Der fürsorgliche Vater
von Dr. James Kimmel
übersetzt aus dem Englischen von eulalie für Rabeneltern.org
Mütterliches Verhalten bei den Primaten ist
intensiv von Zoologen erforscht worden und keiner hat sich gegen die Verwendung
des Begriffs – Affenmutter- ausgesprochen. Umgekehrt, der Begriff –Affenvater-
ist selten, wenn überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen worden und die meisten
Zoologen würden es ablehnen, diesen Begriff zu benutzen. Vater impliziert eine menschenähnliche Beziehung basierend auf
Verwandtschaft in einer monogamen Familie und ist anthropologisch besetzt.
G. D. Mitchell
Paternalistic Behavior In Primates (1)
Menschen sind Säugetiere,
d. h. sie wachsen in der Gebärmutter und werden nach der Geburt an den
mütterlichen Milchdrüsen gesäugt. Der natürliche Fortpflanzungsprozess des
Menschen endet nicht mit der Geburt, sondern das Neugeborene entwickelt sich
weiter in engem Kontakt zu seiner Mutter. Der natürliche Fütterungstrieb des
Muttertiers ist lebensnotwendig für den Fortbestand der Säugetiere. Männliche
Tiere sind erforderlich, um neues Leben zu zeugen. Sobald jedoch das Sperma die
Eizelle befruchtet hat, endet die biologische Rolle im Fortpflanzungsprozess.
Das befruchtete Ei in der Gebärmutter und der Säugling nach der Geburt sind
nicht auf die Fürsorge des männlichen Elternteils angewiesen, um zu leben und
sich zu entwickeln. In Anbetracht der Tatsache, dass die Männchen biologisch
nicht notwendig sind für das Gedeihen der Jungen, wurde dennoch herausgefunden,
dass väterliche Fürsorge (2) bei 10 % der Säugetiere (3) stattfindet.
Diese Zahl sagt vermutlich
mehr aus über das Verhältnis zwischen Männchen und Weibchen, als über das
tatsächliche Potential der Männchen fürsorglich zu sein. Es ist wichtig für das
Verständnis elterlichen Verhaltens zu erkennen, dass Säugetierjunge sich ihren
Müttern anvertrauen. Wenn der Vater nicht regelmäßig in Verbindung zur Mutter
steht, wird er keinen besonderen Kontakt zu dem Leben aufbauen, das er selber
zeugte. Mann-Frau-Beziehungen sind eher ungewöhnlich unter den Säugetieren.
Eigentlich treffen sich die Geschlechter nur zum Akt der Zeugung. In diesen
Fällen gibt es keine gemeinsame Sorge um das Baby, denn der Vater ist weder
während der Geburt, noch während der Zeit des Aufwachsens anwesend. Männliche
und weibliche Tiere leben in Herden, ohne größeren Kontakt untereinander. Die
Männchen agieren oftmals als Verteidiger der gesamten Gruppe gegenüber
Angreifern, aber nicht insbesondere hinsichtlich ihrer eigenen Nachkommen (4).
Es gibt allerdings Ausnahmen. Einige Arten, z. B. Wölfe und Löwen, leben in
Paarbindungen. Männchen und Weibchen leben zusammen in einem Rudel, die in
Gruppen jagen. In diesen Fällen sind die Männchen mit ihren Nachkommen
involviert. Sie verhalten sich oft beschützend gegenüber ihrem Partner und den
Neugeborenen und beteiligen sich an der Futtersuche für die Jungen, nach deren
Säugezeit. Man kann sicher davon ausgehen, dass dieses elterliche Verhalten
ungewöhnlich für Säugetiere ist, dennoch nicht ungewöhnlich für solche, die
monogam leben oder in Paarbeziehungen (auch dann, wenn die Beziehung nur
zeitweise aufrecht erhalten wird, während das Neugeborene sich entwickelt (5).
