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Ambulante Geburt von Benjamin im Krankenhaus
Am Abend des 29.09. sagte ich zu meinem Mann, dass ich nervös
sei, hibbelig eben. Ich hatte das Gefühl, in dieser Nacht würde
noch etwas passieren. Und tatsächlich: Am kurz nach 1 Uhr wachte
ich auf, mit leichten Wehen. Ich versuchte noch etwas zu schlafen,
doch das gelang mir nicht mehr. Um 1.45 h stand ich auf, kochte
mir eine Kanne Himbeerblättertee und setzte mich erst mal vor
den PC. Die Wehen kamen etwa alle 10 min. und waren gut zu ertragen.
Morgens fuhr mein Mann noch zur Arbeit, kam jedoch nach ein paar
Stunden wieder
nach Hause. Der Abstand der Wehen blieb immer noch gleich.
Nachmittags gegen 15 h kam eine "unserer" Hebammen vom
Geburtshaus, Jytte, um nach dem Baby und mir zu schauen. Ergebnis:
Dem Baby geht es prima, der Muttermund war jedoch noch unverändert
auf 1 cm. Unverändert? Es hatte sich also nach einer Nacht
und einem Morgen mit Wehen noch gar nichts getan? Es war wie bei
Alexander: stunden-/tagelang Wehen, die nichts bewirkten! Ich war
so enttäuscht! Es war wirklich furchtbar für mich, denn
ich hatte so viel getan, damit diese Geburt anders verläuft
als bei Alexander . Sollte es nun wieder so laufen?
Am Abend, gegen 19 h, riefen wir Jytte an, dass wir nun ins Krankenhaus
(Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke) fahren würden. Ich war
ziemlich verzweifelt und wollte nicht noch eine Nacht mit (unnützen?)
Wehen verbringen. Alexander sollte nun zum ersten Mal bei seinen
Großeltern (meinen Eltern) übernachten.
Im Krankenhaus ließ man uns die Wahl: Wir könnten abwarten,
bis die Wehen kräftiger und zu Geburtswehen wurden oder ganz
aufhörten. Ich bekäme dann eine Spritze mit Bryophyllum
(zum Entspannen) und evtl. eine wehenhemmende Tablette. Ich könnte
allerdings auch eine PDA bekommen und einen Wehentropf. Ob das Kind
damit auf die Welt käme, wäre allerdings fraglich, schlimmstenfalls
wäre sogar ein Kaiserschnitt nötig. Wir entschieden uns
(etwas zähneknirschend) für die erste Variante. Ich bekam
eine (riesige) Spritze mit Bryophyllum, das mich sehr entspannte.
Außerdem noch eine Spritze, die alles entspannen und so evtl.
den Muttermund öffnen sollte. Diese wirkte jedoch nicht, also
bekam ich eine Partusisten-Tablette (wehenhemmend). So konnten wir
(mehr schlecht als recht) drei Stunden lang schlafen. Am Morgen
des 1.10. waren die Wehen weg, wir holten
Alexander ab und fuhren nach Hause. Die Wehen begannen jedoch am
Vormittag wieder. Nachmittags riefen wir im Geburtshaus an und fuhren
hin. Heike (eine andere Hebamme) riet uns, weiter zu warten. Im
Krankenhaus könnten sie lediglich wieder eine wehenhemmende
Tablette geben. Und da wollten wir die Nacht lieber
alle zu Hause verbringen. Sie gab uns Bryophyllum (in Pulverform)
und eine tokolytisches Öl (dass entspannen sollte) mit. So
verbrachte ich diese Nacht mehr schlecht als recht zu Hause. Schlafen
konnte ich kaum, nur zwischen den Wehen ein wenig. Diese musste
ich schon mehr veratmen, sicher auch, weil ich so müde und
fertig war und nicht mehr an Geburtswehen glaubte. Die Wehen veränderten
sich nämlich leider kein bisschen.
Am Morgen des 2.10. überlegten wir, was wir nun tun sollten.
Wir entschieden uns dafür, am Mittag ins Krankenhaus zu fahren.
