt
hatte, aber dann kam sie schnell.
Aus Schreck hatte sie Meconium ins Wasser gescheddert, und um kein
Infektionsrisiko einzugehen kletterten wir drei aus dem Becken und
wurden von Christiane erst in warme Handtücher und dann aufs
Sofa gepackt. Und waren plötzlich eine Familie.
Wir lachten und heulten gleichzeitig gaaaanz leise, Christiane zog
sich nach Geburt der Plazenta zurück, und wir drei bestaunten
uns.
Lilas trank ein paar Schlucke, und als mein Mann ein bisschen später
das Wasser im Becken ausgetauscht hatte, stiegen wir zur Entspannung
noch
mal rein. Im Übrigen hatte ich nicht eine einzige Geburtswunde
(davor hatte ich ein bisschen Bammel gehabt), nur eine leichte Schürfung
die
zwei Tage lang beim Pinkeln brannte, das war alles.
Tja, das war's... ich denke so gerne daran und kann wirklich nur
jeder Frau empfehlen, sich zumindest Gedanken über eine Wassergeburt
zu Hause
zu machen. Natürlich muss da nicht jede so empfinden wie ich,
aber bei der bloßen Vorstellung einer Klinikgeburt schüttelt's
mich.
Wir haben uns zwar dennoch den Kreißsaal des Krankenhauses
hier im Ort angeschaut, um für den Fall der Fälle zumindest
schon mal da gewesen zu
sein, aber - ich will mich nicht ausliefern und meinen Körper
an Überwachungstechnik anschließen lassen müssen
als wäre er ein höchst
fehlerhafter Apparat, der jeden Moment versagen kann.
Geburtshilfemedizin ist gut und wichtig - im Notfall - aber eben
nicht als routinemäßiger Störfaktor natürlicher
Abläufe. Finde ich.
Katharina mit Lilas |