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Unsere Traum-Haus-Geburt
Unser Sohn kündigte sich knapp drei Jahre nach der Geburt
unserer Tochter an. Zu Beginn der Schwangerschaft war ich geschockt.
Ich hatte Almas Geburt so lange erfolgreich verdrängt, jetzt
sollte ich schon wieder ein Kind kriegen?
Alma hatte ich ambulant entbunden, vieles war dabei „schief
gegangen“ – angefangen bei einem überstürzten
Aufbruch ins Krankenhaus zu einem sehr späten Zeitpunkt (mit
komplett offenem Muttermund). Danach war ich sehr in die Klinikroutine
geraten. Alma war letztlich „steckengeblieben“ und nach
3 Stunden Pressphase von Ärztin und Hebamme aus meinem Bauch
gedrückt worden. Unsere Hebamme hatte zwar den Einsatz der
Saugglocke durch lange Diskussionen im Kreißsaal verhindert,
trotzdem war Stress und (aus meiner Sicht unnötige) Hektik
aufgekommen, ich hatte mich unsicher und als Störfaktor gefühlt
– als ob ich aus reiner Böswilligkeit eine problemlose
Geburt behindern würde.
Ich informierte mich. In den letzten Jahren hatte ich meine Meinung
von einem überzeugten „Gott sei Dank sind wir wenigstens
ins Krankenhaus gefahren“ gründlich zu einem „zu
Hause wäre es bestimmt nie so dramatisch geworden“ geändert.
Sehr früh rief ich meine damalige Hebamme Fritzi an. Sie hatte
zum errechneten Geburtstermin leider keine Zeit, organisierte mir
aber eine Freundin von ihr als Hebamme. Die Schwangerschaft verlief
völlig komplikationsfrei. Nur der Gedanke an die Geburt beschäftigte
mich sehr. Was sollte diesmal anders laufen? Das wichtigste war
wohl, ich wollte vermeiden, wieder so fremdbestimmt zu werden wie
bei Almas Geburt. Ich wollte meine Ruhe haben. Und ich wollte jemanden
dabei haben, der meine Interessen kennen und im Ernstfall durchsetzen
würde. Am liebsten wäre ich ganz alleine, dachte ich.
Ohne nervige Zuschauer, die was von mir wollen. Aber auch ohne Hilfe
im Ernstfall, zweifelte ich. Es drängte sich immer stärker
der Gedanke an eine Hausgeburt auf. Nur: Würde ich mich DAS
trauen? Was, wenn mein Bauchgefühl unrecht hätte?! Mein
Frauenarzt sprach das Thema von sich aus an und riet mir zu einer
Hausgeburt. Ich ließ es auf mich zu kommen, sprach nicht darüber.
Ich wollte keine anderen Meinungen, dazu war ich mir selbst zu unsicher.
Der errechnete Geburtstermin lag sehr ungünstig, eine Woche
nach unserem Umzug ins neue Haus – toll geplant. Zudem fuhr
meine neue Hebamme zwei Tage später in Urlaub. Dann sollte
Fritzi übernehmen. Ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich
wollte. Ich hatte so schlechte Erinnerungen an Alma Geburt, schämte
mich fast ein wenig, damals so „versagt“ zu haben.
Zwei Wochen vor der Geburt machte die Hebamme Andeutungen, das
Kind käme sicher eher. Nee, dachte ich, das geht nicht, wir
müssen erst noch umziehen. Ich war mir sicher, das Kind würde
warten, bis wir eingezogen wären. Nun, der Geburtstermin kam
– und verstrich. Die Hebamme verabschiedete sich in den Urlaub.
Fritzi übernahm die Bereitschaft. Sie kam abends zu uns, ins
größte Chaos mit zig Handwerkern. Ich fragte mich, ob
und wie hier eine Hausgeburt überhaupt möglich sein könne.
Entschieden hatte ich mich immer noch nicht endgültig. Frozzelnd
verabschiedete Fritzi sich mit „Bis heute nacht!“ Meine
Bedenken waren verschwunden. Es erschien mir an dem Abend gut und
richtig, dass Fritzi diese Geburt mit uns erleben würde.
Nachts gegen 2 Uhr wachte ich auf. Es ging los, da war ich ganz
sicher, obwohl ich kaum Wehen spürte. Ich ging in die Badewanne
und versuchte bewusst, mich zu entspannen, dachte an das Baby und
freute mich darauf, ganz bald ein kleines Wesen im Arm zu halten.
