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Henrikes Geburts- und Stillbericht
Jetzt im März 2003 ist Henrike 16 Monate alt. Für diesen
Geburts- und Stillbericht habe ich in dem Tagebuch gelesen, dass
ich für Henrike führe. So viele Erinnerungen, so viele
Gefühle...
Henrike war ein Wunschkind. Ganz jung waren wir nicht, aber auch
nicht alt mit 32 und 33 Jahren. Die Schwangerschaft verlief vollkommen
normal. Ich genoss sie und blühte auf. Bei Henrikes ersten
Bewegungen stellte ich mir vor, was sie wohl für ein Kind sein
würde.
Auf jeden Fall gefiel es ihr so gut, dass ich schon eine Einweisung
ins Krankenhaus hatte für die Einleitung. Die Geburt fing dann
aber doch von selbst an. Auch hier sah zunächst alles nach
einer Bilderbuchgeburt aus. Aber als ich schon auf dem Gebärhocker
saß, hörten die Wehen auf. Danach begann dann das medizinische
Programm: Seitenlage im Kreißbett, Wehentropf, aber Henrike
wollte einfach nicht. Nachdem ihre Herztöne absackten und ihr
Köpfchen schon mehrmals zu sehen war, aber jedes Mal wieder
verschwand, fiel dann die Entscheidung: Zangengeburt! Mein Mann,
der mich bis dahin ganz toll unterstützt hatte, wurde rausgeschickt.
Um mich herum versammelten sich fünf Weißkittel (Hebamme,
Ärztin, Oberarzt. Kinderarzt, Krankenschwester). In diesem
Moment fehlte mir mein Mann so, und ich fühlte mich nur noch
allein und ausgeliefert.
Doch endlich war es so weit: Henrike war da, blau und rot, verschrumpelt,
laut schreiend - und doch das süßeste Mädchen der
Welt!
Angelegt habe ich sie noch im Kreißsaal. Unser kleines Mädchen
saugte so kräftig. Dass in so einem kleinen Menschen so viel
Kraft sein konnte
Im Krankenhaus blieb ich fünf Tage. Die Hebammen und Schwestern
auf der Wöchnerinnen-Station waren ganz unterschiedlich: Von
der Ziege a là Oberschwester Hildegard bis hin zur Hebamme,
die mir auch menschlich gute Tipps gab, war alles vertreten.
Mir fehlte jedoch die einheitliche Linie: Jede sagte etwas anderes
und vor allem die Konservativen rümpften sie Nase über
die Vorschläge ihrer Kollegin zu alternativen Fütterungsmethoden.
Denn Henrike bekam im Krankenhaus ein oder zwei Fläschchen
HA-Nahrung., obwohl ich es eigentlich nicht wollte - hatte ich doch
in der Schwangerschaft Hannah Lothrop gelesen. Aber das ständige
Gerede: "Sie war übertragen und braucht Flüssigkeit.
Sehen Sie doch mal wie trocken ihre Haut ist" machte mich ganz
hilflos und unsicher.
Als wir zu Hause waren, klappte alles viel besser. Henrike war ruhiger,
schrie nicht mehr so viel. Meine größere Ruhe übertrug
sich auch auf das Kind. Ich konnte richtig anfangen, unsere kleine
Tochter zu genießen. Da unsere Verwandtschaft weit weg wohnt,
konnten wir uns den Tag so gestalten, wie wir wollten. Und blieben
auch von mehr oder weniger klugen Kommentaren verschont.
Dazu gehörte für mich auch das Stillen - ganz selbstverständlich.
Ein Stück weit war es sicher auch der Ehrgeiz, der mich packte:
Waren doch drei meiner vier Neffen ca. ein Jahr gestillt worden.
"Was meine beiden großen Schwestern schaffen, das schaffe
ich auch!!", war meine Devise. Und alles in allem verlief unsere
Stillbeziehung auch problemlos.
Nur im letzten Sommer - ich war bei meinen Eltern zu Besuch und
Henrike in der totalen Fremdelphase - kam es zu einem fiebrigen
Milchstau. Die Ärzte in der gynäkologischen Ambulanz hatten
wenig bis keine Ahnung vom Stillen. Der Professor schien auch der
Meinung zu sein, dass Abstillen jetzt wohl doch angebracht sei.
Zum Glück holte ich mir Rat bei einer Stillberaterin, die mir
den Rücken stärkte. Ihre Tipps halfen auch: Ruhe. Stillen,
Stillen, Stillen.
Und jetzt: Henrike wird in der Regel immer noch dreimal täglich
gestillt. Vor allem zum Einschlafen braucht sie es noch. Für
mich ist das kein Problem. Vielmehr genieße ich den ruhigen
Tagesabschluss, das dämmrige Licht, die Nähe zu unserem
kleinen Schatz.
Was wir nicht (mehr) machen: Stillen in der Öffentlichkeit.
Ich gebe zu, dass ich da für mich eine persönliche Grenze
erreicht habe. Vielleicht wäre es anders, wenn Henrike es einfordern
würde, aber tagsüber lässt sie sich meist auch anders
trösten.
Das letzte Mal haben wir im Trubel auf ihrer Geburtsfeier gestillt,
das war vor drei Monaten.
Das Ende? Es könnte fast lauten wie im Märchen: Und wenn
sie nicht gestorben sind, dann stillen sie noch heute
Elly
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