Menschen gehören zur
Gruppe der Primaten. Unter den Primaten ist elterliches Verhalten eher rar. Das
ist nicht unbedingt so, weil die Männchen weniger Interesse an ihren Nachkommen
haben, sondern weil die Weibchen es ihnen im allgemeinen nicht erlauben, den
Neugeborenen zu nahe zu kommen. Die Männchen vieler Primatenarten haben sich als
Gefahr für ihren Nachwuchs ausgezeichnet. Umgekehrt, Männchen zeigen auch
beschützendes Verhalten gegenüber Müttern und ihrem Nachwuchs (6). Die
Gelegenheit der Primatenmännchen mit ihren Jungen Kontakt zu pflegen hängt zum
großen Teil von der Gruppe ab, in der sie leben. Es gibt eine Reihe
unterschiedlichen Gruppenverhaltens unter den Primaten und zwar sowohl
Nur-Weibchen-und-Nachwuchs-Gruppen, Nur-Männchen-Gruppen, Weibchen-Gruppen,
Ein-Männchen-und-viele-Weibchen-Gruppen, als auch gemischte Gruppen. Einige
Gruppen sind nur lockere und offene Gemeinschaften, während andere streng
hierarchisch organisiert sind. Die einzig beständige Beziehung in allen Gruppen,
ist die zwischen Mutter und Kind. Die spezielle Verbindung zwischen Mutter und
Kind ist atypisch für Vater und Kind, selbst dann, wenn Männchen und Junge in
einer Gruppe zusammen leben. Das bedeutet nicht, dass Männchen sich nicht auch
um ihre Jungen kümmern. Sie wurden beobachtet, wie sie den Nachwuchs
beschützten, bei der Fellpflege, beim Spiel, bei der Futtersuche.
Unter vielen Arten der
neuzeitlichen Affen, zeigen die Männchen deutliche Anzeichen fürsorglichen
Verhaltens. Das Männchen der Titi-Affen beispielsweise trägt seinen Nachwuchs so
gut wie ständig mit sich herum. Sein Verhalten gegenüber den Jungen ist
praktisch gleich dem der Mutter mit der Ausnahme des Säugens. Elterliche
Fürsorge und Tragen der Nachkommen ist üblich bei den panamesischen Nachtaffen
und den Marmosetaffen. Männchen und Weibchen leben bei diesen Arten in
Paarbeziehungen (7). Elterliches Verhalten ist weniger verbreitet unter den
Affen prähistorischer Zeit und den Menschenaffen. Trotzdem, die Männchen zeigen
häufig beschützendes Verhalten gegenüber ihren Nachkommen und genießen es, mit
ihnen zu spielen. Paviane zeigen angemessenes elterliches Verhalten. Unter den
verschiedenen Arten der Paviane, tragen die Männchen ihre Jungen, ja sie
adoptieren sogar fremden Nachwuchs (8). Man kann das Verhalten der Primaten
nicht verallgemeinern. Es gibt zu viele Besonderheiten zwischen den Arten und
innerhalb einer Art. Aber, ähnlich wie bei anderen Säugetieren, ist der
entscheidende Faktor des väterlichen Verhaltens bei den Primaten, die Mutter zu
begleiten und ihr ein Partner zu sein. Neugeborene Primaten hängen emotional an
ihrer Mutter, die sie liebevoll umsorgt. Außer der Vater ist ebenfalls emotional
der Mutter zugewendet und umgekehrt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er viel
Kontakt zu seinem Nachwuchs hat. Obwohl wir nicht wissen, ob Väter schon immer
ein Teil der menschlichen Familie gewesen sind, Fakt ist, dass irgendwann in der
Vergangenheit, Männer anfingen eine Vaterrolle einzunehmen. Margret Mead sagt
dazu:
Wenn wir alle
menschlichen Gesellschaften untersuchen, so finden wir überall so etwas wie eine
Familie, ein dauerhaftes Abkommen, in dem Männer Frauen bei der Versorgung der
gemeinsamen Kinder unterstützen, solange die Kinder klein sind. Der
entscheidende menschliche Aspekt dieses Unterfanges liegt weder darin, dass
Männer ihre Familie beschützen – das haben wir mit den Primaten gemein. Noch
liegt er im männlichen Verhaltensmuster, Besitzansprüche gegenüber den Frauen zu
stellen zum eigenen Vorteil – auch das haben wir mit den Primaten gemein. Der
entscheidende Unterschied liegt vielmehr im fürsorglichen Verhalten der Männer,
die sich mit um die Nahrungsbeschaffung für Frauen und Kinder kümmern.
Irgendwann in der Vorzeit der menschlichen Geschichte, fand eine soziale
Erfindung statt, die sicherstellte, dass Männer sich um ihre Familien sorgten.
Der Mann, Hüter der Tradition, versorgt Frauen und Kinder. Es gibt keine
Hinweise dafür, dass Männer ohne Sozialisierung, diese Aufgabe wahrnehmen würden
(9).
Es sollte nicht
überraschen, dass der Mann, obwohl er im biologischen Sinne keine väterliche
Rolle ausfüllt, sich liebevoll und fürsorglich um andere kümmert, die ihm Nahe
stehen. Fürsorge und liebevoller Umgang miteinander sind keine Kuriositäten,
sondern überall dort zu Hause, wo sich soziale Strukturen unter den Arten
entwickelt haben. Nichtsdestotrotz, das fürsorgliche Verhalten des Mannes ist
normalerweise eines, das angelernt ist oder durch kulturelle Gegebenheiten ihm
mitgegeben wird.