Ich war so neugierig auf mein kleines Baby – und ich genoss
die Stille um mich rum! Als die Wehen heftiger wurden, kam ich aus
der Wanne, wanderte eine Weile ziellos durch die Gegend und weckte
gegen 4 Uhr meinen Mann. Die Wehen wurden immer heftiger, kamen
im 5 – 7 Minuten Zeitabstand. Ich konnte mich nicht mehr auf
das Baby konzentrieren. Um 5 Uhr zwang mein Mann mich, die Hebamme
anzurufen – ich tat es, aber ich war mir sicher, dass es ein
Fehlalarm sei. Das konnten doch keine echten Wehen sein! Ich verkündete
also cool am Telefon, sie könne ja man langsam kommen, aber
es sei keine Eile geboten. 10 Minuten später war sie da. Sie
stellte fest, dass der Muttermund schon fast ganz geöffnet
sei. Wie damals bei Alma. Damit stand für mich fest: Ich wollte
zu Hause bleiben, nicht noch mal so ein hektischer Aufbruch.. Ich
wanderte weiter durch die Gegend, während Fritzi im Wohnzimmer
den Boden mit Tüchern abdeckte. Bei Hausgeburten, meinte sie,
sei es ihr ganz wichtig, nix dreckig zu machen, da die Leute sowieso
Vorurteile hätten. Nun Vorurteile hatte ich nicht unbedingt,
aber einen nagelneuen Teppich. Um 6 brachte mein Mann Alma zu ihren
Großeltern nach nebenan. Ich wollte sie nicht mehr im Haus
haben, dazu war ich mir meiner selbst nicht sicher genug. Kaum war
er weg, wurde mir fürchterlich schlecht und die Presswehen
begannen. Mein Mann war um 5 nach 6 wieder da – sehr zur Erleichterung
der Hebamme, die schon ernsthaft gefürchtet hatte, er werde
die Geburt verpassen. Ich schleppte mich mühsam von der Toilette
ins Wohnzimmer. Was tat ich eigentlich hier? Ich zweifelte an mir
und meiner Fähigkeit, das Kind „so ganz alleine“
zu kriegen. Fritzi wurde energisch. Ich könne es sowieso nicht
mehr ändern.
Ich versuchte, eine halbwegs erträgliche Position zu finden,
beruhigte mich wieder, sagte mir, natürlich konnte ich! Dann
kamen zwei Presswehen, die mich fast überrollten. Fritzi mahnte
eindringlich, ich MÜSSE jetzt weiterpressen, der Kopf sei halb
draußen. Was?? Na gut. Und mit einem Flutsch spürte ich
das Baby rausrutschen. Einen Moment war ich wie betäubt (Wie?
Das war’s schon?), dann berappelte ich mich und hob das Baby
vorsichtig vom Boden hoch und krabbelte mit ihm aufs Sofa, legte
ihn an und guckte ihn ewig lange einfach nur an. Ein kleiner Junge,
ganz anders aussehend als Alma damals und soooooooooo klein. Und
sehr sauer – offenbar war ihm das alles etwas zu schnell gegangen.
Ich fragte, wie spät ist es eigentlich? 6:10 Uhr – die
Pressphase, die mir wie Stunden vorgekommen war, hatte knapp 10
Minuten gedauert. Fritzi steckte die beschmutzten Tücher in
einen Müllsack und verzog sich dezent in die Küche und
ließ uns unseren Sohn bewundern. Nach einer Weile kam sie
zurück und verkündete, sie habe die Plazenta eingewickelt
und in den Tiefkühlschrank gepackt. Ich schluckte etwas, freundete
mich dann aber mit dem Gedanken an, sie unter Florians Baum im Garten
einzupflanzen.
Später machte mein Mann sich auf den Weg, um Brötchen
für uns zu holen. Während er weg war, nähte Fritzi
mich mit zwei Stichen – ich war ein bisschen gerissen aber
nicht annähernd so stark wie bei Alma.
Wir frühstückten gemütlich zusammen und danach fuhr
Fritzi kurz nach Hause. Ich bewegte mich den ganzen Tag lang nicht
von meinem Sofa weg, die ganze Zeit mit meinem Baby auf dem Bauch.
Alma kam nach dem Kindergarten nach Hause und kuschelte sich zu
uns. Es war so schön! Das Schönste am Kinderkriegen war
eindeutig, das zu Hause bleiben.
Gundula
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