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Erfahrungsberichte
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Beikost? Bitte nicht zu früh!


Als unsere Große noch ein Baby war, hatte ich wenig bis Null Ahnung vom richtigen Stillen, Beikosteinführung und überhaupt von der richtigen Babyernährung. Ich habe es so gemacht, wie es mir erzählt wurde, von meiner Mutter, von der Kinderärztin, von den Nachbarinnen und Bekannten. Ich dachte, wenn alle das so machen, dann wird es auch richtig sein… Leider hat es sich später als fatal herausgestellt und unsere Tochter musste wegen meiner Blindheit ziemlich leiden…

Ich konnte stillen, ich hatte viel Milch, so viel, dass ich sogar neben meiner Tochter jeden Tag eine Tagesration für ein unbekanntes Mädchen ausstreichen konnte. Viele haben sich gewundert (ist ja unglaublich, dass die Frau viel Milch haben kann), haben es aber akzeptiert. Der erste Schock kam, als wir zur Kontrolle mit einem Monat bei der Kinderärztin waren, Gabi hatte Anämie, die Werte waren so schlecht, dass man uns sofort ins Krankenhaus schicken wollte, zugenommen hat sie im ersten Monat auch zu wenig. Ich habe mit der Ärztin eine Woche ausgehandelt und habe wie ein  Weltmeister gestillt, zur nächsten Kontrolle hatte sie 100g zugelegt. Was für eine Erleichterung! Ich dachte, nun kann ich mich entspannen und mein Baby genießen. Nein, wir mussten schon mit zwei Monaten Apfelsaft geben, 2-3 TL 1-2 Mal am Tag. Sonst fehlen dem armen Kind die wichtigsten Vitamine, hat mir die Kinderärztin gesagt. Auch wenn es total überholt ist, wie ich das JETZT weiß, habe ich das geglaubt - schließlich haben das alle so gemacht. Den Saft haben wir natürlich selber gemacht: den Apfel ganz fein reiben und den Saft, der dabei entsteht auffangen. Gabi hat es auch geschmeckt. Ein paar Wochen später ging´s schon weiter: Zwiemilchernährung. Das blöde dabei: ich hatte ja genug Milch, nein ich hatte viel Milch und habe trotzdem industrielle Säuglingsnahrung zugefüttert… Weil die Ärztin dass sagte… Nach und nach kamen andere Lebensmittel dazu und mit 5 Mon. aß mein Baby schon brav Milchbreie (natürlich mit verdünnter Vollmilch gekocht), Quark von der speziellen Kinderküche, geriebenen Apfel, gekochtes Eigelb, Kartoffeln, Fleisch… Ich glaube das war´s. Sie hat alles wirklich gut gegessen, es hat ihr auch Spaß gemacht; wir freuten uns über unsere „große“ Tochter und gaben an, wie toll sie sich entwickelt. Anämie ging zum Glück auch weg, das war das einzige positive Aspekt, obwohl vermutlich wäre es auch mit Vollstillen weggegangen, aber wissen werden wir es wohl nie…

Dann wachte Gabi eines Tages plötzlich mit einem roten Fleck am Hals. Ich bin natürlich zur Kinderärztin gegangen, die meinte nur Reaktion auf Schweiß. Was ja auch zutreffend schien, denn der Sommer 1994 war in Kaliningrad ungewöhnlich heiß, Gabi schwitze wirklich viel. Wir mussten die Stelle mit speziell vorbereitetem Puder behandeln. Nach zwei Tagen wurde aus einer Stelle eine hässlich ca. 8cm lange Wunde, die offen war und nässte. Wir haben alles ausprobiert, Puder, Cremes, Naturheilmethoden, nichts half. Das Kind schrie, konnte schlecht schlafen, die Wunde wurde immer tiefer und hässlicher. Die Kinderärztin meinte nur, ich müsse das Kind öfters waschen und richtig abtrocknen und hat dann doch gnädigerweise uns zur Physiotherapie geschickt. Die Schwester (!!!) da hat mir nach der dritten Behandlung ganz leise gesagt, dass das ganze eigentlich total nutzlos wäre, denn das Kind hat offensichtlich Allergie. Daraufhin sind wir zum Homöopathen gegangen, der mir sofort geraten hat von der Kuh- auf die Ziegenmilch umzusteigen und auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Nach einem Monat homöopathischen Behandlung war die Wunde verheilt, aber die Spuren sind geblieben. Gabi hat Neurodermitis, sehr trockene Haut, einige Lebensmittelallergien und seit einiger Zeit Psoriasis, dazu kommen noch  unerklärliche Magenschmerzen. Sie muss ständig aufpassen, was sie isst und muss auf bestimmte Lebensmittel verzichten.

Nach vielen Gesprächen mit verschiedenen Ärzten, in Russland und auch hier in Deutschland, kann ich leider mit Gewissheit sagen, dass wir ihr mit zu früher Beikost den Darm ruiniert hatten. Sie hat eh erbliche Vorbelastung und dann haben wir ihren Körper so beansprucht, dass er einfach nicht mehr richtig funktioniert bzw. nicht funktionieren kann.

Wir haben ja daraus gelernt und Gabis Geschwister wurden min. 6 Mon. vollgestillt und mit der Beikosteinführung war ich dann sehr zögerlich und vorsichtig. Ich bin jetzt der Meinung lieber zu spät die Beikost einführen (obwohl dieses „zu spät“ ach relativ ist) als zu früh. Das Kind kann doch sein Leben lang Milchbreie und Karotten essen…


Margarita

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