Margaret Mead glaubte, dass väterliche Fürsorge eine soziale Erfindung war. Dies
ist eine übliche Annahme in der westlichen Zivilisation, in der Menschen als
unsozial und verantwortungslos (Mütter sind in diesem Zusammenhang eine Ausnahme
auf begrenzte Zeit) wahrgenommen werden. Die Ansicht, dass Männer sich nicht von
Natur aus fürsorglich um ihren Nachwuchs kümmern, ist im allgemeinen
unumstritten unter Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema eingehend befasst
haben. David
Blankenhorn behauptet:
...Vaterschaft, sehr viel
mehr als Muttersein, ist eine kulturelle Erfindung. Die Erfüllung dieser Aufgabe
für den jeweiligen Mann beruht weniger auf einer biologische Vorgabe, sondern
auf kulturellen Gegebenheiten – eine Sozialisierung, die ihn zu bestimmten Tun
veranlasst und so sein Selbstverständnis als Mann in der Gesellschaft prägt
(10).
Blankenhorn sagt weiter:
Ein Vater erfüllt seine
grundlegende biologische Aufgabe im Moment der Zeugung – 9 Monate bevor das Kind
geboren wird. Da die soziale Vaterschaft nur indirekt mit der biologischen
verknüpft ist, kann die Verbindung beider nicht einfach vorausgesetzt werden.
Der Begriff – ein Kind zu machen – ist normalerweise auf den Zeugungsakt
beschränkt und hat nichts mit der Verantwortung, ein Kind aufzuziehen gemein.
Das, was Väter beitragen zur Erziehung ihrer Kinder ist zum größten Teil
kulturell bedingt (11).
Der Glaube, dass
Vaterschaft keinen biologischen Ursprung hat wird unterstützt durch die
Tatsache, dass praktisch während der gesamten menschlichen
Zivilisationsgeschichte, Männer Kinder zeugten, um nach der Geburt nichts mehr
mit ihnen zu tun zu haben. Die Natur hat Männern die Möglichkeit mitgegeben, die
Entstehung neuen Lebens – anders als bei den Frauen – zu ignorieren, in dem
Männer nicht wissen können, ob sie eine Frau geschwängert haben oder nicht.
Hinzu kommt, dass diese Tatsache Männer häufig nicht interessiert oder es ihnen
egal ist. Es ist nicht ungewöhnlich für einzelne Väter kaum oder gar keinen
Kontakt zu ihren Kindern zu pflegen. Es ist ebenfalls nicht ungewöhnlich für
Väter, gewalttätig gegenüber ihren Kindern zu werden oder sie gar zu
missbrauchen. Obwohl die Menschen die einzigen Primaten sind, bei denen
väterliches Verhalten dauerhaft vorkommt, bleibt es dennoch Tatsache, dass nicht
alle Kinder einen fürsorglichen Vater haben oder gar überhaupt einen. Studien
über Menschengruppen, die außerhalb der Zivilisation leben, haben ergeben, dass
nur wenige Kinder Väter haben, die nicht mit ihnen leben oder die nicht
fürsorglich sind. In Jäger und Sammler Gesellschaften, werden Mutter und Vater,
sowie andere männliche und weibliche Mitglieder der Gruppe von Anthropologen im
allgemeinen als nachsichtig und fürsorglich gegenüber allen Kindern
beschrieben. Trotz des grundsätzlichen Glaubens in der westlichen Welt, der
Mensch wäre primär von egoistischen Motiven und Instinkten gelenkt, ist es viel
eher anzunehmen, dass unsere prähistorischen Verwandten Individuen waren, die
füreinander da waren und die sich umeinander gekümmert haben. Der Gedanke,
menschliche Individuen wären grundsätzlich egoistisch und verantwortungslos, und
um ein soziales Wesen zu werden, müsste der Mensch diese Eigenschaften zu
unterdrücken lernen, ignoriert die Notwendigkeit der menschlichen Fürsorge und
ihren bedeutenden Einfluss auf die persönliche Entwicklung und die Auswirkung
auf das Leben in der Gruppe insgesamt. Beide, Frau und Mann, sind von Natur aus
dazu bestimmt, in Beziehung zu ihrer fürsorglichen Mutter zu wachsen und sich zu
entwickeln. Die natürliche Bemutterungsprozess leistet viel mehr, als Kinder nur
am Leben zu erhalten. Er führt in ein Leben ein, das gekennzeichnet ist vom
Miteinander, von Liebe und Fürsorge. Bemutterte Kinder lernen, dass Geborgenheit
und das Stillen ihrer Bedürfnisse untrennbar zum liebevollen Miteinander der
Menschen gehört. Vor diesem Hintergrund sind Sozialkompetenz und Sozialisation
natürliche Folgen des Bemutterungsprozesses. Bemutterung ist die Wurzel für die
Art und Weise wie wir mit anderen Menschen umgehen. Die Mutter, die ihren
Kindern Nähe gibt und für sie da ist, schafft den Boden, auf dem Fürsorge für
andere gedeiht und den selben Stellenwert hat, wie die Liebe für sich selbst.