Für eine Hausgeburt fühlte ich mich nicht mehr stark genug,
ich war langsam am Ende meiner Kräfte, dachte ich. Wir kamen
also ins Krankenhaus und dort wurde ich untersucht. Dem Baby ging
es prima (wie immer), Muttermund auf etwa 2,5 cm, Wehen unregelmäßig
alle 5 - 7 min.. Klasse! Es hatte sich etwas getan! Nun konnten
wir dort bleiben und etwas essen, ein wenig spazieren gehen oder
nach Hause gehen. Wir sind dann nach Hause gegangen, was mir lieber
war. Es konnte ja noch einige Zeit dauern. Wenn die Wehen regelmäßiger
wurden, alle 5 min., sollten wir wiederkommen. Wir sind also gegen
13 Uhr nach Hause gefahren. Um 15 Uhr fuhren wir wieder ins Krankenhaus.
Die Wehen waren sehr stark, alle 2 bis 6 min., also immer noch sehr
unregelmäßig. Was hatte das zu bedeuten? Ich wollte auf
jeden Fall ins Krankenhaus und unbedingt eine PDA haben!
Für den Weg vom Auto ins Krankenhaus haben wir bestimmt dreimal
so lange gebraucht wie üblich, denn ich musste einige Wehen
veratmen... Endlich waren wir im Kreißsaal angekommen, wo
ich so laut tönen durfte, wie ich wollte - was ich auch getan
habe! Wieder wurde ich ans CTG angeschlossen. Dem Baby ging es natürlich
gut, die Wehen waren sehr stark und wurden teilweise schon nicht
mehr aufgezeichnet. Die Hebamme untersuchte den Muttermund: 7 cm!!!
Er hatte sich also innerhalb von zwei Stunden mal eben um 5 cm geöffnet!
Da musste ich selbst zwischen den wirklich starken Wehen lachen:
Die PDA konnte ich vergessen: Unser Baby sollte bald auf die Welt
kommen, die Fruchtblase stand wohl auch kurz vor dem Platzen. Die
Hebamme dort rief nun Heike an, die jedoch wegen einer anderen Geburt
nicht kommen konnte, auch die zweite Hebamme konnte nicht, eine
äußerst
seltene Konstellation. Doch ich war auch zufrieden damit, mit dieser
Hebamme zu entbinden, die wir schon von Alexanders Geburt kannten.
Sie half noch ein wenig nach, indem sie den Muttermundsaum in den
Wehen festhielt (oder so?), so dass er schneller aufging. Dazwischen
"ermahnte" sie mich immer, besonders tief zu atmen, weil
die Herztöne des Babys schlechter wurden... Bald kamen auch
schon die Presswehen. Ich musste einfach mitpressen! Dann platzte
die Fruchtblase. Eine Wehe später sagte die Hebamme, ich könnte
schon das Köpfchen fühlen, wenn ich wollte. Das wollte
ich aber nicht (warum, weiß ich heute nicht mehr). Nach
wenigen Wehen mehr schlüpfte Benjamin dann aus mir heraus.
Ich weiß nicht mehr, wie viele Presswehen es insgesamt waren,
aber bestimmt nicht mehr als fünf oder sechs.
Er wurde um 16.10 Uhr geboren, wog 2.800 g bei 49 cm Körperlänge
und 34 cm
Kopfumfang.
Nun wollten wir gleich nach Hause, was auch möglich war, jedoch
sollte Benjamin noch von einem Kinderarzt untersucht werden. Der
hatte allerdings alle Hände voll zu tun und einige Notfälle
zu betreuen, so dass wir leider erst um 22 Uhr nach Hause gehen
konnten. Zuvor kamen jedoch meine Eltern noch mit Alexander in den
Kreißsaal, um den neuen Enkel und Bruder zu begrüßen.
Alexander war sofort begeistert vom kleinen "Buda" und
ist es noch bis heute.
Alles in allem war es nicht so eine schöne Geburt, wie ich
sie mir gewünscht habe. Doch nach der recht traumatischen Geburt
von Alexander bin ich froh, eine ganz normale Geburt erlebt zu haben.
Besonders die Presswehen habe ich als besonders intensiv erlebt,
weil bei Alexanders Geburt zu diesem Zeitpunkt die PDA noch wirkte.
Das Gefühl, wie mein Baby aus mir herauskommt, war wirklich
toll.
Janina, Dezember 2003 |