Männer haben keine biologische Vaterrolle. Aber diese Tatsache schließt sie
nicht aus, sich fürsorglich um andere zu kümmern, insbesondere um Kinder.
Während ihrer Kindheit waren sie Teil des natürlichen Bemutterungsprozesses.
Menschenbabys müssen Sozialverhalten nicht erlernen, es ist ihnen von Natur aus
mitgegeben worden. Wir könnten nicht überleben, wären wir nicht von vornherein
soziale Wesen. Um diese Fähigkeit nicht zu verlernen, ist die Anwesenheit,
sowohl einer liebevollen Mutter, als auch liebevoller Mitmenschen erforderlich.
Es sind nicht nur die Mütter, die zur Art der Säugetiere gehören. Beide, Männer
wie Frauen werden zu fürsorglichen Erwachsenen wie ihre Mütter, wenn sie im
Sinne des natürlichen Bemutterungsprozesses aufwachsen. Die Tatsache, dass es
Männer gibt in allen Gesellschaften, die wir kennen, die sich um ihre
Partnerinnen und Kinder kümmern, sollte Beweis genug sein, dass fürsorgliches
Verhalten nicht eine exklusive Fähigkeit ist, die nur Frauen haben. Wir können
alle „Mütter“ werden, auch ohne Gebärmutter und Brüsten mit Muttermilch.
Väterliches Verhaltens ist nicht in der Biologie des Mannes oder in der
Notwendigkeit, „egoistische Gene“ an ihre Nachkommen weiterzugeben, verwurzelt,
wohl aber in der genetischen und biologischen Notwendigkeit einer liebevollen
Bemutterung der Nachkommen. Die Art und Weise wie Männer als Babys und Kinder
von ihrer Mutter umsorgt wurden, legt bereits weitgehend fest, ob und wie sie
sich später väterlich Verhalten werden. Ohne Bemutterung gäbe es keine
fürsorglichen Väter. Fehlt eine angemessene Bemutterung oder ist diese gar
unzureichend, dann führt dies dazu, dass Männer eher nicht in der Lage sind,
fürsorgliches Verhalten anzunehmen, welches notwendig ist, um als Erwachsener
ein liebevoller Partner und Vater zu sein.
Väterliches Verhalten
entstand, weil Männer, als auch Frauen, sich in Beziehung zu einer fürsorglichen
Mutter und anderen Mitmenschen entwickelten. Allerdings, allein die Bemutterung
reicht nicht aus, damit sich väterliches Verhalten durchsetzen kann. Wie wir bei
den Säugetieren gesehen haben, gehört dazu auch die Möglichkeit der Väter, an
der Versorgung und Aufzucht der Nachkommen beteiligt zu sein. Denn, wie wir
bereits feststellten, haben die meisten männlichen Säugetiere und Primaten,
unabhängig von der Bemutterung während sie heranwuchsen, sehr wenig Kontakt zu
ihren Jungen. Um diesen Kontakt Vätern zu ermöglichen, müssen Männer und Frauen
Beziehungen aufbauen, die sich nicht nur als sexuelle Partnerschaft definiert.
Die Evolution der Menschheit brachte Individuen hervor, die zusammen arbeiteten
und miteinander teilten. Es ist anzuzweifeln, dass sich das Teilen auf Nahrung
und Besitz beschränkte. Vielmehr lebten Menschen in der Gemeinschaft. Es ist
natürlich für sie, sich um andere zu kümmern und sich für das Wohl anderer
verantwortlich zu fühlen, so wie es Mütter tun, die ihre Kinder für lange Jahre
umsorgen. Warum sollten Männer, als auch Frauen, sich nicht mit dieser Art des
Miteinander identifizieren, es verinnerlichen, das fürsorgliche und liebevolle
Verhalten ihrer Mütter, welches sie ganz individuell von Anfang an genossen
haben? Ingesamt ist es vorstellbar (basierend auf Zuwendung, Intimität und
zärtlichem Instinkt der Mutter-Kind-Bindung), dass Mann und Frau sich als
gegenseitig fürsorgendes Paar vereinten, lange bevor sich das Gehirn, wie wir es
heute kennen, entwickelte. Die Paarbindung könnte als so natürlich für den
Menschen verstanden werden, wie sie es für andere Arten auch ist.
Väterliches Verhalten bei
allen Primaten resultiert also aus der selbst erlebten Fürsorge durch die eigene
Mutter, während des Erwachsenwerdens und der Möglichkeit, sich dem eigenen
Nachwuchs zuwenden zu können. Bei den Menschen kommt eine dritte Anforderung
hinzu: die jeweilige Kultur muss väterliches Verhalten unterstützen. So wie die
Kultur die väterliche Fürsorge unterstützen kann, so kann sie diese auch
unterbinden. Das letztere traf sicher auf die Geschichte der Kindheit in der
westlichen Zivilisation zu, wo strenge und brutale Behandlung von Kindern,
insbesondere von Vätern, als angemessenes Erziehungsmittel akzeptiert war (12).
Der fürsorgliche Vater war
allgegenwärtig in allen Gesellschaften, die außerhalb der sogenannten
zivilisierten existierten. Es ist anzunehmen, dass der fürsorgliche Vater Teil
der prähistorischen Kulturen war, und dass er von Natur aus dafür so
selbstverständlich gemacht ist, wie die fürsorgliche Mutter. Tatsächlich
spekuliert Margret Mead, dass unsere „Geburt“ als Menschen begann, als der
fürsorgliche Vater sich der Kleinstfamilie Mutter-Kind anschloss (13). Als wir
noch in der natürlichen Welt lebten, passte sich der fürsorgliche Vater, sowohl
den Bedürfnissen unserer Art an, als auch der Organisation innerhalb der Gruppe.
Er war die Kreation seiner Mutter und durch seine Ähnlichkeit zu und seiner
Identifikation mit ihr, hat er die Fürsorge seiner zukünftigen Partnerin für die
gemeinsamen Kinder unterstützt , so wie es seine Eltern für ihn getan haben. Das
menschliche Kind, anders als seine tierischen Verwandten, hatte zwei
fürsorgliche Elternteile, nicht bloß einen. Das trifft nicht mehr zu, schaut man
sich die Geschichte der Zivilisation an. Zivilisation brachte das Patriarchat
mit sich, das die Beziehung von Frauen und Männern, Müttern und Kindern, Väter
und Kindern, dramatisch veränderte. Immer noch hatten Kinder eine Mutter und
einen Vater, aber im Maße, indem die natürliche Bemutterung sich veränderte oder
ganz eliminiert wurde, wurde sie zu einem Relikt der Vergangenheit.
Da wir die natürliche
Bemutterung der Kinder abschafften, geschah dasselbe mit der Fürsorge der Väter.
Leidtragende dieser Entwicklung waren in erster Linie die Kinder. Statt von zwei
liebevollen Elternteilen umsorgt zu werden, wachsen viele Kinder ohne Liebe und
Fürsorge auf.
Quellen zum Text:
1 G. D., Mitchell, "Paternalistic Behavior In Primates." in Perspectives on
Animal Behavior. Ed. Gordon Bermant. Glenview, Il: Scott, Foresman,
1973.
2 It is difficult to ascertain fatherhood among the mammals, since
females in heat frequently mate with many males. Therefore, it is best to speak
of "paternal behavior" rather than "fathering" when discussing the relationship
of males to the young.
3 Jeffrey Moussaieff Masson and Susan McCarthy. When Elephants
Weep. New York: Delacorte Press, 1995.
4 Carrighar, Sally. Wild Heritage. Boston: Houghton Mifflin,
1968, page 84.
5 Carrighar, ibid.
6 Gary D.Mitchell, "Paternalistic Behavior in Primates."
Psychological Bulletin, 1968 399-417.
7 Lloyd de Mause, The History of Childhood. New York: The
Psychohistory Press, 1974.
8 Mead, ibid.
9 Mitchell, ibid
10 Mitchell, ibid.
11 Mead, Margaret. Male and Female. New York: William Morrow,
1967, 188-190.
12 Blankenhorn, David. Fatherless America. New York: Basic
Books, 1995.
13 Blankenhorn, ibid.
Mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung von Karen Koevary, Tochter von
James Kimmel
Der Originaltext mit dem Titel: The Nurturing Father ist unter
http:// www.naturalchild.org nachzulesen.